Rückblick

96 momentan nur ein Bild des Jammers

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Einer der Hoffnungsschimmer bei Hannover 96: Linton Maina, hier bei seiner Auswechselung im Hinspiel bei Werder Bremen, gehört zu den talentierten Nachwuchsspielern der Roten.

HANNOVER - Hannover 96 in der Saison 2018/19 – das ist ein einziges Trauerspiel. Leider. Der Bundesliga-Klub zeigt sich zum Jahreswechsel zerrissen wie wohl noch nie zuvor.

Sportlich schon wieder auf dem Weg in die 2. Liga, innerlich gespalten wegen des nur noch unsäglichen Dauerstreits zwischen Präsident Martin Kind und Teilen der Fan-Szene. Fußball bei 96 – man muss es so deutlich sagen – macht derzeit so viel Spaß wie Wurzelbehandlungen beim Zahnarzt. Zugegeben: Ein vernichtendes Urteil. Die „Roten“ gehen als Tabellenvorletzter ins neue Jahr. Lächerliche elf Punkte aus 17 Spielen konnte das Team des längst auch nicht mehr unumstrittenen Trainers André Breitenreiter holen. Eine glatte Abstiegsbilanz. Nur der 1. FC Nürnberg ist noch schlechter. Pikant: Viele sehen die 0:2-Niederlage beim „Club“ als Ausgangspunkt für den völligen Niedergang der 96er. Zwei kümmerliche Heimsiege gegen Stuttgart (3:1) und Wolfsburg (2:1) – für einen soliden Platz im Mittelfeld, den 96 vor Saisonbeginn angestrebt hat, waren sie viel zu wenig. Viele Szenekenner ordneten die vergangenen Heimauftritte als Offenbarungseid ein. Im letzten Heimspiel gegen Düsseldorf, das auch noch unglücklich in der Nachspielzeit verloren ging, hatten die Hannoveraner so gut wie keine torgefährliche Offensivaktion. Dauernde Änderungen in der Aufstellung, natürlich auch durch viele verletzungsbedingte Ausfälle verursacht, haben nicht zu Konstanz und Konsolidierung beigetragen. So ist auch Coach Breitenreiter, sozusagen ein Kind der Stadt und Region, mittlerweile arg in die Kritik gerutscht. Klubchef Kind hat ihm indes eine Job-Garantie gegeben. Ob lang- oder doch nur kurzfristig, wird man sehen. Und auch die Einkaufspolitik von Manager Horst Heldt, dem viele noch übelnehmen, dass er zwischenzeitlich erst nach Köln und dann nach Wolfsburg wollte, ist längst ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Das wohlgemeinte Experiment, „Problem-Profis“ von anderen Klubs zu holen, wo sie mehr oder weniger gescheitert waren, war eine schöne Idee. Daraus geworden ist indes so gut wie nichts. Wimmer, Walace, Wood – was sie bei 96 geleistet haben, ist mit „überschaubar“ noch positiv ausgedrückt. Natürlich muss man Manager Heldt beipflichten, wenn er sagt, 96 könne nur im zweiten oder dritten Regal-Fach einkaufen und eben nicht im ersten. Doch diesmal hat 96 mit seinen Neuen wohl einfach auch kein Glück gehabt. So banal das klingt. Und wenn es dann auch noch Verletzungsausfälle wie mit Niclas Füllkrug gibt, wird es kritisch. Mit nur zwei Treffern konnte der Torjäger nicht an die vergangene Saison (14 Tore) anknüpfen. Nun fällt er auch noch wegen Knieproblemen samt Operation lange aus. Und auch in der Kabine hat es offenbar Unstimmigkeiten unter den Akteuren gegeben – nicht verwunderlich beim anhaltenden Misserfolg. Breitenreiter hat sie zumindest indirekt eingeräumt. Dazu noch die kaum mehr zu ertragende Missstimmung wegen Kinds Dauerfehde mit den Fans. Sie wollen den Klubchef wegen dessen Übernahmeplänen mit der 50+1-Regel am liebsten „absägen“. Die Liga-Organisation zögert eine Entscheidung weiter hinaus, möglicherweise bis nach dem 23. März, wenn die Mitgliederversammlung bei 96 steigt. Die Frage muss erlaubt sein: Was passiert, wenn Kind hinschmeißt? Und seine Mitgesellschafter wie unter anderem Drogerie-König Rossmann ebenfalls? Hat die Opposition ebenso potente Sponsoren parat? 96 zur Halbzeit der Saison 2018/19 – ein Bild des Jammers! Auch wegen angedrohten Streichung des Weihnachtsurlaubs von Trainer Breitenreiter. Ein Fass, das er unnötig aufmachte. Anfang Januar fliegt 96 jetzt ins Trainingslager nach Spanien. Neue Spieler sollen am besten schon dabei sein. Man darf gespannt sein. PS: Die Rückrunde geht schon am 19. Januar mit dem Heimspiel gegen Werder Bremen weiter. Der Auftakt zur Bundesliga-Rettung in der Rückrunde?  Ein Lichtblick könnte vielleicht der erste Winter-Transfer sein: 

Kevin Akpoguma wird der erste 96-Neuzugang der aktuellen Spielzeit. Der 1,92 Meter große Innenverteidiger wechselt auf Leihbasis bis Saisonende von der TSG 1899 Hoffenheim an den Maschsee. Vorbehaltlich eines bestandenen Medizinchecks nach dem Jahreswechsel stößt der 23-Jährige am 2. Januar 2019 zu den Roten. 96-Manager Horst Heldt sagt: „Kevin bringt viel Schnelligkeit mit, er ist zweikampfstark und hat ein gutes Kopfballspiel. Damit passt er perfekt in unser Anforderungsprofil.“ Akpoguma durchlief die Nachwuchsmannschaften des Karlsruher SC, wo er in der Saison 2012/13 auch seine ersten Schritte im Herrenbereich machte. Am Ende der Spielzeit wechselte er zur TSG Hoffenheim, von der er 2015 für zwei Jahre an Fortuna Düsseldorf verliehen wurde. Insgesamt hat Akpoguma 30 Bundesliga- und 45 Zweitliga-Einsätze vorzuweisen. In dieser Saison spielte er für die TSG auch zweimal in der Champions League.

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