Experten-Analyse

BVB top! Das macht die Borussia aus Dortmund in dieser Saison so stark

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Sie haben derzeit gut lachen: Achraf Hakimi (links) und Jadon Sancho sind mit Borussia Dortmund auf der Erfolgsspur. Gerade die jungen Spieler tragen viel zum begeistenden Spiel der Westfalen bei.

Der BVB spielt eine große Saison bisher. Der Borussia aus Dortmund trauen nicht nur Fußball-Experten wie Ex-Profi Matthias Hamann in dieser Saison den Titel zu.

Das größte Lob kam von einem, der die Stärke der Borussia schmerzlich erlebt hatte. Diego Simeone, Trainer von Atletico Madrid, schwärmt nach der 0:4-Pleite seines Teams von Dortmunds Fußballern: „Sie sind auf einem wunderbaren Weg.“

Heute trifft der Bundesliga-Spitzenreiter im Pokal auf Union Berlin - und ist Favorit. Aber das war auch der FC Bayern - und tat sich dann schwer gegen Rödinghausen

Unser Partner HNA.de* hat mit dem Experten Matthias Hamann einen Blick auf das geworfen, was den BVB so stark macht. 

Hamann über den Schwung der Jugend beim BVB

Dortmund hat seine Mannschaft extrem verjüngt. Der BVB hat das ja zu einer Art Geschäftsmodell gemacht: Talente holen, entwickeln und im besten Fall seht teuer wieder abgeben. Diese Jungs haben eine extrem hohe Qualität. In der Offensive zeichnet sie Schnelligkeit und Dynamik gepaart mit guter Technik aus. Dazu kommt eine ordentliche Portion Frechheit. Aber auch in der Defensive ist Dortmund mit seinen Talenten richtig stark.

Was man nicht vergessen darf: Wir sprechen hier zwar von jungen Spielern. Trotzdem sind sie nicht ohne Erfahrung. Ein Jacob Bruun Larsen hat Zeit bekommen, sich zu entwickeln. Christian Pulisic erlebt seine dritte Champions-League-Saison. Für den ist ein Bundesligaspiel Alltag.

BVB - das zentrale Duo

Bei aller Qualität im Angriff und trotz der tollen Tore eines Paco Alcácer – die wichtigsten Transfers des Sommers waren für mich die von Axel Witsel und Thomas Delaney. Auf diesen Positionen im Mittelfeld hatte Dortmund früher durchweg gleiche Spielertypen wie Castro, Weigl, Sahin. Witsel und Delaney bringen neue Qualität mit. Sie führen die Jungen und sorgen für die Balance. Und sie spielen auch mal überraschende Pässe, die die Angreifer in Position bringen.

Der Kapitän und der Rückkehrer beim BVB

Dass Trainer Lucien Favre Marco Reus zum Kapitän gemacht hat, war überfällig. Diese Verantwortung setzt bei ihm neue Kräfte frei. Er sollte jetzt halt mal verletzungsfrei bleiben. Mario Götze wieder fit für die Bundesliga zu bekommen, das habe ich für ein Langzeitprojekt gehalten. Jetzt ist er bereits auf dem Weg. Und wir sehen: Es tut ihm richtig gut, dass er nun wieder in Ruhe Fußball spielen kann und die Diskussionen um seine Person verstummt sind.

Der Anteil des Trainers

Ich bin nicht verwundert, dass es mit Favre funktioniert. Er hat überall, wo er hinkam, erst einmal Erfolg gehabt. Ich sehe ihn als Trainertyp schon ähnlich wie Thomas Tuchel, glaube aber, dass Favre die Dinge besser moderieren kann – gerade im Umgang mit jungen Spielern. Gespannt bin ich, ob er das mit der Borussia auch über einen längeren Zeitraum schaffen kann. Bei seinen letzten Stationen kam einfach zu früh Diskussion auf, auch weil es oft schnell Wechselgerüchte um Favre gab.

Die Wucht der BVB-Offensive

Die ist bei der Borussia natürlich imponierend. Die Dortmunder zeigen Mut zum Risiko. Wo ein Arjen Robben ein Solo ansetzt, aber wieder abbricht, wenn es riskant werden könnte, da machen diese Jungs einfach weiter. Ich denke, dass Favre diese Freiheiten bewusst zulässt. Wenn da einer den Ball verliert, dann wird das in Kauf genommen.

Vieles im Dortmunder Spiel ist Intuition. Ich glaube nicht, dass da groß etwas einstudiert wurde. So hat Favre auch in Gladbach nicht gearbeitet. Er organisiert die Defensive. Nach vorn, da lässt er der Mannschaft viele Freiheiten. Motto: Wenn wir lange den Ball halten, dann wird sich ein Weg zum Tor finden.

Die Chance auf den Titel für die Dortmunder

Definitiv wird es in dieser Saison spannender. Und ja, Dortmund kann Meister werden. Auch, weil die Bayern die Verjüngung anders als die Borussia noch nicht geschafft haben. Entscheidend wird die Frage sein, ob Dortmunds Jugendstil über die ganze Saison stabil bleibt.

Unser Fußball-Experte: Matthias Hamann

Matthias Hamann (50) ist früherer Bundesliga-Profi, spielte unter anderem für 1860 München und Kaiserslautern. Von 2005 bis 2008 trainierte er den KSV Hessen Kassel. In den letzten Jahren arbeitete Hamann vor allem als Scout, zunächst für Jürgen Klinsmann und die US-Nationalmannschaft, nun für den Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Derzeit sichtet er vor allem bei Spielen in England.

Von Frank Ziemke, HNA.de*

*HNA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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