Bundesligist TSV Hannover-Burgdorf im Saisonrückblick / Viertelfinale als „Meilenstein”

Recken: Saison wie in der Achterbahn

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Timo Kastening ist mit 190 Treffern der erfolgreichste Torschütze der Recken.

Hannover – Die Recken in ihrer zehnten, ihrer Jubiläums-Saison: Es war eine Spielzeit, die überaus schwierig einzuordnen ist. Das Positive wie das Negative hielten sich bei Handball-Bundesligist TSV Hannover-Burgdorf die Waage. Einerseits gab es beachtliche Erfolge und Leistungen, andererseits auch gravierende Enttäuschungen. 

Hoch und runter: Es war eine Spielzeit wie auf der Achterbahn. Durch Platz zwei im DHB-Pokal der Saison 2017/18 hatten sich die Recken für den EHF-Pokal qualifiziert – zum zweiten Mal nach 2013/14. Ein großer Erfolg für das Team des spanischen Trainergespanns Carlos Ortega und Iker Romero. In der dritten Qualifikationsrunde bezwangen die Landeshauptstädter Benfica Lissabon, in der Gruppenphase schien nach den ersten vier der sechs Partien gegen Tatabanya (Ungarn), RK Nexe Nasice (Kroatien) und Eurofarm Rabotnik Bitola (Mazedonien) schon das Aus vorprogrammiert. Doch in den letzten beiden Spielen feierte das Team um Kapitän Kai Häfner noch ein Comeback und zog erstmals ins Viertelfinale ein. Unglücklich allerdings, dass man dort mit den Füchsen Berlin auf einen deutschen Gegner traf, gegen den es am Ostersonntag im Hinspiel eine desillusionierende 26:34-Heimpleite gab. Damit war das Aus vor dem Rückspiel (28:30) eigentlich schon besiegelt. „Trotzdem war der Einzug ins Viertelfinale für uns ein Meilenstein“, wertete Sportchef Sven-Sören Christophersen die zweite EHF-Pokal-Teilnahme als Erfolg. Genauso erfolgreich verlief erneut auch der DHB-Pokal. Über Eintracht Hagen, Altenholz, Lemgo und Erlangen zogen die Recken wie im Vorjahr ins „Final Four“ in Hamburg ein. Im Halbfinale trafen sie auf den starken SC Magdeburg und verloren durch einen Treffer in allerletzter Sekunde 29:30 gegen den SCM – die erneute Final-Teilnahme blieb ihnen somit verwehrt. Den überwiegend guten Auftritten und Leistungen im EHF- und DHB-Pokal steht indes eine Meisterschafts-Serie gegenüber, in der die Recken zu großen Teilen enttäuschten und so auch hinter der eigenen Zielsetzung blieben. Von einem Platz unter den „Top 10“ konnte nach dem letzten Spiel beim THW Kiel am Pfingstsonntag keine Rede sein. Mit 26:42-Punkten lieferten Häfner & Co. eine schwache Bilanz ab. Unter den Top-Ten landeten die Recken aber bei der Zuschauer-Bilanz. Insgesamt 88 848 Fans sahen ihre Spieler, durchschnittlich waren 5226 Zuschauer in der Tui-Arena bzw. Swiss Life Hall. Zwei Negativ-Serien mit 2:18-Punkten (Ende 2018) und 2:12-Zählern (Frühjahr 2019) jeweils in Folge kennzeichneten die nicht zufriedenstellende Saison. Natürlich trug dazu eine fast nicht enden wollende Verletzungsmisere bei, die aber sicher nicht die einzige Erklärung ist. Mit Kapitän Häfner fiel ein Eckpfeiler schon in der Saisonvorbereitung aus, dann erwischte es mit Weltmeister Olsen, Patrail, Pevnov, Lehnhoff, Böhm fast alle Leistungsträger zeitgleich bzw. kurz hintereinander versetzt. Schwierig für Coach Ortega, so Kontinuität ins Team zu bekommen. Im Frühjahr 2019 sorgten zwei Themen für zusätzliche Unruhe. Zum einen wurde bekannt, dass Kapitän Häfner zu Erstliga-Konkurrent MT Melsungen wechselt: Zunächst zur übernächsten Saison, doch dann per Ablöse doch schon zur kommenden Spielzeit. Zudem wurde ein Streit zwischen den Recken und Tui-Arena-Besitzer Günter Papenburg öffentlich über Hallenbelegung und Sponsoren- gelder. Ein Streit, der bis dato nicht gütlich beendet werden konnte und bereits Gerichte bemüht hat. Ende offen. Klar ist dagegen, dass neben Häfner auch Routiniers wie Lars Lehnhoff, Torge Johannsen (beide noch ohne neuen Klub), Martin Ziemer (Berlin) und Domagoj Srsen (offen) verabschiedet wurden. Die Recken stehen jetzt vor einem nicht unerheblichen personellen Umbruch, dessen Ausmaß noch nicht endgültig abzusehen ist. Das erste Training zur elften Bundesliga-Saison ist für den 16. Juli terminiert. Das erste Punktspiel steigt am 22. oder 25. August zuhause gegen GWD Minden. Eine Woche zuvor ist die erste Pokalrunde, zum letzten Mal in Turnierform, angesetzt. Auslosung dazu am 18. Juni. Fest steht inzwischen, dass die Recken mit der HSG Nordhorn-Lingen nach deren Aufstieg in der kommenden Saison nach langen Jahren wieder einen niedersächsischen Konkurrenten in der 1. Liga haben werden. haz/gsd

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