Traditionen bewahren, Neues wagen: KSB-Referat über „Trendsport und traditionellen Sport“

Jugendliche mit ins Boot nehmen

Dr. Arne Göring, KSB-Vorsitzender Frank Wodsack und André Pfitzner vom Landessportbund (v.l.) informieren die Vereinsvertreter. Fotos: Fritzsche

HILDESHEIM „Trendsport und traditioneller Sport - Zwei Welten stehen sich gegenüber.“ Diese klare Aussage traf Dr. Arne Göring von der Göttinger Universität vor den 15 anwesenden Teilnehmern der Veranstaltung „Trendsport und Jugendkultur“, zu der der Kreissportbund gemeinsam mit der Kreisvolkshochschule Hildesheim in seiner Sportlehrstätte eingeladen hatte.

Im Vorfeld seines Vortrages im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Sport, Natur und Gesundheit“ hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Fragen zum Thema der Trendsportarten und die damit verbundenen Ängste aus Sicht der Sportvereine dar zu legen. „Wie ticken Jugendliche eigentlich?“, „Wie kann ich als Sportverein die jugendlichen Mitglieder mehr an mich binden?“, „Muss das klassische Vereinsleben auf neue Kursangebote umgestellt werden?“ und „Lassen sich Trendsportarten überhaupt in die Vereinsstrukturen einbinden und integrieren?“, so lauteten die Fragen, die Dr. Arne Göring im Laufe des Abends mit André Pfitzner vom Landessportbund Niedersachsen beantwortete.

Dr. Göring stellte fest, dass es Trendsportarten schon immer gab und immer geben wird. „Sie sind ein Zeitphänomen. Manche dieser Sportarten wie das Joggen oder das Fitnessstudio gibt es dabei länger, andere verschwinden schon nach kurzer Zeit wieder von der Bildfläche.“ „Die Sportvereine bieten ihren Mitgliedern ein attraktives Angebot. Jedenfalls für gewisse Zielgruppen. Bei den Jugendlichen ab dem 14. Lebensjahr sind diese Angebote allerdings oft nicht mehr das, was sie wollen und was sie reizt.“ Dies habe nach Aussage von Dr. Göring auch immer etwas mit Abnabelung und Identitätsfindung zu tun.

„Trendsportarten benötigen selten einen festen Raum für dessen Ausübung. Sie können zeitlich flexibel ausgeübt werden. Das sind entscheidende Kriterien, die bei den Jugendlichen einen hohen Stellenwert haben.“

Feste Hallenbenutzungszeiten stehen dabei dem Drang der Heranwachsenden nach Bewegungsfreiheit im Weg. Sie wollen selbst entscheiden können, wann und wo sie ihrem Sport nachgehen, wollen sich abgrenzen von den alten Traditionen, sich selbst finden und dabei im Kreis der Gleichgesinnten eine Gemeinschaft erleben.

„Jugendliche wollen sich inszenieren, sie suchen die Öffentlichkeit. Sie wollen Spaß, Ausdruck und Spannung. Und die von ihnen ausgeübte Trendsportart gehört zu ihrer Alltagskultur, die sie außerdem in ihrer Kleidung, ihrer Musik oder ihrem eigenen Sprachgebrauch demonstrieren. Dem gegenüber steht der traditionelle Sport mit seinen klaren Regeln, den geforderten Leistungen und dem Wettkampf und mit dem ihm eigenen System“, lautete das Fazit der Referenten, die gleichzeitig feststellten, das auch die traditionellen Sportarten noch einen hohen Stellenwert bei den Jugendlichen haben und es für Sportvereine schwierig sei, die gerade aktuellen Trendsportarten in ihren Programmen mit auf zu nehmen. „Traditionen bewahren und Neues wagen“, so lautete der Rat der Dozenten. „Klinken Sie sich nicht in jede neue Trendsportart ein aber überarbeiten sie manche Traditionen. Nehmen sie die Jugendlichen mit ins Boot, lassen Sie diese auch mal machen und sich ausprobieren. Sie sind kreativer, eigenständiger und verantwortungsbewusster als wir alle meinen.“ fri

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