Jahrelange Erfahrung als Hundetrainer

Hundetrainer Daniel Joeres verrät: „So fällt das Lernen viel einfacher!“

Daniel Joeres mit seinen beiden Hunden, die im Gras sitzen
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Für Hundetrainer Daniel Joeres ist die hundgerechte Kommunikation die Basis für eine erfolgreiche Hundeerziehung.

Daniel Joeres ist Gründer der Hundeschule Doguniversity. Im Interview spricht er über hundgerechte Kommunikation, digitales Hundetraining und Mythen in der Hundeerziehung.

Daniel Joeres machte seine Leidenschaft zum Beruf. Seit mehreren Jahren ist er Hundetrainer, gründete die digitale Hundeschule Doguniversity. Mit der Doguniversity-App* haben er und sein Team eine revolutionäre Hunde-App ins Leben gerufen. Doch der 34-Jährige stellt auch klar: Digitales Training soll die ursprüngliche Hundeschule nicht ersetzen! Wir haben mit dem Hundetrainer über das digitale Training, die Doguniversity-App sowie über seine Leidenschaft für Hunde gesprochen. Zudem räumt der Hundeliebhaber mit einigen Mythen auf und erklärt die „hundgerechte“ Kommunikation.

Hallo Daniel, woher kommt Deine Leidenschaft für Hunde?
Meine Leidenschaft für Hunde war eigentlich schon immer da. Schon seit meiner Kindheit hatte ich den Wunsch einen Hund zu haben und so wurde damals schon der Grundstein gelegt. Ich war auch oft mit den Nachbars-Hunden unterwegs und habe schnell gemerkt, dass ich mich zu ihnen hingezogen fühle, sehr viel Spaß an der Sache habe. Und so wurde das Interesse immer größer.
Du bist nun schon seit 10 Jahren hauptberuflich Hundetrainer, hast auch davor schon mit den Vierbeinern gearbeitet. Woher kam die Motivation Deine Leidenschaft zum Beruf zu machen?
Mein beruflicher Lebensweg war zweigeteilt, da ich auch den klassischen Weg gegangen bin. Ich habe Psychologie studiert und war jahrelang als Psychologe tätig und nebenbei als Hundetrainer aktiv. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich gemerkt hatte, dass mein Herz dafür brennt. Ich kann hier auch meine Erkenntnisse aus der Psychologie sehr gut einbringen. Da ich in dem Bereich Hundetraining sehr erfolgreich war und auch immer mehr Anfragen erhielt, bin ich in den Beruf mehr oder weniger rein gedriftet. Auch die Arbeit mit den Menschen und ihren Emotionen passen zu mir. Sie sind immer gut gelaunt, gehen raus in die Natur, auch das passt sehr zu mir. 
Die Doguniversity ist die größte Plattform für Hundetraining, zudem können sich HundebesitzerInnen austauschen. Wie findet man einen guten Einstieg? 
Es gibt viele Möglichkeiten, den Einstieg zu finden. Bei YouTube gibt es seit Jahren viele Videos. So kann man sich anschauen, wie wir das machen, denn wir arbeiten sehr transparent. So können HundehalterInnen ausprobieren, ob es funktioniert, ob es den Hunden überhaupt gefällt. Darüber hinaus gibt es unsere Kursangebote. Hier kann man kostenlos reinschnuppern. Wir sind sehr überzeugt von unseren Produkten, bekommen überwiegend positives Feedback und bieten daher auch eine Geld-zurück-Garantie.
Hundetrainer Daniel Joeres und seine treuen Begleiter: Schäferhündin Nora und Labrador Louis.
Was sind die Vorteile eines digitalen Hundetrainings?
Ich habe es überall dabei, kann es also per Smartphone überall konsumieren. Zudem haben wir das digitale Hundetraining aus psychologischer Sicht sinnvoll gestaltet. Wir sprechen alle Sinne an. Ich kann mir ein Video anschauen, ich kann Zeitlupen aufnehmen und mir anschauen, wie der Hund auf die Körpersprache reagiert. Ich kann die Kurse anhören, dazu gibt es Workbooks und Skripte. So fällt das Lernen viel einfacher, als würde ich nur ein Buch nehmen. In regionalen Hundeschulen fehlt zudem oft die Zeit, man geht nicht so oft ins Detail. Wir geben sehr viele Dinge und Sachinformationen mit. Doch ich möchte auch klarstellen: Wir sind kein kompletter Ersatz für Hundeschulen, Hunde brauchen ihren Sozialkontakt und auch Menschen sollen sich kennenlernen. 
Der Schwerpunkt Deines Hundetrainings liegt in der „hundgerechten“ Kommunikation. Was bedeutet diese Art von Kommunikation?
