Thomas Ehmke bewältigt beim Ultralauf „Pennine Way“ in England und Schottland 438 Kilometer

Hunger, Stürze und ein Schneesturm

Eine echte Herausforderung: Thomas Ehmke vom TSV Sibbesse auf dem „Pennine Way“. Die Fotos zeigen den Ultraläufer in den schottischen Bergen (links) und am „Hadrians Wall“.

SIBBESSE Thomas Ehmke vom TSV Sibbesse gehört zu den erfahrensten Ultralangstreckenläufern der Region. Der Lauf auf dem „Pennine Way“ in England und Schottland über die gewaltige Distanz von 438 Kilometer sollte jedoch ein Abenteuer mit dem Erleben von Hunger, Stürzen, Notfallcamp im Schneesturm und anderen Herausforderungen werden.

Der Pennine Way gehört zu den „National Trails“ und führt aus der Nähe von Manchester durch die wohl schönsten und abenteuerlichsten Landschaften Englands. Er endet im Norden in Schottland und überwindet rund 11 000 Höhenmeter durch sehr dünn besiedelte und fast baumlose Landschaften. Die Sportler sind dem Wetter sehr direkt ausgesetzt. Und das sollte im Januar 2013 eine ganz besondere Form annehmen.

Dieser Lauf erfordert von den Teilnehmern ein hohes Maß an Autonomie. Sie entsteht durch die geringe Anzahl von nur fünf Verpflegungspunkten und ihre weite Distanz zueinander von bis zu 100 Kilometer. Alle Teilnehmer müssen zu ihrer Sicherheit eine Pflichtausrüstung mit sich tragen, wodurch ein zusätzliches Gewicht von 10 bis 12 Kilogramm aufkommt. Mit Ehmke starteten in diesem Jahr 28 Läufer, überwiegend Engländer. Neben Ehmke vertraten seine Freunde Michael Frenz aus Berlin und Jin Cao aus Norwegen Kontinentaleuropa. Die drei Männer harmonierten unterwegs ausgezeichnet zusammen, was auch dringend geboten war. Die Möglichkeit der Eigenversorgung aus dem Rucksack war sehr begrenzt und deckt nicht im Ansatz den Kalorienbedarf. In der sehr dünn besiedelten Gegend konnten sie aber auch nicht in Shops oder Tankstellen Proviant nachkaufen. Sie versorgten sich in britischen Pubs mit dort vorzufindenden einheimischen Speisen. Die weit auseinander liegenden Versorgungspunkte machten einen durchdachten Laufrhythmus zwingend erforderlich. Zwar hatten sie Zelt, Schlafsack und Gaskocher dabei. Ein Campieren bei zunehmenden Schneestürmen in der freien Landschaft wollten sie aber vermeiden.

Ehmke stand bei schlechtem Empfang des Mobilfunknetzes immer wieder mit seiner Freundin Inge in Deutschland in Kontakt, die in dieser Woche vor Aufregung nicht viel mehr Schlaf als er selbst bekam. Sie leitete die Informationen an den TSV-Vorsitzenden Hansi Köhler weiter, der im Internet eine große Anzahl an Interessierten über den Rennverlauf informierte. Das Team aus den drei Männern zerbrach am vorletzten Tag. Frenz musste die Segel streichen und Ehmke und Cao machten sich letztmalig vorm Ziel auf in die Berge. Ein starker Schneesturm kündigte sich an. Der Veranstalter schickte zur Sicherheit Rettungsteams in die Region. Ehmke und Cao erreichten in der Nacht eine Schutzhütte, in der sie zwangsläufig pausieren mussten, nur 14 Kilometer vor dem Ziel. Viele andere Läufer hatten bereits aufgegeben und das Zeitlimit drängte. Am Morgen erreichten sie jedoch zusammen mit anderen in den Bergen angekommenen Läufern nach sieben Tagen Laufzeit unter unvorstellbaren Strecken- und Wetterbedingungen das Ziel.

Thomas Ehmke ist damit der einzige Deutsche, der bisher dieses Rennen zu Ende bringen konnte.

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