Zukunfts-Diskussion beim KSB: Benötigt die Stadt Hildesheim einen Sportentwicklungsplan?

„Vorhandenes Konzept überdenken“

„Vorhandene Sportkonzepte überdenken“: Prof. Ronald Wadsack von der Fachhochschule Ostfalia Salzgitter-Wolfenbüttel.

Veränderte Bewohnerstrukturen, ein gewandeltes Sportverhalten und nicht zuletzt die angespannte finanzielle Lage der Kommunen stellen auch den öffentlichen Sportbereich vor neue Herausforderungen. Im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Sport, Natur und Gesundheit“ hatte die Hildesheimer Kreisvolkshochschule (KVH) in Kooperation mit dem Kreissportbund (KSB) deshalb zu einer Podiumsdiskussion in die Lehrstätte eingeladen.

„Braucht Hildesheim einen Sportentwicklungsplan?“, lautete die Frage, die KVH-Moderator Christian Becker nicht nur Frank Wodsack als KSB-Vorsitzenden und Mitglied des Hildesheimer CDU-Stadtverbandes stellte, sondern den Vertretern der unterschiedlichsten Sportorganisationen aus Stadt und Landkreis. Vertreter der Stadt- und Landkreisverwaltung waren zu dieser Veranstaltung ebenfalls geladen, blieben dieser allerdings fern, wobei gerade dieses Thema für die betroffenen Kommunen zu einem zukünftig nicht irrelevanten Schwerpunkt ihrer Arbeit werden könnte.

Zunächst berichtete Prof. Dr. Ronald Wadsack von der Fachhochschule Ostfalia Salzgitter-Wolfenbüttel als Professor für Management in Einrichtungen des Sports und der Sportindustrie sowie als Geschäftsführender Vorstand des Instituts für Sportmanagement von seinen Erfahrungen im Bereich der Sportentwicklungsplanung in Salzgitter. „Die Herausforderung dabei ist, die Erfahrungen der Vergangenheit zu nutzen um daraus etwas Sinnvolles für die Zukunft abzuleiten.“

Während zahlreiche niedersächsische Kommunen bereits einen Auftrag über die Erstellung eines Sportentwicklungsplanes erteilt haben, steht für Hildesheim ein solcher Plan, der als sportwissenschaftliche Orientierungshilfe gelten soll, derzeit noch aus.

Mittels 3000 Fragebögen, die per Zufallsentscheidung an die Einwohner Salzgitters geschickt wurden, haben sich die zuständigen Planer ein Bild machen können über das derzeitige Sportverhalten der Betroffenen.

„Welche Sportart wird derzeit betrieben, wie oft und wie lange wird sie ausgeübt, welche Sportstätten werden dabei genutzt? Das waren Fragen die wir gestellt haben“, erklärte der Professor, der deutlich machte, dass auf der anderen Seite die Bestandsaufnahme der vorhandenen Sportstätten einschließlich ihrer Belegungsdichte und Auslastungszeiten stehe.

„Der demographische Wandel, das veränderte Arbeits- und Freizeitverhalten sowie die Vielzahl der Sportanbieter, die heute nicht nur aus Vereinen und Verbänden bestehen, machen es erforderlich, das vorhandene Sportkonzept zu überdenken.“ Relevant sei dabei die Frage, welche Sportart Menschen zukünftig betreiben wollen und werden und welche Sportstätten dafür langfristig gesehen benötigt werden. Und erst wenn diese Fragen geklärt seien, mache es Sinn, die gewonnenen Erkenntnisse in Gesprächen zusammenzuführen.

Für Frank Wodsack als Vorsitzender des KSB ist klar, dass die Stadt Hildesheim um eine Diskussion über die Entwicklung eines entsprechenden Sportentwicklungsplanes nicht umhinkommen wird. „Um unsere Vereine demographiefest zu machen, müssen wir darüber nachdenken.“

84 Vereine mit 27 000 Sportlern im Hildesheimer Stadtgebiet wären von der Erstellung eines Sportentwicklungsplanes betroffen und ohne deren Mithilfe würde es nach Meinung des KSB-Vorsitzenden nicht gehen. „Das für die Stadtverwaltung alleine kaum zu schaffen.“ Diese Meinung unterstrich das Publikum, das es allerdings als schwierig erachtete, für die nächsten zehn Jahre zu planen. „Alles ändert sich immer so schnell. Die Interessen verlagern sich, Geschmäcker verändern sich.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare