Entsetzen in der Gastro-Branche

Nach Lockdown: Wann öffnen Bars und Restaurants wieder?

Bund und Länder haben den Corona-Lockdown bis Ende März verlängert, aber auch einen Weg heraus präsentiert. Doch die Gastronomie-Branche wird sich gedulden müssen.

  • Dehoga sieht Schnelltests als Möglichkeit auf Osterurlaub auf den ostfriesischen Inseln.
  • Außengastronomie darf abhängig vom Inzidenzwert ab 22. März öffnen.
  • Corona-Schnelltests könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.

Update vom 4. März: Bund und Länder haben in der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch einen Weg zu Lockerungen in der Corona-Pandemie beschlossen. Die Gastronomie wird sich allerdings noch etwas gedulden müssen. Möglichen Öffnungen für Bars und Restaurants sind erst im vierten Öffnungsschritt (frühestens 22. März) vorgesehen.

Dafür muss die Sieben-Tage-Inzidenz 14 Tage nach dem Inkrafttreten des dritten Öffnungsschritts (ab 8. März) stabil bei weniger als 50 Neuinfektionen liegen. Bleibt oder sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz unter die Marke von 100 Neuinfektionen, darf die Außengastronomie dennoch öffnen, allerdings mit verschärften Regeln. Dazu gehört die vorherige Terminbuchung, Dokumentation und Kontaktnachverfolgung. Bei Tischen mit Personen aus mehreren Hausständen ist ein tagesaktueller negativer Corona-Test erforderlich. 

Update vom 23. Februar: Niedersachsens Gastwirte fordern eine möglichst schnelle Öffnung von Hotels und Restaurants - spätestens zu Ostern. Nach insgesamt fast 25 Wochen im Lockdown sei das Gastgewerbe „wirtschaftlich am Ende“, sagte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Niedersachsen, Detlef Schröder, am Montag nach einem Treffen mit Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) am Landtag in Hannover. Die Unterstützung des Staates sei aufgebraucht, sodass es jetzt um das wirtschaftliche Überleben der Betriebe und der Mitarbeiter gehe.

Das vergangene Jahr habe gezeigt, dass die Hygienekonzepte der Branche funktionierten. „Wir waren keine Infektionstreiber und wir werden auch im weiteren Verlauf der Pandemie keine werden“, versicherte Schröder. „Wir wollen unser Einkommen wieder mit unseren eigenen Händen verdienen und nicht von staatlichen Unterstützungen abhängig sein, die uns kein Auskommen bieten können.“

Auch Barkeeper Sven Birger Niehaus wartet darauf, dass er seine Kneipe Lindwurm in Hannover wieder öffnen darf.

Wirtschaftsminister Althusmann sagte nach Dehoga-Angaben zu, alles zu unternehmen, um eine Öffnung zu Ostern möglich zu machen. Angesichts wieder steigender Infektionszahlen gebe es dafür aber keine Sicherheit. Auch dem Tourismus hatte Althusmann zuletzt eine vorsichtige Öffnung zu Ostern in Aussicht gestellt. (dpa)

Update vom 22. Februar: Schnelltests sollen nach einer Forderung des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga einen Osterurlaub auf den ostfriesischen Inseln ermöglichen. Der Tourimus auf den sieben Inseln solle öffnen dürfen, aber jeder Besucher solle einen negativen Corona-Test vorweisen, sagte die Dehoga-Landesvize Birgit Kolb-Binder der „Ostfriesen-Zeitung“ vom Montag. Das könnten auch Speicheltests sein, wie sie ab März für jedermann erhältlich sein sollen.

Am Dienstag wollen die Landräte der Region, Juristen, Vertreter von IHK, Reedereien und der Dehoga in einer Online-Konferenz über das Thema beraten. Auf Helgoland (Schleswig-Holstein) gilt seit Monaten die Regel, dass die Insel nur mit einem nachweislich negativen Corona-Test betreten werden darf. Zugelassen sind aber nur Einheimische oder Handwerker, für Touristen ist Helgoland gesperrt. (dpa)

Ursprungsmeldung vom 17. Februar: Kein Ende in Sicht: In Branchen, die vom Lockdown betroffen sind, wächst die Verzweiflung. Als Bund und Länder den Lockdown vor einer Woche verlängerten, bekamen Friseursalons und Blumenläden grünes Licht.

