Aleviten fasten während zwölf Tage während der Adventszeit / 35 000 Anhänger in Niedersachsen

Trauern zu Weihnachten

Eine traditionelle Zeremonie der Aleviten.

Hannover · Weihnachtszeit gleich Schlemmerzeit? Von wegen. Während die einen genüsslich in den Tagen vor Heiligabend Christstollen und andere Schmankerl verdrücken, üben sich die Aleviten mit Beginn der Fastenzeit ab heute in Enthaltsamkeit.

„Wir fasten zwölf Tage“, erzählt die 15-jährige Hasret Yalçin in Hannover. Sie und ihre Familie gehören zu den rund 35 000 in Niedersachsen lebenden Aleviten – einer eigenständigen muslimisch geprägte Religionsgemeinschaft mit Wurzeln in der Türkei. Die Einschränkungen nimmt Hasret gerne in Kauf. „Das gehört zu meinem Glauben dazu“, sagt sie. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird sie weder essen noch trinken. Das sogenannte „Muharrem-Oruc“ ist eine Art Trauerfasten. „In dieser Zeit gedenken Aleviten der Ermordung von Imam Hüseyin, Enkel des Propheten Mohammed, und dessen 72 Gefährten in Kerbela (Irak)“, erzählt die Schülerin. Der Imam wurde mit seinem Gefolge durch die Wüste getrieben. Alle wurde getötet, weil sie sich nicht der Herrschaft des damaligen Kalifen Yezid beugen wollten. Deswegen trinken die Aleviten auch während der Fastenzeit kein Wasser.

„Nichts zu trinken ist aber das schwierigste. Stattdessen trinken wir beim Fastenbrechen zum Beispiel Tee, Cola oder das Yoghurtgetränk Ayran“, sagt Hasret. Außerdem wird während der Zeit auch kein Fleisch verspeist. „Man fügt in diesen zwölf Tagen eben keinem Lebewesen Leid zu. Es wird zum Beispiel auch kein Baum gefällt und Feiern bleiben die Gläubigen fern“, fügt der Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde in Hannover, Ali Yagci, hinzu. „Meine Religion ist eine freie Religion. Es gibt keinen Zwang und das liebe ich. Wir werden zum Beispiel nicht wie manche sunnitische Mädchen gezwungen, ein Kopftuch zu tragen. Die Jungen und Mädchen sind gleichgestellt“, sagt Hasret.

Ein weiterer Unterschied sei, dass Frauen und Männer bei Sunniten getrennt beten. Alevitische Frauen, Männer und Kinder beten in Zeremonien gemeinsam in einem Raum, weil sie sich als Brüder und Schwestern sehen, weiß Hasret.

Zu Zeiten des Osmanischen Reiches sorgte das schon für Missmut und schürte somit Vorurteile gegenüber dem Alevitentum. Unter den Sunniten ist zum Beispiel der Inzest-Vorwurf noch sehr verbreitet“, sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende der Alevitischen Gemeinde, Ali Ertan Toprak. Das erschwere den Dialog mit den islamischen Verbänden.

Quelle: kreiszeitung.de

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