2. Bundesliga

Hannover 96 kann auch gegen Nürnberg nicht gewinnen

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Schlusspunkt eines „gebrauchten Abends”: Georg Margreitter erzielt den 4:0-Endstand.

Hannover – Nach 83 Minuten hatten dann auch die 150-prozentigen Hardcore-Fans von Hannover 96 die Nase gestrichen voll. „Auswärtssieg, Auswärtssieg“, höhnten sie nach dem zweiten Treffer von Georg Margreiter zum 4:0 für den 1. FC Nürnberg.

Und der beißende Sarkasmus ging noch weiter: „Eu-ro-pa-po-kal“, schmetterten sie in Erinnerung an glanzvolle Europa League-Zeiten, gefolgt von „Oh, wie ist das schön“-Gesängen. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. 

Bundesliga-Absteiger Hannover 96 auch in der 2. Liga schon wieder in der Krise – und sogar in Abstiegsgefahr! Das peinliche 0:4 am späten Montagabend gegen die ebenfalls schlecht gestarteten Nürnberger war ein Offenbarungseid und eine Bankrott-Erklärung eines Teams, das immer noch nicht begriffen hat, wie Fußball im Erstliga-Unterhaus geht. Rennen, kämpfen, grätschen ist angesagt – nicht (zudem nicht vorhandene) Schönspielerei. Auch im vierten Heimspiel (Fürth, Regensburg, Bielefeld) blieb 96 ohne Heimsieg, holte zwei von zwölf Zählern. Da ist Platz 15 logisch. Und das Vokabular der Verantwortlichen entsprechend. „Eine gefährliche Situation“, hat Sportdirektor Jan Schlaudraff erkannt. „Es wird eng, wenn man auf dem Platz nicht zurückkommt. Schon ab der zweiten Minute waren wir nicht da, wo wir hin wollten.“ Da hatte Margreiter den ersten FCN-Angriff per Kopf erfolgreich abgeschlossen. Die 96-Defensive schaute zu, genauso wie bei Behrens‘ 0:2 (26., Kopfball) und Hacks Solo an drei Hannoveranern vorbei zum 0:3 (45.). Mit gellenden Pfiffen der nur noch 26800 Fans ging’s in die Kabine, böse Pfiffe auch bei der Rückkehr nach der Pause. Da ging der „absolute Albtraum“, so Coach Mirko Slomka, weiter. Quer- und Rückwärtsgeschiebe statt gefährlicher Offensivaktionen, kein System, kein Plan von Slomka zu erkennen. „Dass uns die Fans nicht mehr unterstützen wollten, kann ich verstehen“, grummelte der Erfolglos-Coach. „Wir müssen deutlich besser verteidigen“, forderte Schlaudraff. So ein Debakel macht sprachlos. „Mir fehlen die Worte“, stammelte Torwart Zieler. „Ein gebrauchter Abend. Wir kriegen zu billige Gegentore, das ist nicht ausreichend.“ Stimmt – sondern mangelhaft. Versetzung in die Zweitliga-Saison 2020/21 gefährdet. „Gegenüber den Fans müssen wir in Vorleistung gehen“, erkannte Innenverteidiger Marcel Franke. „So ein Spiel kann nicht unser Anspruch sein.“ Das hatte wohl auch Präsident Martin Kind erkannt. Unmittelbar nach dem Abpfiff tapste er die Treppe von seiner Loge Richtung Kabine runter. Die Worte, die dort sicher gefallen sein dürften, kann man sich vorstellen. Es wird keine Jubel-Arie gewesen sein. Wie lange schaut sich Kind diese Heim-Pleiten unter Slomka noch an? Antwort (noch) offen. Die Fans, die nicht sofort geflüchtet waren, hatten eine: „Außer Zieler könnt ihr alle gehen“, hielten sie dem Team bei der Trauerrunde vor. „Der Frust sitzt tief“, meinte Slomka. „Nach dem Sieg in Kiel hatte ich Kampf- und Leidenschaft erwartet. Das ist überhaupt nicht gelungen. Ein Tiefpunkt.“ 96 auch in der 2. Liga in der Krise. 

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