2. Fußball-Bundesliga – ein Rückblick

96-Boss Martin Kind spricht von „verlorener Saison“

Fußballer aus Hannover mit Ball
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Genki Haraguchi wird den Hannoveranern fehlen, denn er war einer der Aktivposten im 96-Team.

Hannover - Was für eine verkorkste Saison für Hannover 96! Die „Roten“ enttäuschten in der 2. Fußball-Bundesliga auf der ganzen Linie und schlossen sie mit einem fast schon blamablen 13. Tabellenplatz ab. Selbst Profi-Chef Martin Kind (77) sprach im Rückblick von einer „verlorenen Saison“.

Das Ziel hieß auch im zweiten Jahr nach dem Abstieg aus der Bundesliga wieder Aufstieg – daraus geworden ist nichts. „Wir haben unsere Ziele nicht erreicht“, konnte auch Kind nicht um die Realität drum herum reden. Zu viel ging einfach daneben, vor allem im personellen Bereich. 
So geriet Trainer Kenan Kocak immer stärker in die Kritik, als die Rückkehr ins Oberhaus schon Mitte der Saison außer Reichweite geriet. Die Krönung war dann, dass schon zeitig vor Ende der Spielzeit geklärt wurde, dass Kocak nicht mehr Coach bleibt. Der Trainer enteiert, aber die letzten vier Spiele sollte er das Team noch betreuen. So wurde ihm ein vorzeitiger Rausschmiss erspart.
Genauso kurios war und ist derzeit noch der Eiertanz um Sportchef Gerhard Zuber. Auch der Österreicher soll, so wird momentan berichtet, keine Zukunft mehr bei den 96ern haben. Dabei wäre jetzt mit zuständig für die Rekrutierung der neuen Mannschaft für 2021/22. Auch dies wirft erneut Fragen nach der Zuständigkeit in personellen Dingen bei den Roten auf. Überlassen bleibt dies jetzt dem neuen Trainer Jan Zimmermann, der von Regionalligist TSV Havelse verpflichtet wurde. Wahrscheinlich eine günstigere Lösung, als einen externen und teureren Coach von außerhalb zu holen. 
Bescheidene Bilanz

Und der sportliche Rückblick? Fällt bescheiden aus! Nur Elfter in der Heimbilanz mit sechs Pleiten und lediglich sieben Siegen zuhause, auswärts gar nur Rang 13 – von „oben angreifen“ kann da keine Rede sein. Dazu gab es vor allem zu viele personelle Enttäuschungen. Zuvörderst zu nennen Patrick Twumasi und Simon Falette, die mit großen Worten angepriesen wurden, aber selten bis gar nicht mit Leistung zu überzeugen vermochten. Ebenso gerieten wiederholt Josip Elez, Kingsley Schindler und Baris Basdas in die Kritik. Auch Lokalgröße Hendrik Weydandt (nur vier Tore) konnte den Ansprüchen nicht gerecht werden. Fußballerische Defizite traten immer wieder zutage.
Allein Marvin Ducksch wurde – von Ausnahmen abgesehen – den Hoffnungen und Erwartungen in der Offensive gerecht. 16 Treffer und damit Platz drei in der Torschützenliste der 2. Liga hinter Serdar Dursun (Darmstadt, 27) und Simon Terodde (HSV, 24) – da konnte man am Ende kaum meckern. 
Nur Haraguchi und Ducksch waren übrigens in allen 34 Saisonspielen dabei. Apropos Dursun: Ihn wollte Kocak unbedingt von den „Lilien“ holen – geklappt hat es über Monate nicht.  
Als Aktivposten galt in der Defensive vor allem Timo Hübers, doch der Abwehrchef war einmal mehr verletzt und konnte die Verteidigung nicht stabilisieren. In acht Partien ohne ihn kassierten die Hannoveraner 20 Gegentreffer. Jetzt steht so gut wie fest, dass Hübers zum 1. FC Köln geht. Die große Offensiv-Hoffnung Linton Maina war über Monate verletzt raus aus dem Team. 
Interessant dürfte werden, wie es mit Torwart Ron-Robert Zieler weitergeht. Er kommt aus Köln zurück, doch ob er für 96 auch im Kasten steht, erscheint offen. Schmerzlich ist der Verlust von Genki Haraguchi, der zu Union Berlin wechselt. Der Japaner hatte im mittelmäßigen 96-Team immer noch gute Ideen, gehörte zu den wenigen Kreativkräften. Auch der Schwede Niklas Hult konnte überwiegend überzeugen.
Was bleibt als Fazit? 96 dürfte es in der kommenden Saison schwer haben angesichts der Konkurrenz wie Hamburger SV, Werder Bremen, Holstein Kiel, Düsseldorf sowie heißen Aufsteigern wie Dynamo Dresden und Hansa Rostock. „Der Aufstieg ist kein Thema“, relativierte Martin Kind schon jetzt die Prognosen für die kommende Saison. Endlich mal Realismus bei den Roten? 

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