"Kahn ist locker, gelöst und obendrein klug"

Mainz - Die Fußball-WM verlangt auch von den TV-Machern eine Höchstleistung. Beim ZDF werden die Zuschauer ein neues WM-Doppel zu sehen bekommen.

Update vom 22. Dezember 2019: Eigentlich sollte am Freitagabend beim ZDF der Fußball im Vordergrund stehen, doch Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein rückte durch ein gewagtes Outfit in den Fokus.

Es ist eine logistische Meisterleistung. Stolze 200 Kilometer Kabel müssen verlegt werden. 40 Container mit Kameras, Monitoren, Mikrofonen schippern per Schiff nach Südafrika. Zahlreiche Aggregate sollen sicherstellen, dass der Albtraum eines schwarzen Bildes auch dort, wo der Strom nicht immer so zuverlässig fließt, auf gar keinen Fall passiert. “Wenige Minuten vor Ende eines Deutschland-Spiels und wir haben Bildausfall - das wäre dramatisch“, sagt Christoph Hamm. Er ist ZDF-Programmchef für das Sportereignis des Jahres, auf das ganz Deutschland hinfiebert: Die Fußball-WM 2010, die erste auf dem afrikanischen Kontinent.

ARD und ZDF übertragen 55 der 64 Spiele - neun hat RTL “weggekauft“ (Hamm) - und machen dabei technisch gesehen gemeinsame Sache. So nutzen die Öffentlich Rechtlichen ein Studio in Johannesburg. “Nur durch die Einleuchtung unterscheidet sich die Farbgebung der Sendungen, außerdem werden Deko-Elemente ausgetauscht“, erläutert Hamm. Jeder Sender macht sich vor allem unverwechselbar durch sein Moderatorenteam. So gehen fürs “Erste“ die bewährten Duos Gerhard Delling/Günter Netzer und Reinhold Beckmann/Mehmet Scholl ins Rennen um den beliebtesten Fußball- Erklärer.

Das Zweite wartet dagegen mit einer Premiere auf - und die ist weiblich. “Mit Katrin Müller-Hohenstein haben wir erstmals bei einer Fußball-WM eine Frau auf der Moderatoren-Position“, sagt Hamm und lächelt nicht ganz ohne Stolz ob dieses Coups. Die 44-Jährige, seit längerem Sportstudio-Moderatorin, freut sich indes ausgesprochen auf ihren Co-Moderator Oliver Kahn. “Der ist locker, gelöst - und obendrein noch klug“, schwärmt sie.

“Wie kaum ein anderer ist Olli in der Lage, sich in jede Situation als Spieler hineinzuversetzen. Er hat ja fast alles selber erlebt.“ Auch Hamm ist überzeugt: “Mit Olli Kahn sind wir ganz nah dran an den Spielen.“ Denn das ist das Besondere an dieser WM im Vergleich zur WM 2002 (Südkorea/Japan) und 2006 (Deutschlands Sommermärchen) sowie der EM in Österreich und der Schweiz: “Wir senden wieder direkt aus den Stadien.“

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Das sei bei einem Experten Kahn auch gar nicht anders denkbar. Müller-Hohenstein verrät, dass es bereits bei den wenigen gemeinsamen Auftritten mit dem einstigen Welt-Torhüter sehr heiter hinter den Kulissen zugegangen sei. Und: “Ich mag den richtig, ein guter Typ“. Die beiden werden an den Tagen, an denen das ZDF den Hut auf hat, das “Match des Tages“ aus dem jeweiligen Stadion präsentieren.

Die Fernseh-Organisatoren beschäftigte in der Vorbereitung neben den technischen Unwägbarkeiten - “fernsehmäßig ist da nicht viel Technik vorhanden, wir müssen beinahe alles selbst mit bringen“ (Hamm) - vor allem eines: Die Sicherheit. “Wir haben an alle 300 Kollegen, die alleine von uns mitfahren, die klare Devise rausgegeben: Niemals im Dunkeln auf die Straßen, niemals alleine unterwegs sein und keiner fährt selbst.“

Zwar habe er bei einem Sicherheits-Briefing durchaus bei dem ein oder anderen Kollegen ein mulmiges Gefühl verspürt, “aber wir haben uns bestmöglich vorbereitet“, betont Hamm. So gibt es einen eigenen Shuttle-Service und die von ARD und ZDF genutzten Räume im - übrigens fensterlosen - Internationalen Fernsehzentrum in Johannesburg, wo aus dem dortigen Studio Rudi Cerne als Gesicht des ZDF moderiert, sitzt ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, der die Einsätze für sein Team - vor allem Fahrdienste - koordiniert.

Nach rund eineinhalb Jahren WM-Vorbereitungszeit, die hinter Hamm und seinen Leuten liegen, hat er selbst aber eigentlich keine großen Sorgen mehr. Und, als bei der letzten EM plötzlich das Bild weg war, hat man auch das schnell gelöst. Irgendwie werden die Macher von ARD und ZDF im Notfall die Fans an den Schirmen auch diesmal “retten“.

dpa

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