Branche im Wandel

Umweltschutz und Urlaub: Flüssiggas (LNG) macht Kreuzfahrten grüner

Eine Kreuzfahrt gehört zu den schönsten Urlaubsformen. Kritisiert wird, dass die Kreuzfahrt-Schiffe viel Schiffsdiesel verbrennen. Schiffe von Aida und Costa sind mit einem anderen Treibstoff unterwegs. Auch für die Straße ist es attraktiv.

  • Neue Kreuzfahrtschiffe fahren mit Flüssiggas LNG.
  • LNG kann auch für Lastwagen genutzt werden.
  • Reederein testen Brennstoffzelle auf einem Kreuzfahrtschiff.

„Einmal im Leben eine Kreuzfahrt machen.“ Dieser etwas altmodische klingende Wunsch steht bei mittlerweile vielen Menschen auf der To-do-Liste. Vergleichsweise niedrige Preise und ein großes Marktangebot machen Kreuzfahrten für immer mehr Menschen erschwinglich. Unter Umweltaspekten ist eine Kreuzfahrt nicht gut für den ökologischen Fußabdruck. Noch schlechter wird die Bilanz, wenn man einen Hin- und Rückflug einrechnet. Doch die Reedereien hab dies erkannt und setzten immer mehr auf Umweltverträglichkeit bei Kreuzfahrten. Die Schiffe fahren mit Flüssiggas (LNG). Die Abkürzung LNG steht für „liquefied natural gas“.

Aida CruisesAida-Blu, Aida-Bella, Aida-Divsa
TuiMein Schiff 1, Mein Schiff 2, Mein Schiff 6
MSCMSC Fantasie, MSC Opera, MSC Virtuosa
Costa Costa Favolosa, Costa Smeralda, Costa Diadema

Als erstes Schiff fährt die Aida-Nova seit 2018 mit Flüssiggas (LNG) - auf See und im Hafen. 2021 und 2023 werden zwei weitere dieser innovativen Aida-Schiffe in Dienst gestellt. Dank der Nutzung von LNG werden die Emissionen von Feinstaub und Schwefeloxiden nahezu vollständig vermieden, der Ausstoß von Stickoxiden und die CO2-Emissionen verringert. 

Das Ausdocken der „Spirit of Discovery“ verlief problemlos.

Ebenfalls auf LNG setzt Costa. Seit Dezember 2019 Costa Smeralda auf den Weltmeeren unterwegs. Dieses Schiff der neuen Generation wird entscheidend dazu beitragen, das ehrgeizige Ziel zu erreichen, dem sich die Costa Gruppe (dazu gehört auch Aida) verpflichtet hat: eine 40-prozentige Reduzierung der CO2-Emissionen ihrer Flotte bis Ende 2020, zehn Jahre vor dem von der IMO (International Maritime Organization) festgelegten Ziel.

Der Naturschutzbund ist skeptisch was die Branche angeht. Er sagt: Die Kreuzschifffahrt hat keine Klimastrategie.

Flüssiggas LNG anstelle von Diesel

Die Umrüstung auf LNG ist bei einem Kreuzfahrtschiff nicht so einfach. Zuerst muss eine Werft gefunden werden, die die Umbauten ausführen kann. Bis man dort einen Termin bekommt, dauert es viele Monate. Hinzu kommt, dass auch das Kreuzfahrtschiff frei sein muss. Die Planungen für Kreuzfahrten haben Vorlaufzeiten mehr als zwei Jahren.

Shell hat die erste Tankstelle für verflüssigtes Erdgas LNG eröffnet.

Die Anwendungsbeispiele für Flüssiggas (LNG) sind facettenreich: Im Endeffekt kann LNG überall dort eingesetzt werden, wo konventionelle Energieträger wie Öl bereits jetzt zum Einsatz kommen. LNG kann als Brennstoff zur Wärmeerzeugung genutzt werden - oder als Antriebsenergie für Nutzfahrzeuge. Im Vergleich zu Diesel ist LNG preiswerter und senkt die spezifischen Treibhausgasemissionen um bis zu 70 Prozent. Ferner werden Schwefeloxid- und Feinstaub-Emissionen um fast komplett, Stickoxid-Emissionen um bis zu 90 Prozent sowie Lärmemissionen um bis zur Hälfte reduziert. Mit LNG-Motoren betriebene Fahrzeuge sind Lkw, Busse, Müllabfuhren oder sonstige Flottenfahrzeuge. LNG kann in der Betriebstankstelle gelagert werden.

LNG wird bei minus 164 Grad Celsius verflüssigt und kommt lediglich bei Nutzfahrzeugen zum Einsatz. Am gebräuchlichsten bei Pkw ist das gasförmige CNG, also komprimiertes Erdgas.

Seit Juni 2016 können Kreuzfahrtschiffe in Hamburgs Hafen während der Liegezeit Landstrom beziehen und müssen nicht im Dieselbetrieb laufen. Doch diese umweltfreundlichere Möglichkeit – vorausgesetzt es fließt Strom aus erneuerbaren Energien – kann kaum genutzt werden. Viele Schiffe haben keine „Steckdose“, um den Landstrom zu nutzen. Auch hier ist Aida auf einem guten Weg. Ende 2020 werden alle Aida-Schiffe ab Baujahr 2000 (zwölf Schiffe) Landstrom beziehen können. Inzwischen können Kreuzfahrtschiffe Landstrom auch in Kiel und Rostock beziehen.

Zukunft der Aida-Kreuzfahrt soll emissionsneutral sein

Das langfristige Ziel von Aida Cruises ist die emissionsneutrale Kreuzfahrt. Gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft leistet Aida Cruises seit vielen Jahren Pionierarbeit auf dem Gebiet der Erforschung und des Einsatzes alternativer Antriebstechnologien und Umwelttechnik. Im Rahmen seiner „Green Cruising Strategie“ befasst sich Aida zum Beispiel mit der Erforschung von Möglichkeiten der CO2-freien Gewinnung von Flüssiggas (LNG) aus regenerativen Quellen (Projekt „Power to gas“) oder dem Einsatz von Brennstoffzellen und Batterien in der Kreuzschifffahrt. Im Rahmen des Forschungsprojektes „Pa-X-ell 2“ ist 2021 gemeinsam mit der Meyer Werft und weiteren Partnern der Praxistest von Brennstoffzellen an Bord eines Aida Schiffes geplant.

Eine 2019 veröffentlichte Studie vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Technischen Universität Hamburg (TUHH) mit dem Titel „Verflüssigtes Erdgas – Neue Energie für Schiff und Lkw?“ kommt zu dem Ergebnis, dass ich bis zum Jahr 2040 132 Millionen Tonnen an Treibhausgas-Emissionen einsparen lassen. Die Voraussetzungen: Wenn weltweit 6.000 große Schiffe mit LNG statt mit Schweröl betrieben würden. Eine entsprechende Umrüstung von 480.000 Lkw in der EU könnte für eine Reduktion von bis zu 4,7 Millionen Tonnen sorgen.

Rubriklistenbild: © dpa/Carmen Jaspersen

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