Stiftung Warentest

Datenschutz von Clubhouse-App: Experten schlagen Alarm – Verstöße gegen EU-Recht

Der Hype um die Clubhouse-App ist hierzulande angekommen. Die Experten von Stiftung Warentest haben die App in puncto Datenschutz untersucht – und üben Kritik.

  • Der Hype um die audiobasierte App Clubhouse ist auch in Deutschland ungebrochen.
  • Clubhouse ist die derzeit am meisten heruntergeladene App.
  • Die Stiftung Warentest* bemängelt den Umgang der Hersteller mit den Daten der Nutzer.

Kassel - Schon Ende des Jahres 2020 sorgte in den USA die audiobasierte App Clubhouse für Aufsehen. Schnell tummelten sich zahlreiche Stars, wie Oprah Winfrey, Schauspieler Ashton Kutcher oder US-Rapper Drake in den verschiedenen Chaträumen der App.

Auch in Deutschland ist der Hype angekommen. Hierzulande nutzen Prominente wie Thomas Gottschalk, Joachim „Joko“ Winterscheidt oder Influencerin Caro Daur den neuen Social-Media-Dienst des Herstellers Alpha Exploration Co.. Die Stiftung Warentest hat sich ausgiebig mit den Datenschutzrichtlinien der App befasst und Kritik geäußert.

Denn Clubhouse sammelt eine Vielzahl von personenbezogen Daten seiner Nutzer. Einige davon seien laut Stiftung Warentest „unnötig“ und sozusagen der „Eintrittspreis“ in die exklusive Community. Vor Freude mit dabei zu sein, vergessen viele Nutzer, Vorsicht im Umgang mit den eigenen Daten walten zu lassen. Dies birgt vor allem deshalb Gefahren, da die Datenschutzgesetze in den USA deutlich milder sind als in der EU.

Clubhouse in Deutschland: Stiftung Warentest prüft die App in puncto Datenschutz

Der Hersteller Alpha Exploration, mit Sitz in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah, setzt in Sachen Marketing auf „Fomo“ („Fear of missing out“), also die Angst der Nutzer, etwas zu verpassen. Nur mit einer Einladung kann man der Clubhouse-Gemeinschaft beitreten.

Noch dazu ist der Social-Media-Dienst bisher nur mit Geräten von Apple nutzbar. Die Folge: ein echter Hype. Die bisweilen sehr raren Einladungen für die App wurden bereits sogar auf Online-Plattformen wie Ebay für viel Geld angeboten.

Datenschutz bei Clubhouse: Stiftung Warentest findet Verstöße gegen europäisches Recht

Mit den personenbezogenen Daten, die durch die Nutzung der App auf dem Clubhouse-Server landen, erhält der Hersteller unter anderem Auskunft über das Handymodell und den Mobilfunkanbieter der Nutzer. Auch Daten zur Auswahl der jeweiligen Chaträume sowie Dauer und Zeitpunkt der Nutzung von Clubhouse werden erfasst.

Hinzu kommt, dass die Betreiber der App sämtliche Gespräche mitschneidet und zumindest für eine gewisse Zeit speichert. Laut Alpha Exploration, um die Einhaltung der Nutzungsbedingungen zu gewährleisten. Darüber hinaus benötigt die App Zugriff auf das Adressbuch der Nutzer.

Bei Datenschützern schrillen da die Alarmglocken, Experten warnen vor der Nutzung. Auch die Stiftung Warentest hat bei der Untersuchung der App mehrere Verstöße gegen europäisches Recht und genauer gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) festgestellt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat die Betreiber von Clubhouse aufgrund dessen bereits abgemahnt.

Die neue App Clubhouse wird derzeit in Deutschland gehypt.

Clubhouse „datenhungrig“: Experten von Stiftung Warentest bemängeln die App

In dem Bericht von Stiftung Warentest heißt es, Clubhouse sei „datenhungrig“. Außerdem wird die DSGVO in verschiedenen Punkten nicht beachtet. So hat der Hersteller Alpha Exploration Co. seine Datenschutzerklärung lediglich in englischer Sprache veröffentlicht. Darin sahen die Tester eine Informationsbarriere für deutschsprachige Nutzer. Außerdem sei seitens des Betreibers keinen Datenschutzbeauftragter ausgewiesen. Auch ein Impressum ist auf der Webseite des Anbieters der App nicht zu finden.

Auch werden Nutzer von Clubhouse nicht ausreichend über ihre Rechte aufgeklärt. Hinzu kommen unvollständige Informationen über den Zweck und die Speicherdauer der erhobenen Daten. Aus dem Testbericht von Stiftung Warentest geht ebenfalls hervor, dass die Verwendung der Nutzerdaten zu weitreichend seien.

Stiftung Warentest: Wer erhält Einblick in die Daten von Clubhouse?

Unklar war zunächst, ob Clubhouse auch die Standortdaten seiner Nutzer erfasst. Laut Stiftung Warentest ist dies allerdings nicht Fall. Dennoch werden die Daten während des Gebrauchs der App erhoben - und zwar von Apple. Die Tester fanden heraus, dass Iphones während des Gebrauchs von Clubhouse häufiger den Standort des Gerätes an Apple übermitteln.

Aussage über die App ClubhouseAnteil der gut 2000 befragten Personen in Deutschland
Nie von Clubhouse gehört, Nutzung nicht vorstellbar54,4 Prozent
Nie von Clubhouse gehört, Nutzung aber vorstellbar21,1 Prozent
Schon von Clubhouse gehört, Nutzung nicht vorstellbar17,3 Prozent.
Schon von Clubhouse gehört, Nutzung vorstellbar6,4 Prozent.
Nutzer von Clubhouse0,6 Prozent.
Quelle: OMD

Ohnehin ist Clubhouse bisher lediglich auf Geräten mit dem Apple-Betriebssystem IOS nutzbar. Daher landet eine Vielzahl der erhobenen personenbezogenen Daten auch auf den Servern von Apple im US-Bundesstaat Kalifornien. Doch wie Stiftung Warentest erklärt, erhalten auch zwei weitere IT-Firmen aus den USA Daten von Alpha Exploration. Zum einen Data Theorem, eine Firma für IT-Sicherheit. Zum anderen mit Amplitude eine Firma, die sich auf Datenanalyse spezialisiert hat und die Daten für Werbezwecke auswertet.

Für die Stiftung Warentest verstößt die App Clubhouse damit gegen die europäische Datenschutzgrundverordnung. Trotz der hohen Nachfrage ist für die Tester damit klar. „Wenn Clubhouse sich lang­fristig in Europa als neues soziales Netz­werk behaupten will, muss es in puncto Daten­schutz nachbessern“, lautet das Urteil der Tester. (Yannick Wenig) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Christoph Dernbach/dpa

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