Informationsabend für Jugendleiter und -trainer der U 7-Teams im NFV-Kreis Hildesheim

Ohne Schiri? Versuch macht klug

Zahlreiche Jugendleiter und -trainer aus dem NFV-Kreis Hildesheim wollen sich über die „Fair Play Liga“ informieren. Fotos: Kuhlemann

KREIS „Die Hütte ist voll, das heißt, dass Bedarf da ist“, begrüßte Dirk Holzhausen aus Almstedt, Staffelleiter der U 7, U 8 und U 9-Junioren im NFV-Kreis Hildesheim, am Montagabend mehr als 50 Jugendleiter und -trainer zum Informationsabend zum Thema „Fair Play Liga“ in der KSB-Lehrstätte in Himmelsthür. Ziel ist, dass die Kleinen ohne Schiedsrichter spielen, um mehr Verantwortung zu übernehmen. Der „Versuchsballon“ soll noch im Frühjahr gestartet werden.

Auch Kreisjugendobmann Hans-Jürgen Schwellnus und sein Vertreter Ralf Hamann sowie Schatzmeister Werner Selzer und Schiedsrichterobmann Marcin Kuczera waren begeistert von der Beteiligung aus den Reihen der Fußballvereine und Jugendspielgemeinschaften. Geht es doch um ein Thema, das alle angeht, die in dieser Saison eine U 7-Mannschaft gemeldet haben, die im Sommer dann zur U 8-Mannschaft wird. Und mit gezielten Fragen ging Dirk Holzhausen gleich in die Vollen: „Brauchen wir einen Schiedsrichter?“ oder „Wollen wir Ergebnisfußball oder Erlebnisfußball?“. Der Moderator des Abends erinnerte daran, dass bereits seit 2006 beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) daran gearbeitet werde, in den unteren Jugendklassen eine „Fair Play Liga“ einzuführen, in der ohne Schiedsrichter gespielt wird. „Die Rahmenbedingungen sollen so geändert werden, dass das Spiel von außen beruhigt wird, der Leistungsdruck muss weg“, sprach Holzhausen das Einwirken von Trainern, Betreuern und Eltern („Die müssen für das Thema sensibilisiert werden“) auf den Spielbetrieb der Nachwuchsfußballer an.

In dem Zusammenhang nannte er drei wichtige Bausteine für das Gelingen der „Fair Play Liga“: 1. Die Fanregel (bei 15 Metern Entfernung wird die direkte Ansprache unterbunden); 2. Die Schiedsrichterregel (Kinder sollen selbst entscheiden, fühlen sich dadurch mehr für ihr Verhalten verantwortlich) und 3. Die Trainerregel (Übungsleiter verfolgen das Spiel aus der Coaching-Zone heraus und verstehen sich als Partner und Vorbilder der Kleinen). Darüber hinaus müsse es eine gute Absprache zwischen den Trainern geben, auch das Zeitmanagement müsse funktionieren. „Es kann beispielsweise nicht sein, dass erst zehn Minuten vor Turnierbeginn jemand kommt, und die Halle aufschließt“, so Holzhausen.

Auf die Probleme vieler Vereine machte der Vorsitzende des SV Schellerten, Dietmar Markus, aufmerksam, der auch als Jugendtrainer der SG Gemeinde Schellerten tätig ist. „Wir haben schon ein Riesenproblem damit, überhaupt jemanden für die Jugendbetreuung zu finden. Viele Eltern sind nur wegen ihrer Kinder dabei, da ist die Frage nach der Qualifikation und der Zeit fast unmöglich“, so der Schellerter. Markus befürchtet, dass bei Spielen ohne Schiedsrichter darauf hinauslaufen könnte, dass einfach das Recht des Stärkeren gilt, wenn sich der größere Spieler bei einem Einwurf einfach den Ball an sich reißt und der kleinere Kicker kuscht. Darüber hinaus könne man vergessen, dass die jüngsten Fußballer nicht auf Ergebnisse achten würden – im Gegenteil: „Da wird mitgezählt“. Der Trainer sprach im Namen vieler anderer Besucher des Informationsabends, erst einmal einen Versuch zu starten.

Die Verantwortlichen haben genau das schon vorbereitet: Nach einem „normalen“ Spieltag (mit Schiedsrichter) am Sonntag, 4. Mai, werden die U 7-Junioren am Sonntag, 25. Mai, und am Sonntag, 15. Juni, ohne Unparteiische spielen. Anpfiff und Abpfiff müssen von den Trainern der gastgebenden Vereine geregelt werden.

Aus dem LDZ-Gebiet sind diese Teams dabei: SV Eime, TSV Gronau, VfL Nordstemmen, JSG Elze/Mehle, JSG Leinetal (alle Staffel 5), JSG Sibbesse/Eberholzen/Westfeld (Staffel 4) sowie JSG Duingen/Marienhagen und SV Alfeld (Staffel 6).

„Seht es nicht so negativ. Im Kreis Nienburg funktioniert es schon ein Jahr, außerdem hat es beim VGH-Cup für Mädchen in Itzum auch problemlos geklappt“, bat Hans-Jürgen Schwellnus die Trainer um Verständnis für die Einführung der „Fair Play Liga“, die schließlich „von oben“, also vom DFB, gewollt sei – und nicht vom NFV-Kreis Hildesheim. rk

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