Update: Beamte vermuteten echte Pistole

Tödlicher SEK-Einsatz in Salzgitter - 28-Jähriger bedrohte Polizei mit Spielzeugwaffe

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In Salzgitter ist es am Donnerstag zu einem tödlichen SEK-Einsatz gekommen.

Salzgitter - Nach dem tödlichen SEK-Einsatz in Salzgitter, bei dem in der Wohnung des erschossenen Mannes eine weitere Leiche entdeckt wurde, ist der Hintergrund des Geschehens weiter unklar.

Update, 17. April: Polizisten mit Spielzeugwaffe bedroht
Ein bei einem SEK-Einsatz in Salzgitter getöteter Mann hat die Beamten mit einer Spielzeugwaffe bedroht. In dem abgedunkelten Raum habe diese allerdings wie eine echte Pistole für die Polizisten ausgesehen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Mittwoch.

Der 28-Jährige hatte demnach auch nach Warnschüssen der Spezialkräfte nicht aufgegeben und war daraufhin erschossen worden.

Update, 15. April: Todesumstände des 22-Jährigen weiter unklar
Die Ermittler wollen Details zu den Vorgängen rund um einen tödlichen SEK-Einsatz in Salzgitter noch nicht preisgeben. Fest stehe mittlerweile, dass ein leblos in einer Wohnung gefundener 22-jähriger Mann nicht eines natürlichen Todes starb, teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig am Montag mit. 

Die Ermittler vermuten, dass ein 28-Jähriger, der in der Wohnung wohnte, den 22-Jährigen getötet hat. Aber auch der Suizid des jüngeren Mannes könne nicht ausgeschlossen werden. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte Behördensprecherin Julia Meyer. Wodurch der 22-Jährige starb, wollte sie nicht sagen.

Das Geschehen in Salzgitter: Erschossener unter Verdacht

Der von der Polizei am Donnerstag in einer Bedrohungslage erschossene 28-Jährige stehe in Verdacht, bereits Tage zuvor in seiner Wohnung einen Mann getötet zu haben. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Braunschweig am Freitag mit. In welchem persönlichen Verhältnis der Erschossene und andere Mann stehen, sei noch nicht geklärt. Die Obduktion des in der Wohnung gefundenen Toten in der Rechtsmedizin Hannover war am Freitag noch nicht abgeschlossen.

Zu dem Polizeieinsatz war es am Donnerstagabend in der Wohnung eines Bekannten des später Erschossenen gekommen. Der Wohnungsinhaber hatte die Rettungskräfte mit dem Hinweis alarmiert, dass der Mann ärztliche Hilfe benötige. Angerückte Beamte stießen in der Wohnung auf einen verwundeten Mann, der sich verbarrikadiert hatte, und zogen Spezialkräfte (SEK) hinzu.

Diese versuchten, mit dem Mann zu sprechen und ihn zur Kooperation zu überreden. Die Gespräche scheiterten jedoch, und die Beamten wurden von dem Mann in einem abgedunkelten Raum mit einem waffenähnlichen Gegenstand bedroht. Als der Mann auf Warnschüsse nicht reagierte, gab ein Beamter einen tödlichen Schuss ab. Ein Rettungssanitäter konnte dem Mann nicht mehr helfen, die Kugel traf ihn nach dem Ergebnis einer Obduktion ins Rückenmark. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Todesermittlungsverfahren ein. Gegen den Beamten selber werde nicht ermittelt.

Erster Vorfall dieser Art im Jahr 2019 in Niedersachsen

Nach Angaben des Innenministeriums wurde im vergangenen Jahr ein Mensch von Beamten des Einsatz- und Streifendienstes erschossen. Im laufenden Jahr ist der Vorfall in Salzgitter der erste dieser Art.

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Niedersachsen, Dietmar Schilff, sprach von einer enormen Belastung für die Beamten. „Jeder Polizist weiß, dass der Schusswaffengebrauch außergewöhnlich ist“, sagte er. Den betroffenen Beamten werde nach den Vorfällen psychologische Betreuung angeboten, um das Erlebte zu verarbeiten.

Wie die Staatsanwaltschaft erklärte, sei noch nicht geklärt, woher die Verletzungen des später Erschossenen stammen. Der Wohnungsinhaber stehe aber nicht im Verdacht, dem Mann etwas angetan zu haben oder mit ihm in einen Streit geraten zu sein. Hinweise auf Drogen oder Alkohol als Auslöser der Bedrohungslage hatten die Ermittler zunächst nicht. Nach dem tödlichen Einsatz durchsuchte die Polizei die Wohnung des Erschossenen in einer benachbarten Straße. Dort fanden die Beamten eine männliche Leiche.

Gewaltverbrechen erschüttern Salzgitter

Zuletzt hatten mehrfach Gewaltverbrechen Salzgitter erschüttert. Ende Januar erst hatte ein 33-jähriger Syrer einen 25 Jahre alten Iraker im Stadtteil Lebenstedt erschossen. Er soll mit der Liebesbeziehung des Irakers zu seiner Schwester nicht einverstanden gewesen sein. Im Mai vergangenen Jahres erschoss ein 38-Jähriger nach einem Sorgerechtsstreit seine Ex-Partnerin auf offener Straße vor den Augen der vier Kinder. Ende Januar wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.

Klar ist aber auch: Salzgitter muss nicht nur mit Kriminalität, sondern auch mit diversen anderen Herausforderungen klar kommen. Die Stadt hat die zweithöchste Pro-Kopf-Verschuldung in Niedersachsen und einen hohen Migrantenanteil. Vor allem Flüchtlinge zogen dorthin - so viele, dass Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU) im Herbst 2017 in einem Brandbrief an die Landesregierung Zuzugsbeschränkungen forderte. Die wurden dann später erlassen. Anerkannte Flüchtlinge dürfen seither in der Regel nicht mehr nach Salzgitter ziehen. Außerdem gibt es mit einem Integrationsfonds finanzielle Hilfen vom Land.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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