Frust der 96-Fans gegen Kind und Korkut / Jetzt gegen den HSV mit Slomka

„Spielern ist die Situation offenbar nicht bewusst“

Tiefpunkt ist erreicht: Die „Roten“ verlassen mit hängenden Köpfen den Platz und die Eintracht-Fans feiern. Fotos: Zwing/gsd

Wieder ein lethargischer Auftritt bei den leidenschaftlichen Braunschweigern, die den Nachbarn nun mitten rein rissen in den unmittelbaren Abstiegskampf. „Eine gefühlte Katastrophe“, sagt Sportdirektor Dirk Dufner. „Eine brutal bittere Niederlage“, hielt Torwart Ron-Robert Zieler fest. „Dieser Stachel sitzt tief. Ein Sieg in zehn Spielen ist eine magere Ausbeute. Die Stimmung ist bedrückend.“ „Wir wollten einen Befreiungsschlag“, meinte Kapitän Lars Stindl geknickt. „Diese Niederlage schmerzt mehr als andere.“ Die nun noch bedrohlichere Situation für Hannover 96 artete in wilden Spekulationen aus. Wirft der große Patron Martin Kind sogar nochmal den Trainer raus? Und Sportdirektor Dufner gleich mit? Darüber wurde Sonntagabend sogar im TV diskutiert.

Schon zur Pause in Braunschweig, als Eintracht durch die Tore von Kumbela und Nielsen 2:0 führte, sprach Kind von einer „inakzeptablen Leistung. Den Spielern ist die Situation offenbar nicht bewusst.“

In der Halbzeit soll der Präsident wutentbrannt seine Meinung in den Katakomben kundgetan haben, wurde überliefert. Ebenso gefrustet habe er das Eintracht-Stadion in einem getarnten Wagen verlassen. Bei den „Roten“ liegen die Nerven jetzt wohl endgültig blank. Und das ausgerechnet vor dem nächsten Match am kommenden Samstag gegen den beurlaubten Ex-Coach Mirko Slomka! Reißt ausgerechnet er nun 96 noch mehr in den Abstiegsstrudel? Pikanter geht’s eigentlich kaum noch.

Kaum beruhigend: Auch beim HSV hat Mirko Slomka auswärts noch nicht gewonnen. Die acht Auswärtspleiten bei 96 waren seinerzeit mit ein Grund dafür, dass er gehen musste.

Im N 3-TV-Sportclub versuchte Jörg Löhr, einst Handball-Nationalspieler und jetzt Personalberater, die Lage bei 96 zu analysieren. Ruhe und besonnenes Handeln sowie den Schulterschluss zwischen Klub und Fans empfahl er zur Lösung der schwierigen Lage – und keine Panikreaktionen. Das ist freilich die schöne Theorie. Die Praxis mit einer erfolglosen, verunsicherten Mannschaft, der gegen den HSV auch noch Andre Hoffmann (Rot) und Szabolcs Huszti (10. Gelbe Karte) fehlen werden, auf der einen Seite und einem völlig gefrusteten Anhang als Gegenpart sieht anders und weitaus schwieriger aus.

Eitel Sonnenschein dagegen bei Braunschweig! Allerdings relativierte Eintracht-Coach Torsten Lieberknecht gleich wieder: „Wir stehen immer noch auf einem Abstiegsplatz. Aber wir bleiben dran wie die Kletten“, sagt er „stolz wie Bolle“. Eintracht steckt einfach nicht auf im Kampf um Relegationsrang 16.

Eigentlich unglaublich: Eintracht ist jetzt Niedersachsen-Meister! Kein Spiel gegen 96 (0:0, 3:0) und Wolfsburg (2:0, 1:1) wurde verloren, mit jeweils einem Sieg und einem Unentschieden ist Braunschweig die Nummer eins des Städte-Trios. Dumm nur, dass es für den imaginären Titel rein gar nichts gibt. haz/gsd

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