TSV Hannover-Burgdorf verliert vor 9900 Zuschauern gegen THW Kiel

„Die Grenzen aufgezeigt bekommen“

TSV Hannover Burgdorf - THW Kiel
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Alfred Jönsson im Duell mit Torhüter Niklas Landin, der einen ganz starken Abend erwischt.

Hannover – Es war angerichtet für das Spitzenspiel der Handball-Bundesliga, doch Spitze war am Ende nur der Spitzenreiter. Der THW Kiel gewann Zweiten TSV Hannover-Burgdorf verdient mit 32:25 (18:13) und sorgte in der mit 9900 Zuschauern ausverkauften Tui-Arena für die erste Heimpleite der Recken.

„Wir haben die Grenzen aufgezeigt bekommen“, räumte Sportchef Sven-Sören Christophersen ein. „Wir hatten keine Chance zu gewinnen“, gestand Hannovers Coach Carlos Ortega. „Unsere Abwehr war korrekt, aber wir hatten zu wenig Torwart-Paraden.“ Unter anderem dies war der Unterschied: Kiel-Keeper Niklas Landin lief zur Hochform auf, wehrte vor der Pause schon elf Würfe der Recken ab, danach noch vier – eine absolute Topleistung. Bei den Recken zeigte Star-Spielmacher Morten Olsen, dass er zwischen Weltklasse und Diva schwankt. Zu Beginn bekam er einige Pfiffe der Schiris nicht, danach lamentierte und schmollte er. Auch EM-Shooting-Star Timo Kastening erwischte einen gebrauchten Tag, vergab vier Würfe und wurde durch Jungtalent Jannes Krone ersetzt, der vier von vier traf. Zudem kassierte Nejc Cehte (mit Slowenien im EM-Halbfinale) nach nur 13 Minuten die zweite Strafe, eine Schwächung für die Recken, da er nach Ivan Martinovic' Verletzung (Fußbruch) der einzig verbliebene Rückraum-Rechte der Recken ist. Hannover führte zunächst, doch ab dem 6:6 übernahm Kiel „klar das Kommando”, wie THW-Sportchef Szilagyi hinterher festhielt. So wurde die Partie letztlich zu einer Machtdemonstration des Spitzenreiters, der sich nicht von den aufmüpfigen Recken am Zeuge flicken ließ. Schon zur Pause lagen die Kieler mit fünf Treffern in Front. In der zweiten Halbzeit hielten sie das Ortega-Team immer auf gebührendem Abstand. Ein großer Faktor war dabei auch Torhüter Torhüter Niklas Landin, der einen ganz starken Abend erwischte. Als die Recken auf vier Tore heran waren, warfen sie zweimal den Ball leichtfertig weg, sodass Kiel nicht in Gefahr geriet. Kurios: Nach 21 Minuten war das Spiel für Schiedsrichter Tobias Tönnies zu Ende – Verdacht auf Muskelfaserriss in der Wade. Er wurde von den Kieler Medizinern behandelt, verschwand in den Tui-Arena-Katakomben, kehrte nach dem Wechsel zumindest ans Kampfgericht zurück. Robert Schulze musste das Match allein zu Ende pfeifen. „Sowas hab' ich noch nie erlebt“, war nicht nur Recken-Kapitän Fabian Böhm verdutzt. Recken-Sportchef Christophersen lobte hinterher Schulze, merkte aber auch kritisch an, dass er „Strafen unausgewogen verteilt“ habe. Hannover kassierte zwölf Minuten, der THW dagegen nur vier. „Diese Niederlage ist aber kein Beinbruch. Kiels Plan war es, Olsen zu nerven.“ Das ist dem Spitzenreiter letztlich auch gelungen. Am kommenden Donnerstag geht es für die Recken bereits mit dem schweren Auswärtsspiel beim SC Mag- deburg weiter. Das Team von Bennet Wiegert musste sich  im Verfolgerduell gegen die zuvor punktgleiche SG Flensburg-Handewitt mit 23:29 geschlagen geben. Recken: Cehte 4, Böhm 4, Krone 4, Ugalde 3, Olsen 3, Brozovic 3, Kastening 1, Pev- nov 1, Jönsson 1, Patrail 1. Beste THW-Schützen: Duvnjak, Bilyk, Pekeler (je 5). haZ/gsd

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