Zum Abschluss der Luftgewehr-Bundesliga Nord noch einmal Pech mit zwei knappen Niederlagen

Nordstemmer Final-Traum ist geplatzt

Ein „Shoot off“ im Sportschießen ist nervenzerfetzend für Sportler und Zuschauer. Hier sucht Katharina Hottenrott Schutz bei ihrem Nordstemmer Mannschaftskameraden Leor Ovadia Madlal.

NORDSTEMMEN Die Luftgewehrspezialisten der KKS Nordstemmen sind von den beiden letzten Wettkämpfen der Bundesliga Nord in dieser Saison sieglos aus Paderborn heimgekehrt. Damit sind die Träume von der Teilnahme am Finalschießen um den Titel des Deutschen Mannschafts-Meisters Anfang Februar in Rotenburg an der Fulda zerplatzt wie eine Seifenblase. Damit nicht genug, rutschte das Team diesmal auch noch ab auf Rang 6 in der abschließenden Tabelle der Liga Nord.

Zurzeit zeigen sich Mannschaft und Trainer niedergeschlagen und ausgebrannt. Dabei haben sie genau genommen nur ihr selbstgestecktes Ziel, die Teilnahme an der Endrunde, nicht erreicht. Völlig übersehen wird dabei offensichtlich, dass sich das Team mit seinem 6. Tabellenplatz zwar nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, aber ein Grund Trübsal zu blasen, sollte das auch nicht sein. Denn weder steigt die KKS zwangsweise ab, noch muss die Mannschaft in der Relegation um den Klassenerhalt schießen.

In ihrem ersten Match musste sich die KKS Nordstemmen dem TuS Hilgert stellen. Die Rheinländer hatten sich in dieser Saison mit Europameisterin Petra Zublasing unglaublich verstärken können. Die junge Dame aus Südtirol (Italien), die für Hilgert nur fünfmal zum Einsatz gekommen war, hatte sich bei ihren 200 Wettkampfschüssen nur fünf Treffer in den Neunerring gestattet. Der Rest - 195 Schüsse - landete in der nur einen halben Millimeter „großen“ Zehn. Das ist eine Weltklasse-Leistung.

Madlal chancenlos

Petra Zublasing wird derzeit in der Setzliste des Deutschen Schützenbundes in dem 40-Schuss-Programm mit einem Schnitt von 399 Ringen geführt. Mit ihr konnte keiner mithalten. Auch nicht Leor Ovadia Madlal, Nordstemmens Spitzenmann auf Position 1. Der Israeli musste sich mit 392:399 klar geschlagen geben. Seine Landsfrau Ella Sternberg, auf Startplatz zwei gegen Dr. Julia Palm schießend, unterlag ebenfalls (392:396). Besser lief es bei David Kroll. Er erlaubte sich keine Ausrutscher und erkämpfte sich den Sieg gegen Erich Schmul (392:389). Henrik Borchers lag in seiner Begegnung gegen Manuela Felix vom TuS Hilgert nach drei Serien deutlich im Rückstand. Zwar drehte er zum Abschluss mit 99 Zählern noch einmal richtig am Rad, aber da war schon alles zu spät. Borchers unterlag mit 389:393. Den zweiten Punkt für die Schützen unterhalb der Marienburg lieferte Katharina Hottenrott. Der jungen Polizeikommissarin gelang es mit ihren letzten drei Wertungsschüssen in die Zehn, eine fast schon sichere Niederlage in einen Sieg zu umzuwandeln. Aber das Match gegen TuS Hilgert ging mit 2:3 Punkten trotzdem verloren.

Beim nächsten Wettkampf standen sich nach vielen Jahren wieder einmal zwei Mannschaften aus Niedersachsen in der Bundesliga Luftgewehr gegenüber: Die in ihrer siebten Saison schießende KKS Nordstemmen und der Aufsteiger SB Freiheit aus einem Ortsteil von Osterode. Die sehr junge Mannschaft aus dem harz hatte sich selbstbewusst auf den ersten Tabellenplatz vorgekämpft und schickte sich an, Meister der Liga Nord zu werden. Nur mit großer Mühe und viel Glück war es tags zuvor noch Gastgeber St. Hubertus Elsen gelungen, mit einem knappen 3:2-Sieg die jungen Wilden zu bezwingen. Nordstemmens Coach Frank Pohl hatte dieses Gefecht besonders aufmerksam verfolgt und zog nach einer schlaflosen Nacht die Notbremse. Er baute seine Mannschaft wieder einmal um. Die Anspannung war beiden Teams deutlich anzumerken. Pohl schenkte der international erfahrenen Ella Sternberg auf Startposition 1 sein Vertrauen. Ihr auf den Plätzen zwei bis vier folgten durch diese Umstellung jetzt David Kroll, Henrik Borchers und Katharina Hottenrott. Für Startplatz fünf zog der gewiefte Taktiker der KKS die dänische Nationalkaderschützin Stine Andersen aus dem Hut.

Nerven spielt nicht mit

David Kroll, Henrik Borchers und Stine Andersen schossen unisono 392 Zähler. Während Borchers mit diesem Ergebnis gegen Patricia Piepjohn (390) punkten konnte, mussten Kroll gegen Martina Prekel (394) und Andersen gegen Michael Bamsey (394) Niederlagen hinnehmen. Katharina Hottenrott lieferte mit 391 zwar einen Ring weniger ab, besiegte aber damit deutlich Alexander Bederke (378).

Ella Sternberg brach förmlich zusammen und lieferte für die Spitzenposition desaströse 386 Ringe ab. Die Niederlage gegen ihre Kontrahentin Jolyn Beer von der SB Freiheit schien besiegelt. Aber auch die hatte schon etliche Male verzweifelt ihren Stand verlassen, weil sie plötzlich keinen kontrollierten Schuss mehr aus dem Lauf kriegte. Wie einen Sieg feierte die junge Landeskaderschützin deshalb ihren letzten Wettkampfschuss, mit dem sie noch den Gleichstand gegen Ella Sternberg erzwingen konnte. Es musste nun zu einem Stechschießen kommen.

Sieg oder Niederlage für ihre Teams lasteten nun auf Ella Sternberg und Jolyn Beer. Es wurde mucksmäuschenstill in der zuvor noch tobenden Sporthalle, als das vorgeschriebene Ritual seinen Lauf nahm. Den Sportlern bleiben 75 Sekunden, um ihren Schuss abzugeben. Es ging schneller. Jolyn Beer traf die Zehn, Ella Sternberg schoss in den Achterring. Die Schützenbruderschaft Freiheit ist damit die neue Nummer 1 in Niedersachsen. Der glücklosen Ella Sternberg und ihrem langjährigen Teamchef Frank Pohl sollte man vorwurfsvolle Blicke ersparen. Das hätten beide nicht verdient. ks

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