Tatsachenentscheidung: Auch im NFV-Kreis Hildesheim gibt es Diskussionen um „Phantom-Tor“ in Hoffenheim

„Kießling hätte Vorbild sein können“

Drin oder nicht? Für Schiedsrichter Günter Schaffarczyk (SV Betheln/Eddinghausen) kann dieser Ball nicht als Treffer gewertet werden – das gilt aus seiner Sicht auch für das „Phantom-Tor“ in Hoffenheim, als sich der Ball den Weg durch ein Loch im Netz ins Tor suchte. Foto: Kuhlemann

KREIS Tor oder nicht? Diese Frage beschäftigt die ganze Fußball-Nation. Nach dem Bundesligaspiel zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und Bayer Leverkusen, als Stefan Kießling den Ball ans Außennetz geköpft hatte und Schiedsrichter Felix Brych den Treffer anerkannte, nachdem das Leder den Weg durch ein Loch im Netz ins Tor gefunden hatte, gibt es auf allen Ebenen hitzige Debatten, auch im NFV-Kreis Hildesheim.

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes hat eine Entscheidung getroffen, wonach das Spiel – gegen den Antrag des Bundesligisten aus Hoffenheim – nicht wiederholt wird, sondern der Treffer anerkannt und der 2:1-Sieg für Leverkusen so in die Wertung eingeht. „Eine Tatsachenentscheidung“ heißt es in der Begründung. Der zuständige Richter, Hans E. Lorenz, Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, sehe keine Rechtsgrundlage für eine Wiederholung des Spiels, wie es viele Fans und sogar der prominente Uefa-Chef Michel Platini gefordert hatten.

„Fußball ist ungerecht, das zeigt sich hier wieder – obwohl alle die Szene 50 mal im Fernsehen verfolgen konnten, wurde der Treffer anerkannt, das kann ich nicht verstehen“, sagt Detlef Winter, Vorsitzender des NFV-Kreises Hildesheim. Auf der anderen Seite gebe es Regeln und Vorschriften. „Wo fängt es an, wo hört es auf? Wenn das Spiel wiederholt wird, kommen demnächst andere und wollen auch ein Wiederholungsspiel, daher gilt die Tatsachenentscheidung“, so der Sibbesser, der selbst seit Jahrzehnten Schiedsrichter ist. Für ihn ist aber auch klar: „Kießling hätte sich einen Fair-Play-Preis verdienen können, es war nicht klug von ihm, nicht zuzugeben, dass es kein Tor war. Damit hat er sich keinen Gefallen getan und eine große Chance in Sachen Vorbildfunktion vertan“, so Winter.

Auch zur Torlinientechnik hat der Kreisvorsitzende eine klare Meinung: „Wenn die in der 1. Bundesliga eingeführt wird, wollen die in der 2. Liga und in der Regionalliga auch die Möglichkeit nutzen, aber wer soll das alles bezahlen“, denkt Winter, dass in der Angelegenheit noch viele Gespräche geführt werden müssten.

Aus Sicht von Marcin Kuczera, Schiedsrichter-Obmann des NFV-Kreises Hildesheim, sind beim Spiel in Hoffenheim viele unglückliche Faktoren zusammengekommen. So sei nicht entdeckt worden, dass das Netz defekt gewesen ist und dem Schiedsrichter sei die Sicht versperrt gewesen. Dem macht Kuczera jedoch keinen Vorwurf, selbst wenn der Unparteiische noch bis zum Wiederanstoß Gelegenheit gehabt hätte, seine Entscheidung zu revidieren – doch keiner der Hoffenheimer Spieler hätte reklamiert und auch die Assistenten hätten nicht eingegriffen. Der „Schuldige“ in dem Fall ist aus Sicht von Kuczera der Bayer-Stürmer. „Schade, dass Kießling nicht die Größe gehabt hat, zu bestätigen, was seine Körpersprache verraten hat: Er hat den Ball daneben geköpft“, so der Schiedsrichter-Obmann.

Als „alter Hase“ im Schiedsrichterwesen hat auch Günter Schaffarczyk von der SV Betheln/Eddinghausen (pfeift seit mehr als 35 Jahren) eine Meinung zum „Phantom-Tor“: Der 70-Jährige hält die Angelegenheit schlicht für Betrug: „Das Spiel müsste eigentlich wiederholt werden, denn alle haben gesehen, dass Kießling den Ball ans Außennetz geköpft hat“, so der Bethelner, der sich klar für eine Torlinientechnik ausspricht – schließlich funktioniere das beim Eishockey auch. Auf Kreisebene sei das nicht möglich, aber da würde er lediglich das pfeifen, was er sieht – oder aber die Assistenten an den Linien. Eine ähnliche Situation mit einem Tornetz habe Schaffarczyk noch nicht erlebt, wohl aber eine Szene, bei der das Leder von der Unterkante der Latte auf die Torlinie und dann zurück ins Spielfeld geprallt sei. Da niemand aus dem Gespann habe sehen können, ob der Ball hinter der Linie war, habe er nicht auf Tor entschieden. Die Torlinientechnik könne da, zumindest auf Bundesebene, eine wichtige Entscheidungshilfe sein. rk

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