Umfrage bei Versorgern

Knappheit hier - Gelassenheit dort: So steht es ums Trinkwasser

Hannover - Wegen des seit Wochen anhaltend warmen und trockenen Wetters im Norden prüfen Städte und Landkreise kritisch ihre Trinkwasservorräte. Während bei einigen noch genügend Kapazität ist, bitten andere die Menschen, Wasser zu sparen.

In Bremen und einigen Städten Niedersachsens gibt es bisher keine Engpässe bei der Trinkwasserversorgung. „Wir haben keine Wasserknappheit, sondern lediglich Verbrauchsspitzen“, erklärte der Sprecher des Wasser- und Energieversorgers swb in der Hansestadt. Das Wasser werde aus drei Quellen, die in Niedersachsen liegen, bezogen: Verden, Wildeshausen und Syke. 20 Prozent fördere das Unternehmen eigen.

Auch die im Bremer Süden ansässige Syker Vorgeest, die vor allem den Landkreis Diepholz versorgt, hat noch keine Probleme wegen Wasserknappheit. Auch im Süden des Kreises bei den Wasserwerken in Diepholz sowie im Landkreis Verden kann den gestiegenen Bedarf noch bewältigt werden.

Der Verbrauch liege in der Stadt Bremen derzeit bei im Schnitt 85.000 bis 95.000 Kubikmetern Wasser pro Tag. „Ganz selten auch darüber“, betonte der Sprecher. Am 7. Juni sei der Verbrauch mit 107.000 Kubikmeter zum Beispiel extrem hoch gewesen. Sparsam beim Wasserverbrauch sein müssten die Menschen in Bremen bisher nicht.

Auch die rund 700.000 Kunden des Versorgers Enercity in und um Hannover müssen sich keine Sorgen machen. „Wir beziehen unser Wasser aus Grundwasser vom Fuhrberger Feld, das bis in eine Tiefe von 30 Metern reicht“, erklärte ein Enercity-Sprecher. Es ist mit mehr als 30.000 Hektar eines der größten zusammenhängenden Grundwasserschutzgebiete in Niedersachsen. In diesem Sommer liege der Verbrauch in Hannover pro Tag zwischen 130.000 und 140.000 Kubikmeter Wasser. Am 27. Mai seien es 160.000 gewesen. „Unsere Infrastruktur kommt noch nicht an ihre Grenzen“, sagte der Sprecher.

Talsperren im Harz gut gefüllt

Auch in Göttingen ist genügend Wasser vorhanden. 80 Prozent werden einem Sprechers zufolge aus dem Harz gewonnen. „Dort sind die Talsperren noch gut gefüllt.“ Derzeit liege der Verbrauch etwa 25 bis 30 Prozent über dem jährlichen Schnitt. Anfang Juli hätten die 120.000 Menschen in Göttingen an einem Tag 32.000 Kubikmeter verbraucht. An anderen Tagen seien es rund 24.000.

Andere, vor allem kleinere Stadtwerke, kommen wegen der Hitze allerdings an die Grenzen ihrer täglichen Fördermenge. So waren etwa in Barsinghausen in der Region Hannover zum Wochenstart die Trinkwasservorräte knapp geworden. „Der Wasserverbrauch ist zu Wochenbeginn sprunghaft angestiegen“, zitierten die „Neue Presse“ und die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ Jochen Möller, Geschäftsführer der Stadtwerke Barsinghausen. An diesem Tag seien 7500 Kubikmeter Wasser binnen 24 Stunden abgenommen worden. Das sei deutlich mehr als der langfristige Durchschnittsverbrauch von 5500 Kubikmeter. Maximal können die Stadtwerke eine Wassermenge von 6500 Kubikmeter pro Tag aufbereiten. Möller appellierte: Die Menschen sollten Grünflächen nicht mit Trinkwasser bewässern und auch sonst sparsam damit umgehen.

Bitte um Sparsamkeit auch in Delmenhorst

Auch die Delmenhorster Stadtwerke baten die Menschen um einen sparsamen Umgang mit Trinkwasser. Die Stadtwerke erwarteten dort einen Anstieg des Verbrauchs auf 15.000 Kubikmeter am Tag, berichtete die „Neue Osnabrücker Zeitung“ und berief sich dabei auf eine Sprecherin der Stadtwerke. Normal sei ein Verbrauch von 11.000 bis 12.500 Kubikmeter. Sollte die Wasserabgabe weiter steigen, müsse über Nutzungseinschränkungen nachgedacht werden.

Um den derzeit hohen Bedarf decken zu können, mussten die Stadtwerke Osnabrück (SWO Netz) bereits weitere Reservebrunnen im Stadtgebiet zuschalten. „Aktuell greifen wir auf drei Viertel unserer Reservebrunnen zu“, sagte Joachim Nolte, Leiter Anlagenbetrieb der SWO Netz. Die Stadtwerke versorgen demnach seit Dienstag zusätzlich zu den regulären Kunden noch Bersenbrück und Bramsche. „Jeder der Wasser verbraucht, sollte sorgsam und bedacht damit umgehen“, betonte Nolte. Auch der Landkreis Osnabrück teilte mit, dass das Wetter bei den Wasserversorgern im Kreis zu einem enorm hohen Verbrauch geführt habe. Trotz der Sommerferien sei der tägliche Wasserverbrauch in einigen Orten auf nahezu die doppelte Menge angestiegen. Die Menschen sollten deshalb darauf verzichten, Gärten zu bewässern oder Planschbecken und Pools aufzufüllen.

dpa/kom

Quelle: kreiszeitung.de

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