30 Läufer starten beim „KiLL 50“ / Georg Kunzfeld nach 7:38 Stunden im Ziel / Streckenrekord knapp verpasst

Ein „verrückter Lauf“ durch die Nacht

Die „verrückte Familie der Marathonis und Ultras“ bei bester Laune vor dem Start, rechts Susanne Holz und Michael Neumann.

HILDESHEIM Bestens ausgestattet mit Kopfleuchten, topografischem Kartenmaterial, individuellen Erkennungsmarken, GPS Geräten auffälligen Reflektorstreifen oder Warnwesten und Notfallpfeifen, starteten etwa 30 Läufer bei Einbruch der Dunkelheit zum 50 Meilen langen Rundkurs „KiLL 50“ (Kein Idyllischer Landschaftslauf). Start und Ziel waren am Vereinshaus des SV Blau-Weiß Neuhof.

Die Teilnehmer sind erfahrene Marathon- oder Ultraläufer. Dennoch zeigte sich vor dem Start bei einigen von Ihnen ein gewisses Maß an Nervosität. Bei Uwe Spillebeen, der aus dem Wendland anreiste, drehten sich die Gedanken darum, wie gut er sich auf seinen Orientierungssinn bei Dunkelheit verlassen kann. Auf seine Fitness vertraute er, denn er ist im September 250 Kilometer in acht Etappen beim „Trans Alpin“ durch die Berge gelaufen. Massud Feyzee Shandi, der mit 67 Jahren der älteste Teilnehmer ist, sagte vor dem Start „Für mich ist der Lauf wie eine persönliche TÜV-Plakette. Wenn ich bis ins Ziel komme, ist alles gut“. Die weiteste Anreise hatte der 35-jährige Diego Barber, der für den „KiLL 50“ aus New York kam. Über ein Internetforum hat er vom „verrückten Lauf“ durch die Nacht erfahren und die weite Anreise auf sich genommen.

Nach 7:38 Stunden erreichte Georg Kunzfeld das Ziel. Er und Matthias Schramm, der im letzten Jahr mit exakt der gleichen Zeit gewann, galten als die Favoriten in diesem Jahr. Schramm wurde mit 7:47 Stunden zweiter Sieger, gefolgt von Lars Donath, der das Ziel nach 8:54 Stunden erreichte. Damit ist die Hoffnung auf einen neuen Streckenrekord nur knapp verpasst worden.

Kunzfeld und Schramm berichteten am Morgen, dass sie bis etwa Kilometer 70 zusammen gelaufen seien. Je nach Beschaffenheit des Geländes übernahm einer von ihnen die Führung und gab das Tempo an. „Als es eine Böschung hinauf ging, haben wir uns gegenseitig hochgezogen,“ schilderte der Gewinner die Teamarbeit der Läufer. Den Sieg lief Kunzfeld ein, weil er im Gelände des letzten Streckenabschnitts seinem „Mitläufer“ überlegen war.

Als schnellster Läufer aus Hildesheim erreichte Thomas Ehmke nach 10:44 Stunden das Ziel. Schnellste Frau war die Stuttgarterin Steffi Prahe (11:08 Stunden). Insgesamt waren sechs Frauen am Start, die alle das Ziel erreichten. Als Läufer aus der Region erreichten Dirk Nehm (Eime, 12:09), Heiner Schütte (Adensen, 12:22) sowie Matthias Engelke (14:35) und Brigitte Koczy (14:57) aus Hildesheim den lang ersehnten Zieleinlauf. Für vier Läufer endete der „KiLL 50“ auf der Strecke, weil die Strapazen zu groß waren.

Ein Highlight nach der durchlaufenen Nacht war eine heiße Dusche und ein Frühstück im Kreise der „ziemlich verrückten Familie der Marathonis und Ultras“. Im Anschluss übernahm Michael Neumann, auf seine unverkennbare, mit trockenem Humor gespickte Art, die Siegerehrung. Für jeden gab es eine Urkunde und die individuelle Erkennungsmarke mit auf den Weg. Der Sieger durfte ein Wildschweinfell mit handschriftlichen Aufzeichnungen entgegennehmen. Und auch das Wahrzeichen des „KiLL 50“, ein Plastikskelett namens „Kill Bill“, ging nicht leer aus. Ihm wurden die Hälften der Erkennungsmarken, der vier Läufer die aufgeben mussten, angeheftet.

Mit dem „KiLL 50“ haben die Organisatoren Michael Neumann und Susanne Holz die Streckenlänge von 50 Meilen (knapp 80 Kilometer) in Deutschland etabliert. Nach ihrer Aussage finden der Charakter und auch die Organisation des „KiLL 50“ inzwischen immer mehr Nachahmer. ckb

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