Heutzutage gibt es sehr viele Trainingsmethoden, doch die intuitive soziale Kommunikation ist etwas abhandengekommen. Man sieht viele Menschen, die versuchen ihre Hunde mit irgendwelchen Hilfsmitteln, zum Beispiel mit Leckerlis, zu überreden und soziale Faktoren werden nicht mehr berücksichtigt. Dabei muss man bedenken, dass Hunde den Menschen in ihrem Sozialverhalten ähnlicher sind als unsere nächsten genetischen Verwandten, die Menschenaffen. Hunde mussten sich früher für die Jagd zusammenschließen wie die Steinzeitmenschen. Sie mussten viel kommunizieren und hierbei ist eine sehr detaillierte soziale Kommunikation entstanden. Hunde reagieren sehr stark auf Körpersprache, achten auf jedes Detail. Sie verstehen ganz viele Dinge intuitiv. Wenn wir das verstehen und dieses Wissen ins Training integrieren, dann verstehen die Hunde das, was wir von ihnen möchten, viel schneller. Natürlich nutzen wir auch Leckerlis, aber der Schwerpunkt liegt auf dem Verstehen des eigenen Hundes und auf der sehr natürlichen Art der Kommunikation.
Mit der Doguniversity-App hast Du eine Hunde-App ins Leben gerufen, die nicht nur Hundetraining anbietet. Was ist das Besondere an dieser App?
Neben der Tatsache, dass all unsere Videos und das ganze Wissen im Taschenformat erhältlich sind, ist das Besondere, dass die Menschen eine Möglichkeit haben, sich in der Riesen-Community austauschen zu können. Wir haben die Online-Welt mit der Offline-Welt verbunden, auch physische Treffen können stattfinden. Die Menschen können zusammen an den gleichen Problemen arbeiten, können zusammen trainieren oder sie gehen einfach zusammen wandern. Das wird super angenommen. Darüber hinaus gibt es die ganzen Funktionen wie die interaktive Karte, die Hundeakte – für alle wichtigen Themen rund um Gesundheit, Alltag und Training – oder den Persönlichkeitstest.
Welche Mythen bzw. falsch verbreiteten Glaubensansätze im Hundetraining möchtest Du aus der Welt schaffen?
Es ist ein Irrglaube tatsächlich, dass sich mein Hund an mir orientiert oder dass mein Hund mich mehr mag, je mehr ich ihn lobe oder füttere. Auch ist es ein Irrglaube, dass mein Hund mich mehr mag, wenn ich Konflikte mit ihm vermeide. Eine ehrliche Kommunikation ist wichtig, das ist ja auch bei uns Menschen so. Wir mögen Menschen, die authentisch sind, die geradeaus sagen, was sie denken. Nichts anderes ist es bei Hunden, die sich an authentischen Menschen orientieren. Und so kommt auch die Psychologie ins Spiel, hier gibt es zwei Aspekte: die Kooperationsbereitschaft und die Konfliktfähigkeit. Das brauchen wir für die Hundeerziehung. Wir wollen kooperieren, wir wollen mit dem Hund Spaß haben und gemeinsam mit ihm Aufgaben lösen. Doch auf der anderen Seite ziehen wir auch eine Grenze und gehen auch mal in einen Konflikt. 
Die Doguniversity-App bietet zahlreiche Features wie ein Umgebungsradar oder den Hunde-Steckbrief. Ein großes Plus ist der Persönlichkeitstest.
Welchen allgemeinen Rat hast Du an HundebesitzerInnen?
Man sollte seinen Hund erst einmal verstehen. Das fängt mit seinen Bedürfnissen, mit den Eigenschaften der Rasse und der Körpersprache an. Was macht dem Hund Spaß? Es gibt ganz viele Missverständnisse. Wenn wir das Verständnis gelernt haben, dann können wir auch mit dem Hund kommunizieren und einen schönen, gemeinsamen Weg gehen. Je mehr der Halter weiß, desto besser funktioniert die Hundeerziehung.
Wie sieht die Zukunft aus? Worauf dürfen wir uns als Nächstes von Dir freuen, um Hund und HalterIn zu helfen?
(lacht) Man darf sich auf eine Menge freuen, wir haben ganz viele Ideen, doch die Umsetzung dauert natürlich. Wir arbeiten immer an neuen Programmen, weil es wahnsinnig viele Themen gibt. Unsere Plattform wird immer weiterwachsen und wir werden immer mehr spezifische Programme für die Hunde haben. Die Wissensdatenbank der Doguniverstiy füllt sich kontinuierlich. Dann arbeiten wir noch zusätzlich an einem Magazin und auch regional wollen wir wieder Live-Trainings anbieten und mehr Workshops veranstalten können. Langweilig wird es nicht! Doch uns macht es Spaß, alle im Team brennen dafür. 
Hat ein Hundetrainer, der schon vielen Menschen geholfen hat, überhaupt noch privat Zeit für einen Vierbeiner? 
(lacht) Da wir viel zu tun haben, wird die private Zeit natürlich immer knapper. Aber meine Hunde (dreijährige Schäferhündin Nora und siebenjähriger Labrador Louis, Anm. d. Red.) sind meine stetigen Begleiter. Mich gibt es gar nicht ohne meine Hunde. Ich habe die Hunde immer bei mir, sie sind in den Trainings dabei, in Meetings, wir sind immer zusammen unterwegs. Meine Hunde sind auch stets willkommen, sie sind ja auch gut erzogen. Ich würde fast sagen, da wo meine Hunde nicht willkommen sind, da werde auch ich nicht sein.

(pm) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.