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Gaskrise in Deutschland: Holländer dürfen vor Borkum Erdgas fördern

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Von: Johannes Nuß

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Der Streit um Erdgasförderung vor der Nordsee-Insel Borkum geht weiter. Bergbauamt erteilt dem Unternehmen One-Dyas weitere Bewilligung.

Borkum – Die Nerven in der Energiekrise in Niedersachsen, Bremen und Deutschland liegen blank. Gas aus Russland ist spätestens seit Kriegsbeginn in der Ukraine tabu. Aber eigentlich bereits seit Übernahme der Regierungsverantwortung durch die Ampelkoalition. Dabei müsste das nicht sein. Nord Stream 2 ist fertig und könnte umgehend in Betrieb gehen. Nur gewollt, das ist es eben nicht. Stattdessen sucht man händeringend nach Alternativen.

In Wilhelmshaven wird ein schwimmendes LNG-Terminal gebaut, dort beginnt nun der Bau der Pipeline für das LNG-Terminal. Nach Fertigstellung soll es bis zu acht Prozent des Gasbedarfs in Deutschland decken. Doch das reicht in der Gaskrise in Deutschland nicht. Eine weitere Lösung könnte in der Erdgasförderung vor der Nordsee-Insel Borkum sein. Darum schwelt seit langem ein Streit, der jetzt in die nächste Runde geht: Umweltschutz oder Erdgasförderung?

Erdgasförderung vor Borkum: Niederländisches Unternehmen One-Dyas erhält in der Gaskrise weitere Genehmigung

Denn, um in Zeiten der Gaskrise in Deutschland Erdgas in der Nordsee vor Borkum zu fördern, hat ein Konsortium um das niederländische Unternehmen One-Dyas jetzt eine weitere Genehmigung erhalten. Trotz dessen, dass gegen eine Erdgasförderung vor Borkum mehrere Gefahren sprechen. Sie gelte für ein weiteres Feld, das nördlich an ein bereits Ende Mai bewilligtes Feld anschließe, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) am Mittwoch, 3. August 2022.

Windräder stehen vor der Küste der Nordseeinsel Borkum. Es gibt Streit um die Erdgasförderung vor Borkum.
Noch sind vor Borkum nur Windräder zu sehen. Geht es nach den Wünschen der Holländer, darf dort demnächst auch nach Erdgas gebohrt werden. (Archivbild) © IMAGO / imagebroker

Noch im März 2022 hatte dieses der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) dieses Vorgehen kategorisch ausgeschlossen. Im Mai folgte dann aber die Rolle rückwärts: Plötzlich erlaubte die Landesregierung die Erdgasförderung von Borkum und will dort sogar selber bohren lassen. In dem nun bewilligten Feld werde eine Fördermenge von mehreren Milliarden Kubikmetern Erdgas vermutet – die Menge sei aber kleiner als in dem bereits Ende Mai 2022 bewilligten Feld, wo rund 7,5 Milliarden Kubikmeter förderbares Erdgas erwartet werden.

Erdgasförderung vor Borkum: Planfeststellungsverfahren zur eigentlichen Förderung noch nicht eingeleitet

Mit der Bewilligung haben One-Dyas und zwei weitere Unternehmen nun das Recht, auch in dem knapp zwölf Quadratkilometer großen Feld rund 25 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum im deutschen Küstenmeer während der Gaskrise nach Erdgas zu suchen und dieses zu fördern. Mit dieser bergbaurechtlichen Bewilligung sind allerdings noch keine technischen Maßnahmen wie etwa Horizontalbohrungen gestattet. Dafür ist ein Planfeststellungsverfahren nötig. Noch lägen dem LBEG allerdings keine Pläne vor, wie das Erdgas aus dem Feld gefördert werden solle, sagte der Behördensprecher.

Erdgasförderung vor Borkum: Bewilligung für Holländer gilt bis ins Jahr 2042 – mit einer Ausnahme

Aber lange dauern wird es wohl nicht. Denn im südlich angrenzenden Feld, das im Mai genehmigt wurde, ist One-Dyas schon einen Schritt weiter. Dort laufe bereits ein Planfeststellungsverfahren, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Für die Förderung will One-Dyas dort eine Plattform im niederländischen Hoheitsgebiet errichten. Für beide Felder gilt die Bewilligung bis zum 31. Dezember 2042. Sie endet jedoch vorzeitig in dem Jahr, in dem es in Deutschland „keine einheimische Nachfrage nach Erdgas“ mehr gebe, teilte das LBEG mit.

Ende 2024 soll es losgehen. Für den Zeitpunkt planen One-Dyas und seine Partner, mit der Förderung des Erdgases aus dem Feld N05-A zwischen den Inseln Schiermonnikoog und Borkum zu beginnen. Das Gebiet liegt nahe dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer auf der Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden.

Ob alles wirklich so glattgeht, steht allerdings auch ein bisschen in den Sternen. Die Deutsche Umwelthilfe und mehrere Nordsee-Inseln wollen gegen die Erdgasförderung vor Borkum klagen. (mit Material der dpa)

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