Bilanz

Für die Recken läuft es in der Liga nicht rund, im Pokal schon

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In der Liga läuft es nicht rund, aber im Pokal haben die Recken reichlich Anlass zum Jubeln, denn sie stehen erneut im Final Four-Finale.

HANNOVER - Oh, weh statt olé! Leider nur so lässt sich ganz nach der Herkunft der verantwortlich beteiligten Personen die Vorrunde plus zwei weitere Partien in der Handball-Bundesliga bei der TSV Hannover-Burgdorf einordnen. Platz 14 nach 19 Spielen – das ist weit weniger als erhofft.

Ein einstelliger Tabellenplatz war wohl das mindeste gewesen, das man sich zum Ziel gesetzt hatte. Mit dem Abrutschen auf Rang 14 sind diese Erwartungen noch mächtig untertroffen worden. Zumindest eben, was den Liga-Spielbetrieb anbelangt. Die andere Seite sind die weiteren zwei Hochzeiten, auf denen die Recken tanzen. Im DHB-Pokal hat es die Mannschaft des spanischen Trainergespanns Antonio Carlos Ortega und Iker Romero tatsächlich geschafft, zum zweiten Mal in Folge ins REWE Final Four in Hamburg (6./7.April) einzuziehen. Und im EHF-Pokal haben die Niedersachsen ebenfalls zum zweiten Mal die Gruppenphase klar gemacht. Ab dem 9. Februar spielen sie gegen Grundfos Tatabanya (Ungarn), RK Nexe Nasice (Kroatien) und Eurofarm Bitola (Mazedonien) in sechs Partien um den Einzug ins Viertelfinale und somit um europäische Meriten. Die bisherige Saisonbilanz ist bei den Recken also extrem gegensätzlich: In der Liga (mit Abstrichen) pfui, in den Pokal-Wettbewerben (mit Einschränkungen) hui! Wie konnte es dazu kommen? In den kontinuierlichen Liga-Spielen konnten die Recken ihr vor allem in der Anfangsphase der Saison anhaltendes Verletzungspech weniger kaschieren als in den wenigen Pokalspielen, in denen sie mit voller Fokussierung antraten. Torge Johannsen, Kai Häfner, Pavel Atman, Mait Patrail, Morten Olsen, Evgeni Pevnov und kurzzeitig auch Nationalmannschafts-Comebacker Fabian Böhm fielen über Wochen und Monate länger sogar teilweise zeitgleich aus. Klar, nicht nur bei Berlins Füchsen war’s ähnlich. Doch die Hannoveraner konnten die Ausfallserie trotz ihren Talenten aus der „Recken-Schmiede“ nicht immer kompensieren. So sehr sich die Thiele, Krone, Feise, Hanne, Donker, Mävers bei aller Wertschätzung auch mühten – die erfahrenen Cracks vermochten sie nur punktuell zu ersetzen. So kamen die derzeit 2:18-Punkte und zuletzt sieben Pleiten in Folge zustande. Die einzigen beiden Zähler resultieren dabei aus dem Auswärtserfolg in Lemgo. „Wir konnten unser Leistungsvermögen in vielen Spielen einfach nicht auf die Platte bringen und knappe Spiele nicht für uns entscheiden“, meint Sportchef Sven-Sören Christophersen dazu. Dabei war der Saisonauftakt mit 10:8-Zählern noch nicht wirklich schlecht, sondern eher vielversprechend – ehe die Abwärtsspirale einsetzte, an deren Ende zuletzt vier Heimpleiten in Folge standen. Die „Recken-Festung“ bröckelte gewaltig! Nachdenklich stimmen zwei Aspekte. Erstens: Mit den Neuzugängen Cristian Ugalde (für Mortensen), Nejc Cehte (für Karason), Domagoj Srsen (für Christophersen) und Torwart Lesjak (für Semisch) haben die Recken zwar nicht voll danebengegriffen. Aber als die erhoffte Verstärkung hat sich das Quartett nun auch nicht entpuppt. Ugalde ist kein Torjäger wie Mortensen, ist die Spitze bei der 5-1-Deckung. Cehte erhielt als Back-up von Häfner mehr Einsatzzeit als geplant, macht aber zu wenig daraus. Srsen spielt nur eine Defensiv-Nebenrolle. Lesjak hat(te) gute, aber auch schlechte Partien. Die Konstanz fehlt – wie fast im gesamten Team. Zweitens: Inzwischen sind bis auf Patrail (Kreuzbandriss) und Atman (fünf Verletzungen in 18 Monaten), der inzwischen wieder mittrainiert, alle anderen Rekonvaleszenten wieder dabei – und trotzdem hat es zuletzt lediglich den wichtigen Pokalsieg dank eines Kraftaktes im Viertelfinale gegen Erlangen gegeben. Irgendwie erinnert der anhaltende Abwärtstrend schon an die Misserfolgs-Rückrunde unter Jens Bürkle in der vorletzten Saison, als der Schwabe nach 16 sieglosen Spielen in Serie (zwei Unentschieden und 14 Pleiten) noch unter der Ägide von Geschäftsführer Benjamin Chatton schließlich gehen musste und Carlos Ortega übernahm. Umso wichtiger ist jetzt die kurzfristige Perspektive. Nach der WM geht’s zuhause gegen Stuttgart und dann bei Schlusslicht Ludwigshafen weiter. Christophersen: „Das sind zwei absolute Schlüsselspiele für uns, sie sind richtungsweisend.“ Rocken die Recken dann getreu ihres Slogans endlich wieder?

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