Australian Open

Würdiges Finale: Imposanter Medwedew fordert Djokovic heraus

Daniil Medwedew
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Daniil Medwedew steht zum ersten Mal im Finale der Australian Open.

Keiner hat Novak Djokovic bislang bezwungen, wenn er im Endspiel der Australian Open stand. Am Sonntag trifft die serbische Nummer eins der Tennis-Welt auf Daniil Medwedew, der saisonübergreifend 20 Mal nacheinander gewonnen hat. Welche Serie wird enden?

Melbourne (dpa) - Titelanwärter Daniil Medwedew wedelte mit seinen erhobenen langen Armen und trieb das Publikum in der Rod-Laver-Arena noch einmal an.

Als er im dritten Satz seines Australian-Open-Halbfinals mit dem Spielgewinn zum 6:5 seine kleine schwächere Phase überwunden hatte, ließ er sich endgültig nicht mehr von Stefanos Tsitsipas aufhalten. Der Beste der starken russischen Tennis-Generation wird am Sonntag (9.30 Uhr/Eurosport) im Finale den Rekordsieger Novak Djokovic herausfordern und will auch den Topfavoriten entzaubern.

«Wie man sieht, kann ich einige große Namen schlagen, wenn ich gut spiele», sagte Medwedew: «Natürlich ist es für das Selbstvertrauen großartig, wenn du jeden schlägst, weil Leute - glaube ich - vielleicht anfangen, sich ein bisschen vor dir zu fürchten.»

Momentan wirkt es so, als würde der 25-Jährige einfach nicht mehr verlieren. Mit seinem langen dominanten und nur im dritten Satz kurzzeitig wackeligen 6:4, 6:2, 7:5 im Halbfinale gegen den griechischen Weltranglisten-Sechsten gelang ihm saisonübergreifend der 20. Sieg in Serie. Noch imposanter: Zwölf Mal nacheinander hat der Russe gegen Top-Ten-Spieler gewonnen.

Nun aber könnte seine Herausforderung kaum größer sein: Damit es mit dem ersten Grand-Slam-Titel klappt, muss Medwedew auch die serbische Nummer eins der Welt schlagen. Und Djokovic hat seine vorangegangenen acht Endspiele in Melbourne alle für sich entschieden.

«Mir gefällt es, dass ich nicht so viel Druck habe, weil er noch nie verloren hat im Endspiel», sagte Medwedew. Acht seiner 17 Grand-Slam-Trophäen hat Djokovic in Australien gesammelt. Im faszinierenden Rennen mit Roger Federer und Rafael Nadal (je 20), seine Konkurrenten aus der Schweiz und Spanien, liegt er noch zurück.

Medwedew will sein seit Monaten starkes Auftreten mit dem ersten Coup bei einem der vier bedeutendsten Turniere im Tennis veredeln. Er habe sehr viel Erfahrung aus seinem bislang einzigen Grand-Slam-Endspiel bei den US Open 2019, das er in fünf Sätzen gegen Nadal verlor, mitgenommen, sagte er. «Es war mein erstes Grand-Slam-Finale gegen einen der Größten. Nun treffe ich auf einen anderen der Größten. Wenn wir ein verrücktes Match haben werden, kann ich ein paar Dinge in meine Richtung und nicht gegen mich drehen», sagte Medwedew, der ab Montag mindestens die Nummer drei der Weltrangliste werden wird.

Gegen Tsitsipas war Medwedew nach vier ausgeglichenen Spielen mit seinen früh genommenen und geraden Schlägen der bessere Halbfinalist. Mit eindrucksvoller Selbstverständlichkeit kontrollierte der 1,98 Meter große schlaksige Athlet aus Moskau die längeren Ballwechsel. «Das ist jetzt schon ein Klassenunterschied», urteilte Boris Becker als Eurosport-Experte am Ende des zweiten Satzes.

Angefeuert vom Publikum in der Rod-Laver-Arena - die griechische Gemeinde in Melbourne ist groß - kam Tsitsipas im dritten Satz nach einem erneuten Rückstand noch mal zurück. Anders als zuvor gegen Topstar Nadal kam er aber nicht annähernd an eine Wende heran. Medwedew verlor nur kurzzeitig seine Souveränität - und ging mit einem Rückhand-Passierball entscheidend 6:5 in Führung.

«Sie waren überwiegend für ihn», sagte Medwedew über das Publikum: «Das war der Moment, in dem ich das Match gewonnen habe, kann man sagen. Ich wollte, dass sie mich anerkennen, denn der Schlag war unglaublich. Ich denke, es war einer der besten Schläge meiner Karriere.» Er sei das Publikum so nicht mehr gewohnt gewesen, erklärte er angesichts leerer Ränge in den vergangenen Monaten der Corona-Pandemie. In Melbourne sind nach einem fünftägigen Lockdown seit Donnerstag wieder Zuschauer erlaubt.

Medwedew dürfte in dieser Form auch für Djokovic gefährlich werden. Der Weltranglisten-Erste sprach anerkennend über die Siegesserie des Russen, sagte bei Eurosport aber auch: «Es wird viel geredet über die neue Generation, die von uns übernehmen soll. Aber realistisch gesehen, ist das noch nicht passiert. Mit allem Respekt gegenüber den anderen Jungs, sie haben noch viel Arbeit vor sich.» Djokovic hatte sich bereits am Donnerstag gegen den russischen Überraschungsmann Aslan Karazew in drei Sätzen behauptet.

Anders als bei den Herren ist die Szenerie bei den Damen eine ganz andere, die Hauptdarstellerinnen variieren. Die 23-jährige Naomi Osaka aus Japan aber hat sich etabliert. Ihr ist am Samstag (9.30 Uhr/Eurosport) gegen Überraschungsfinalistin Jennifer Brady der vierte Grand-Slam-Titel zuzutrauen. Sollte die Amerikanerin Brady, betreut vom deutschen Trainer Michael Geserer, am Ende die begehrte Sieger-Trophäe in den Händen halten, wäre die Überraschung noch größer als bei einem Triumph von Medwedew.

© dpa-infocom, dpa:210219-99-508684/4

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