Handball-Bundesliga

Torhüter Ebner ebnet den Weg zum Recken-Heimsieg

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Held des Abends: Recken-Torhüter Domenico Ebner ist mit seinen Paraden Garant des Heimsieges gegen Erlangen.

Hannover – Diese Recken waren einfach wieder der Wahnsinn: Ein zur Halbzeit (11:16) gegen den HC Erlangen schon verloren geglaubtes Spiel drehten sie in der zweiten Halbzeit tatsächlich noch zum 29:25 und fuhren damit einen nicht mehr für möglich gehaltenen Erfolg ein.

Damit stellten sie ihren eigenen Rekord von 26:8-Punkten nach der Hinrunde von vor zwei Jahren ein. 8 628 Zuschauer feierten die durch die Flensburger Pleite in Ludwigshafen auf Platz zwei vorgerückten Recken nach diesem erneuten Coup hinterher frenetisch – und vor allem Torwart Domenico Ebner, der in der zweiten Hälfte sensationell hielt. Eine gute Nachricht gab es vorweg: Morten Olsen konnte spielen, die Verletzung am kleinen Finger der rechten Wurfhand erwies sich als nicht ganz so schlimm. Der Däne führte also wie gewohnt Regie, doch Souveränität strahlten die Recken zunächst nicht aus. Erlangen ging zunächst in Front, doch schnell drehten die Hannoveraner die Partie. Timo Kastening warf zur ersten Führung beim 4:3 ein – da dachten die Fans, dass die Gastgeber nun langsam ins Rollen kommen. Doch das Gegenteil war der Fall: Olsen scheiterte beim Stand von 4:4 mit einem Siebenmeter an HCE-Torwart Katsigiannis (früher auch mal in Hildesheim), und danach begannen sich die Franken, langsam abzusetzen. Zwar scheiterte Sellin mit einem Strafwurf an Recken-Schlussmann Lesjak, doch in der Folge agierten die Hannoveraner viel zu überhastet. Wiederholt warfen sie die Kugel bei eigenem Ballbesitz einfach weg – ein Technischer Fehler nach dem anderen. So konnte man natürlich gegen die körperlich starken Gäste, die einen starken Mittelblock aufboten, kaum etwas ausrichten. Der Rückstand wuchs immer weiter an, nach dem 6:9 nahm Coach Carlos Ortega seine erste Auszeit. Doch sie bewirkte wenig bis nichts. Beim 6:11 und 7:12 war der in der ersten Halbzeit höchste Rückstand erreicht. Ortega versuchte es in der Schlussphase der ersten Halbzeit mit einer 5:1-Deckung mit dem flinken Spanier Ugalde auf der Spitze. Mit zwei verwandelten Siebenmetern hielt Kastening die Recken zumindest einigermaßen noch im Spiel. Sie taten sich unendlich schwer und scheiterten ein ums andere Mal an der physischen Präsenz der Erlanger, die durch zwei Treffer von Spielmacher Michael Haaß noch auf 16:11 zur Pause wegzogen. Ein Rückstand, mit dem bei den Hannoveranern niemand gerechnet hatte. Mit zwei Toren eröffnete Kapitän Böhm die zweite Halbzeit – und sofort waren die Fans wieder da. Der für Lesjak gekommene Torhüter Ebner parierte einen Siebenmeter von Florian von Gruchalla, aber die Recken machten nichts draus, trafen zweimal nur Holz. Kastening und Ivan Martinovic sorgten aber dafür, dass Erlangens Vorsprung auf zwei Treffer schrumpfte. Und als Martinovic per Heber auf 18:19 verkürzte, hielt es keinen mehr auf dem Sitz. Die Leistungssteigerung der Recken war jedoch vor allem in einem Namen begründet: Domenico Ebner lief richtig heiß, hielt einen Ball des HCE nach dem anderen – in einer guten Viertelstunde waren es sieben, am Ende neun – 50 Prozent gehaltene Bälle. Und obendrein traf er sogar selbst noch einmal ins leere HCE-Tor. Kastening glich aus zum 22:22, Böhm traf zur ersten Führung seit dem 4:3 und Olsen warf zum 24:22 ein – da tobte die Tui-Arena endgültig. Auf einmal waren sie wieder da, diese Recken, die alles kurz und klein werfen. Aber die Partie war ja noch nicht zu Ende, auch wenn Böhm zum 26:23 einwarf. Mait Patrail und zweimal Martinovic machten den Sack schließlich zu in einem am Ende unfassbaren Sieg. Am Sonntag (16 Uhr) geht’s weiter. Die Recken spielen beim HBW Balingen-Weilstetten, wo Ex-Trainer Jens Bürkle an der Seitenlinie dirigiert. Es ist die längste und strapaziöseste Auswärtstour der Saison – da bleibt zudem abzuwarten, wie es um den Kräfte-Haushalt des Ortega-Teams bestellt ist. Oder sind „Kapitän Böhm & Co.“ weiter im Erfolgs-Flow? 

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