Deutschland siegt mit 2:1 beim Blindenfußballländerspiel in Northeim

Mit rasselndem Ball

Spannendes Spiel mit schweigsamen Zuschauern und guten Dribblings: Die türkische und die deutsche Nationalmannschaft im Blindenfußball treten in Northeim gegeneinander an. Foto: LL

NORTHEIM (LL) - Ein Blindenfußballländerspiel zwischen der deutschen und türkischen Nationalmannschaft fand am Samstag im Northeimer Gustav-Wegner-Stadion im Rahmen der Vorbereitung auf die Europameisterschaft statt. Die deutsche Auswahl setzte sich mit einem knappen 2:1 Erfolg gegen den amtierenden Europameister aus der Türkei durch und feierte somit einen verdienten, aber dennoch stark umkämpften Sieg.

Trotz des wechselhaften Wetters fanden rund 250 Zuschauer den Weg an den Northeimer Kunstrasenplatz, um eine über­raschend harte und körperbetonte Partie erleben zu können. Vor allem die Atmosphäre des Spiels machte besonderen Eindruck, da die Zuschauer absolute Ruhe bewahren müssen, um den Spielern die Kommunikation und das Hören des Balls zu ermöglichen. Die Unterschiede zum Fußball mit Spielern ohne Sehbehinderungen sind hauptsächlich die verstärkte Rolle von Anweisungen und Audiosignalen, wie zum Beispiel das Klopfen an den Pfosten, das der Orientierung bei Straf- und Freistößen dient, sowie die dribbellastige Spielweise (siehe Artikel rechts). Die Partie begann mit einer Druckphase der Türken, wobei es immer wieder zu gefährlichen Abschlüssen auf den deutschen Kasten kam. Jedoch schafften es die Gäste nicht, ihre anfängliche Überlegenheit in ein Tor umzuwandeln, so dass Alexander Fangmann nach tollem Solo das 1:0 für Deutschland markieren konnte. In der zweiten Halbzeit, die von vielen Fouls geprägt war, konnten die Türken schon früh zum zwischenzeitlichen 1:1 ausgleichen, ehe Taime Kuttig den 2:1 Endstand herstellte. Beide Seiten vergaben noch hochkarätige Chancen bei Sechs- und Acht-Meterstößen, scheiterten aber an den nicht sehbehinderten Torhütern. Das vom Kreissportbund organisierte Event fand bei den Zuschauern regen Anklang, wobei „vor allem die interessante Mischung sowie die abgeänderten Regeln zu beeindrucken wussten,“ so der Zuschauer Martin Fahrtmann. Besonders die Atmosphäre macht den Blindenfußball zu einem interessanten Ereignis und zeigt einen bewunderungswerten Umgang mit einer Behinderung wie Blindheit.

Besonderheiten beim Blindenfußball

Ein Spiel dauert beim Blindenfußball zwei mal 20 Minuten, wobei die Zeit bei jeder Unterbrechung gestoppt wird. Die Halbzeit dauert zehn Minuten und jede Mannschaft hat pro Halbzeit die Möglichkeit, ein Time-Out in Anspruch zu nehmen. Das Spielfeld beim Blindenfußball beträgt 20 mal 40 Meter und ist an den Seiten bebandet. Die Banden dienen den Spielern als Orientierungshilfe und sind ein elementarer Bestandteil des Spiels und vor allem bei Abstößen Dreh- und An­gelpunkt. Die Mannschaften bestehen aus je vier Blinden und einem Sehendem, der im Tor spielt. Um die Chancengleichheit zu gewährleisten, müssen alle Spieler die Augen zukleben und eine Maske tragen. Anders als beim herkömmlichen Fußball werden die Teamfouls von den beiden Schiedsrichtern gezählt, bei jedem sechstem Teamfoul gibt es einen Acht-Meter-Strafstoß für die gegnerische Mannschaft. Zusätzlich wird ein Spieler nach seinem fünften persönlichen Foul disqualifiziert, darf aber von einem Teamkollegen ersetzt werden. Der Ball ist ein rasselnder Leder- oder Synthetikball, der außerdem etwas kleiner und sprungreduziert ist, um die Ballkontrolle zu erleichtern. Ein weiterer wichtiger Bestandteil einer Blindenfußballmannschaft ist ein Trainer, der sich hinter dem gegnerischen Tor platziert und den eigenen Spielern Anweisungen und Informationen über die Entfernung zum Tor, die Position der Gegner und des Balles gibt. Zur Orientierung und Verringerung der Verletzungsgefahr muss ein Spieler „Voy“, was übersetzt so viel wie „Ich komme“ heißt, rufen, wenn er sich dem Spieler mit Ball nähert. Während einer Spielunterbrechung darf so oft wie gewünscht gewechselt werden. Der Torwart spielt aufgrund seiner Übersicht eine übergeordnete Rolle, allerdings darf er sich nur in einem zwei mal fünf Meter großem Raum be­wegen und diesen nicht verlassen. Tut er dies dennoch, erhält das gegnerische Team einen Sechs-Meter-Strafstoß.

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