Handball-Bundesliga

Besondere Abschiedsfeier bei den Recken auf dem Schützenplatz

TSV Hannover Burgdorf - THW Kiel
+
Timo Kastening (hier beim Spiel gegen den THW Kiel) ist bald Teil einer besonderen Abschiedsfeier.

Hannover - Die Aktivitäten bei der TSV Hannover-Burgdorf halten sich derzeit in überschaubaren Grenzen. Für Gesprächsstoff sorgte jüngst aber Mait Patrail. Nach langer Ungewissheit wurde in der ersten Juni-Woche der Wechsel von den Recken zu den Rhein-Neckar Löwen kommuniziert.

Acht Jahre hat der Este mit dem wilden Vollbart für die Niedersachsen gespielt und avancierte zu einem der Publikumslieblinge. Mitgewirkt hat der Hüne am zweimaligen Einzug in den (bisherigen) EHF-Pokal und die dreimalige Qualifikation für das REWE Pokal Final Four – allerdings wird der die dritte Auflage der Endrunde in Hamburg Ende Februar 2021 (falls sie denn stattfindet…) nicht mehr im Recken-Dress erleben. Übrigens ebenso nicht wie Timo Kastening, der ja dann für die MT Melsungen spielt – gegen die Hannoveraner. In Mannheim hat Patrail einen Vertrag bis zum 30. Juni 2021 unterschrieben. „Er wird uns auf Anhieb im Angriff und in der Abwehr schon aufgrund seiner Erfahrung weiterhelfen“, wurde Löwen-Sportchef Oliver Roggisch zitiert. Der Sportliche Leiter der Mannheimer weiter: Mai hatte mit seinen starken Leistungen großen Anteil an der beeindruckenden Saisonleistung von Hannover.“ Das verspürten die Löwen im Dezember 2019 auch am eigenen Leib, als sie im Pokal-Viertelfinale den Recken durch Morten Olsens Gewaltwurf in den Torwinkel in letzter Sekunde 30:31 unterlagen. „Die Löwen sind ein Top-Klub, der sich hohe Ziele setzt, auch Titel“, meinte Patrail zu seinem Wechsel in die Kurpfalz. Zwei deutsche Titel in den vergangenen vier Jahren und ein Pokalsieg (im Übrigen gegen Hannover…) unterstreichen dies. Patrail weiter: „Ich mache einen weiteren Schritt in meiner Karriere.“ Der Abschied aus Niedersachsen dürfte ihn aber dennoch auch mit etwas Wehmut erfüllen, denn an der Leine hat sich der bärtige Hüne lange wohlgefühlt. Doch auch in diesem Fall führte die Coronakrise zur Trennung aus wirtschaftlichen Gründen. Den dem Vernehmen nach gut dotierten Vertrag konnten/wollten die Recken nicht verlängern. „Es war eine absolute Härtefall-Entscheidung“, sagte Sportchef Sven-Sören Christophersen schon vor Wochen. Die finanziellen Ungewissheiten, mit denen derzeit wohl alle Klubs zu kämpfen haben, trugen zur Nicht-Verlängerung bei. Allerdings war Patrail, dessen Frau Anna Anfang Juli das erste Baby erwartet, auch immer wieder durch teils heftige Verletzungen wie Kreuzbandriss sowie Schulter- und Rücken-Problematiken auch längerfristig ausgefallen. Deshalb hatte er zuletzt auch nur einen Einjahresvertrag bekommen. „Ich hatte eine tolle Zeit in Hannover“, sagt Patrail, dessen Markenzeichen die Nummer 9 gewesen ist – die er künftig auch bei seinem neuen Handball-Verein, den Rhein-Neckar Löwen, tragen wird. Demnächst wird Patrail wie die weiteren vier Abgänger auf spezielle Weise verabschiedet. Da die sonstige „Zeremonie“ beim letzten Heimspiel eben nicht zustande kommen konnte, gibt es jetzt am 22. Juni ab 20 Uhr (Einlass 19 Uhr) eine große Bühne auf dem hannoverschen Schützenplatz wie im Autokino. Fans können sich Parkplatztickets kaufen. „Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen“, sagt Christophersen, der diese ungewöhnliche Form der Verabschiedung von Patrail, Olsen (Gudme/Dänemark), Joshua Thiele (GWD Minden) und Kastening als „völliges Neuland“ betrachtet. Cristian Ugalde (ohne neuen Klub) soll per Video zugeschaltet werden. Ob Olsen dabei ist, ist noch offen. Die Fans können selbst entscheiden, was sie für die Verabschiedung zahlen wollen: Zwischen 5 und 30 Euro. Ex-Recken-Geschäftsführer Benjamin Chatton hat die Veranstaltung als Geschäftsführer von der Agentur „Hannover Concerts“ mit realisiert. Timo Kastening hat einen weiteren Schritt von Niedersachsen nach Nordhessen gemacht. Er unterschrieb jetzt einen Mietvertrag für eine Wohnung in seiner neuen sportlichen Heimat Kassel. Bevor er im Juli zur MT wechselt, ist er am 24. Juni (einen Tag vor seinem 25. Geburtstag) ebenfalls auf Hannovers Schützenplatz ab 19 Uhr beim „Drive-in-Darts“-Event dabei. Dabei tritt er gegen den dreifachen niederländischen Darts-Weltmeister Michael van Gerwen an. Christophersen trifft in einem weiteren Dart-Match auf den deutschen Topspieler Max Hopp. Die Zuschauer sitzen wie im Autokino in ihren Wagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare