96 am Sonnabend in Wolfsburg

Doll und Heldt: Personal-Wirbel vor dem Derby

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Im Hinspiel haben die Roten gejubelt: Ihlas Bebou traf per Elfmeter, am Ende gewann 96 gegen Wolfsburg 2:1.

HANNOVER - Fußball-Bundesligist Hannover 96 tritt am Sonnabend (15.30 Uhr) zum Niedersachsen-Derby beim VfL Wolfsburg an. Weit mehr als der sportliche Aspekt stehen aber die Entwicklungen im Umfeld im Blickpunkt. Im Fokus sind dabei Trainer Thomas Doll und Manager Horst Heldt.

Beide Protagonisten gelten bei den „Roten“ bereits als „enteiert“. Sie werden als lahme Enten („lame ducks“) dargestellt, die noch auf ihren Posten sitzen, aber längst schon nicht mehr zu sagen haben, sondern den Missstand nur noch die letzten Erstliga-Wochen zu verwalten haben. Die wohl fatalste aller Entwicklungen! So gibt sich 96 neben dem sportlichen Misserfolg auch noch der Lächerlichkeit preis.

Coach Doll bekam vor dem Duell in Wolfsburg von Geschäftsführer Martin Kind – die Bezeichnung „Klubchef“ hat sich seit der Jahreshauptversammlung und seinem Rücktritt erledigt – in einem Gespräch den „Segen“, bis zum Saisonschluss zu betreuen. Dahinter dürften vor allem handfeste finanzielle Gründen stecken. Noch einen weiteren Trainer zu bezahlen, verbietet sich eh schon aufgrund der zu erwartenden hohen Millionen-Verluste durch den drohenden Abstieg.

Eher noch schlechter als die Position von Doll (sieben Pleiten in acht Spielen) ist die von Manager Heldt. Dass er nach dem Wolfsburg-Spiel geliftet wird, steht seit Wochen im Raum. Mit ihm habe Kind nicht gesprochen, wird kolportiert. Das Verhältnis zwischen beiden gilt eh als angespannt. Kind sieht in Heldt den Hauptschuldigen für den Niedergang – auch wegen der vielen Transfer-Flops. Längst bemüht sich Kind offenbar im Hintergrund um die Nachfolge sowohl für Heldt als auch für Doll. Da taucht dann auch der Name Mirko Slomka als neuer sportlicher Leiter wieder auf. Auch Jan Schlaudraff wird gehandelt, ebenso als neuer Coach mit Alexander Keine (Arminia, Havelse, Rehden) eine lokale Lösung. Eine neue sportliche „Hannover-Connection“? Abwarten.

Passend zum Chaos auch zwei Personalien. Der nur durch schwache Partien aufgefallene Japaner Takuma Asano darf nicht mehr spielen – schriftliche Anweisung von Kind! Trainer Doll dagegen: „Für die Aufstellung bin ich zuständig!“ Der Coach hat bei den „Roten“ sowieso nichts mehr zu verlieren… Bei einem weiteren Einsatz müsste 96 den Japaner für angeblich drei Millionen Euro von Arsenal London kaufen; von den Engländern ist er ausgeliehen. Bei Kevin Wimmer (von Stoke City) verhält es sich ähnlich, er würde zwölf Millionen kosten. Fragt sich, wer solche Verträge mit solchen Klauseln aushandelt? Wird da unter Umständen sogar noch mitverdient? Eine von vielen 96-Ungereimtheiten.

1700 Fans sind in Wolfsburg mit dabei, wollen das wohl vorerst letzte Niedersachsen-Derby zwischen beiden Klubs sehen. Auf dem Platz könnte sogar auch schon wieder Matthias Ostrzolek stehen. Vor fünf Wochen hatte sich der Verteidiger mehrere Rippen gebrochen, jetzt hat er schon wieder voll mittrainiert. Dafür fehlte mal wieder der Brasilianer Felipe wegen Oberschenkelproblemen. Dafür sind seine Landsmänner Jonathas und Walace wieder mit im Kader. Übrigens: In den letzten fünf Spielen in Wolfsburg hat 96 nicht mehr verloren.

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