Für alle anderen Wirtschaftszweige hat sich die Hürde für eine Öffnung erhöht: Statt bei 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen sollen erst bei weniger als 35 Öffnungen möglich sein.

Gaststätten-Verband: Blankes Entsetzen über Beschlüsse

Der DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) Niedersachsen zeigt sich enttäuscht von den Beschlüssen. Mit der verschärften Inzidenz-Regelung werde ein Wiedereinstieg um weitere Wochen nach hinten verschoben. Das sorgte „für blankes Entsetzen“ in der Branche: „Das Gastgewerbe wird in dem Beschluss noch nicht einmal als Branche adressiert, die ab der Inzidenz 35 wieder öffnen können soll“, heißt es in einer Stellungnahme des Verbandes.

„Immer mehr Betriebe stehen vor der Entscheidung, sich jetzt aus betriebswirtschaftlichen Gründen vom Markt zu verabschieden.“

Detlef Schröder, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes

Präsident Detlef Schröder verweist darauf, dass das Niedersächsische Gastgewerbe seit November 2020 im Lockdown verharrt. Er fordert: Die Landesregierung müsse jetzt festlegen, wann das Gastgewerbe konkret wieder öffnen darf. Nur eine solche Festlegung bringe verloren gegangenes Vertrauen zurück. „Immer mehr Betriebe stehen vor der Entscheidung, sich jetzt aus betriebswirtschaftlichen Gründen vom Markt zu verabschieden. Diese Betriebe werden nach Ende der Coronakrise nicht mehr zurückkommen“, sagt Schröder.

Wann öffnen Restaurants wieder?

Der Stufenplan für Niedersachsen sieht vor, dass Restaurants ihre Außengastronomie öffnen dürfen, wenn der R-Wert unter 0,8 ist und das Infektionsgeschehen in Niedersachsen gleichzeitig unter eine Sieben-Tages-Inzidenz von 50 ist. Es soll eine Sperrstunde ab 23 Uhr geben.

Die Niedersächsische Landesregierung hatte den Stufenplan 2.0 beraten und ihn dann zur Übersendung an den Landtag, zur Abstimmung mit den Verbänden sowie zur landesweiten Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern in Niedersachsen freigegeben. Es handelt sich bei dem Stufenplan 2.0 um eine Art erweitertes Ampelsystem über sechs Stufen von einem geringen Infektionsgeschehen.

Menschenleere Restaurants und Innenstädte: Wann öffnet die Gastronomie wieder?

Ob der Stufenplan umgesetzt wird, wird nach den nächsten Gesprächen zwischen Bund und Ländern entschieden werden, insbesondere auch im Lichte der ersten Ergebnisse zur Verbreitung von Virusmutationen in Deutschland.

Der Stufenplan sieht einen neuen Vorwarnwert vor. Galt bisher die Zahl 35 als Vorwarnwert für ein drohendes Überschreiten der 50er Marke, soll jetzt schon ab einer 7-Tages-Inzidenz von 25 stärker eingegriffen werden, um Kontaktmöglichkeiten zu reduzieren.

Grund ist, dass es spätestens ab dem Wert von mehr als 50 sehr rasch wieder zu einem exponentiellen Anstieg des Infektionsgeschehens kommen kann. Damit wird auch auf die wegen der neuen Mutanten drohenden dynamischen Infektionsentwicklung reagiert. (dpa)

  • Die Infektionsstufen in Überblick
  • Stufe 1: <10 geringes Infektionsgeschehen
  • Stufe 2: >10 <25 erhöhtes Infektionsgeschehen
  • Stufe 3: >25 <30 hohes Infektionsgeschehen (Vorwarnwert 25 überschritten)
  • Stufe 4: >50 <100 starkes Infektionsgeschehen
  • Stufe 5: >100 <200 sehr starkes Infektionsgeschehen
  • Stufe 6: >200 bzw. ab R-Faktor 1,2 eskalierendes Infektionsgeschehen

Rubriklistenbild: © dpa/Ole Spata

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