Handball-Bundesliga

Recken mit Zittersieg

Handballer in Aktion
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Recke Johan Hansen bei einem Siebenmeter gegen den Mindener Keeper Carsten Lichtlein.

Hannover - Was für Zittersieg für die Recken: Gegen den Tabellenletzten GWD Minden tat sich Handball-Bundesligist TSV Hannover-Burgdorf viel schwerer als erwartet und kam vor 3 412 Zuschauer (Saisonrekord) nur zu einem 30:29 (14:13)-Arbeitssieg. Immerhin ist damit bei 6:10-Punkten und dem zweiten erfolg hintereinander der Anschluss ans Tabellenmittelfeld geschafft.

„Wir haben Moral und Comeback-Qualitäten gezeigt“, atmete Trainer Christian Prokop durch. „Wir führen deutlich, schludern dann aber in der Chancenverwertung, waren in diesem hitzigen Spiel nicht sattelfest in der Deckung, der Sieg war glücklich.“ Auch Sportchef Sven-Sören Christophersen war erleichtert: „Stimmungstechnisch ein wichtiger Sieg. Der Trend zeigt in die richtige Richtung. Das war Werbung, die Fans haben ein dramatisches Spiel erlebt.“
Start nach Maß für die Recken – nach dem 0:1 durch den Ex-Leipziger Pieczkowski legten die Hannoveraner ein 5:1 durch Martinovic, Büchner, Mävers und zweimal Böhm vor. Doch mit der ersten Recken-Herrlichkeit war es in der Folge relativ auch schon wieder vorbei. Durch eigene Nachlässigkeiten schmolz der Vorsprung innerhalb weniger Minuten wieder zusammen. Beim 6:5 (14.) hatte Mindens Maxi Janke den Anschluss geschafft. Mitte der ersten Hälfte entwickelte sich eine Partie mit Ein- oder Zwei-Tore-Führungen. Der anfängliche Enthusiasmus war weg.
Erst nach dem 8:7 startete das Prokop-Team den nächsten Tor-Lauf. Dänen-Weltmeister Johan traf dreimal in Folge – nach einem Siebenmeter zweimal mit blitzsauberen Tempogegenstößen. 
Sofort waren auch die Fans wieder zurück, feuerten ihr Team an und feierten die Treffer. Martinovic warf zum 12:7 ein, schon war es zum zweiten Mal ein komfortabler Vorsprung. Doch es war wie verflixt. Im Gefühl der sicheren Führung verspielten die Hannoveraner erneut diesen Vorsprung. Mit drei Toren war dabei vor allem Mindens flinker Tunesier Mohamed Amine Darmoul beteiligt. Filip Kuzmanovski und Nejc Cehte trafen noch je einmal, sodass die Gastgeber nur ein knappes 14:13 in die Pause retteten. Weil die Schiedsrichter zudem einen Treffer von Mindens Kranzmann nicht anerkannten – der Ball schlug erst nach der Sirene im Kasten von Torwart Urban Lesjak ein. So aussichtsreich im Rennen waren die Westfalen allein durch die Unkonzentriertheiten der Recken.
Die Pause als Zeit zur Besinnung? Von wegen! Minden kam besser aus der Kabine, traf dreimal zum 16:14 für die Gäste. Was war da los? Die Recken standen neben sich, der Tabellenletzte nutzte dies clever aus. Nur mühsam kam das Prokop-Team wieder in den „Flow“ – trotz einer Abwehr, die in vielen Szenen sehr durchlässig war, was unter anderem GWD-Oldie Christian Zeitz nutzte. Prokop wechselte die Außen, brachte Krone und Feise für Hansen und Büchner. Nach 43 Minuten wechselte GWD-Coach Frank Carstens Torwart-Oldie Carsten Lichtlein (40) ein. Doch viele Paraden brachte das Urgestein auch nicht zustande. Die Partie wurde immer spannender, in der 52. Minute waren die Recken aber wieder 26:23 vorn. 
Von Sicherheit und Souveränität aber keine Spur. Weil sie Mindens Tomas Urban nicht stoppen konnten. Die letzten Minuten? Ein einziger Krimi! Die Recken zwei Tore in Führung, doch Minden immer wieder dran. Kuzmanovski hämmert zum 30:28 rein, aber Urban mit seinem zehnten Treffer zum 29:30. Den letzten Angriff verdaddeln die Recken, Zeitz hat den letzten Wurf für Minden – neben das Tor. Mit viel Mühe war der Zittersieg perfekt.
Recken-Neuzugang Bastian Roscheck: „Es war kein schönes Spiel. Wir sind froh, dass wir die Punkte haben. 6:10-Punkte sind jetzt vernünftig nach dem schwachen Start.“
Recken: Lesjak, Ritschel – Cehte 3, Roscheck, Martinovic 6, Mävers 4, Hansen 6 (4/4), Kuzmanovski 2, Böhm 3, Krone 1, Hanne, Brozovic 2, Feise, Ayar, Büchner 2, Wunsch. 
Beste Mindener: Urban 10 (4/4) und Darmoul 4.    haz/gsd

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