Neue Regelung nach Ostern

Niedersachsen führt Corona-Testpflicht an Schulen ein

Nach den Osterferien werden Selbsttests an den Schulen verpflichtend. Ohne negative Testergebnisse dürfen Schülerinnen am Präsenzunterricht nicht teilnehmen.

Update vom 1. April, 12.00 Uhr: Nach den Osterferien müssen sich Schülerinnen und Schüler sowie das Lehrpersonal in Niedersachsen beim Präsenzunterricht zweimal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen. Das gab Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne am Donnerstag bekannt. Die neue Teststrategie sieht vor, dass die Selbsttests vor Unterrichtbeginn und an Präsenztagen erfolgen.

Ohne negative Testergebnisse dürfen Schülerinnen und Schüler am Präsenzunterrichttagen nicht teilnehmen. Schülerinnen und Schüler, die die Testergebnisse zu Hause vergessen, können in der Schule nachgetestet werden. Eltern oder erwachsene Schülerinnen und Schüler müssen per Unterschrift bestätigen, dass ein negativer Test vorliegt.

Update vom 29. März, 13.56 Uhr: Für Niedersachsens Schüler geht es auch nach den Osterferien weiter mit Unterricht im Wechselmodell. Man denke gerade noch darüber nach, wie man Schule in der Corona-Pandemie sicherer machen könne, schrieb Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) in einem Brief. Zu den Ideen gehörten die zwei mal pro Woche geplanten Tests für Lehrpersonal und Schüler.

Für Niedersachsens Schüler geht es auch nach den Osterferien weiter mit Unterricht im Wechselmodell.

„Gerade ihr Schülerinnen und Schüler leistet seit Monaten einen wichtigen Beitrag, damit wir das Coronavirus endlich gemeinsam in den Griff kriegen“, schrieb Tonne. Viele hätten sich an den Unterricht in halben Klassen gewöhnt. In einem zweiten Brief an die Eltern erklärte Tonne, dass sich in den Schulen vorerst nichts ändern werde. Die Präsenzpflicht gelte weiter. Bei einem Inzidenzwert von mehr als 100 an drei aufeinanderfolgenden Tagen werden alle zu Hause unterrichtet. Davon ausgenommen sind die Klassen von Grund- und Förderschulen sowie die Abschlussjahrgänge an den weiterführenden Schulen und Gymnasien.

Gerade ihr Schülerinnen und Schüler leistet seit Monaten einen wichtigen Beitrag, damit wir das Coronavirus endlich gemeinsam in den Griff kriegen

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD)

Corona-Schnelltests waren an vielen Schulen schon in der vergangenen Woche verteilt und den Kindern mit nach Hause gegeben worden. Tonne sagte der „Nordwest-Zeitung“, im Fall möglicherweise zunehmender Positiv-Ergebnisse müsse man dafür sorgen, dass sich betroffene Schulkinder nicht ausgegrenzt fühlen. Dies könnte ein „ernsthaftes Argument“ gegen Schnelltests in der Schule sein. Man müsse die Ergebnisse der Testwoche „sehr offen“ auswerten. Zwar sei die Sicherheit maximal, wenn alle Schülerinnen und Schüler teilnähmen. Zugleich gelte aber: „Das Unwohlsein der Beteiligten muss sehr ernsthaft berücksichtigt werden.“ (dpa)

Änderung der Selbsttest-Organisation nach massiver Kritik in Aussicht

Update vom 26. März, 15:40 Uhr: Nach massiver Kritik stellt das niedersächsische Kultusministerium Änderungen bei der Organisation der Selbsttests in den Schulen in Aussicht. Die Testwoche vor den Osterferien habe das Ziel gehabt, Rückmeldungen zu bekommen, um das Verfahren zu optimieren, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag: „Es geht um den besten Weg für alle Beteiligten, damit die Sicherheit weiter erhöht wird.“

Die Bildungsgewerkschaft GEW forderte am Freitag erneut, die Selbsttests zu Hause oder in Testzentren, aber nicht in den Schulen zu machen. Auch mobile Testteams könnten eingesetzt werden. In unzähligen Rückmeldungen aus den Schulen sei vor allem das Infektionsrisiko für die Beschäftigten beim Testen scharf kritisiert worden, sagte GEW-Landeschefin Laura Pooth. Hinzu komme, dass Hilfe und Beaufsichtigung beim Testen sowie die Dokumentation keine pädagogischen Aufgaben seien und erneut Unterrichtszeit kosteten. In einigen Schulen seien auch gar keine Test-Kits angekommen.

Coronatests wurden teilweise in Schulen, teilweise zu Hause vorgenommen

Nach Ministeriumsangaben wurden die Tests seit Montag von Grundschülerinnen und Grundschülern zu Hause vorgenommen, bei den Älteren in den Schulen. „Wir haben also beide Varianten ausprobiert. Es gibt für jeden Weg gute Gründe dafür und substanzielle Einwände dagegen“, sagte der Ministeriumssprecher. Auch werde noch geprüft, ob die Testung nach den Osterferien ein Angebot oder verpflichtend werden. In Niedersachsen beginnen die zweiwöchigen Ferien an diesem Wochenende.

Coronatests in Schulen sollen in Kürze neu organisiert werden.

In der Testwoche waren dem Sprecher zufolge landesweit etwa 733.000 Schülerinnen und Schüler im Wechselunterricht – rund die Hälfte von ihnen also in der Schule, die andere Hälfte im Homeschooling. Das Kultusministerium hat bereits elf Millionen Test-Kits für die Schulen nach den Ferien angekündigt. (dpa)

Update vom 23. März, 09.32 Uhr: Die im Bund-Länder-Treffen beschlossenen Maßnahmen haben auch Einfluss auf die Schulen. Bund und Länder wollen Corona-Tests für Schüler, Lehrkräfte und Kita-Beschäftigte ausweiten und streben „baldmöglichst zwei Testungen pro Woche“ an. Die Verteilung und Organisation läuft regional unterschiedlich gut, und über die praktische Umsetzung wird vielerorts noch diskutiert - beispielsweise über die Frage, ob die Tests zu Hause oder in der Schule stattfinden sollen. Zur Organisation des weiteren Betriebs von Schulen und Kitas, etwa zu möglichen Schließungen oder anderen Einschränkungen, trafen Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten keine konkreten Vereinbarungen. Die Länder regeln diese Fragen damit weiterhin in Eigenregie. (dpa)

Ich bin da sehr offen für die beste Lösung. Das gilt auch für die Frage, ob in der Schule oder zu Hause zu testen der bessere Weg ist.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD)

Der Ablauf der Corona-Selbsttests an den niedersächsischen Schulen stößt nicht nur bei Lehrern und Schülern, sondern auch bei vielen Eltern auf Kritik. Die Durchführung der Tests gehöre nicht in die Schulen, sondern in die häusliche Umgebung, teilte die Arbeitsgemeinschaft der Elternräte am späten Montagabend mit. Die Schulen sollten den Schülerinnen und Schülern die Testkits dafür zur Verfügung stellen. Alternativ müsse an den Schulen medizinisches Personal eingesetzt werden, um Ansteckungen und Verletzungen zu verhindern. Die Testergebnisse dürften dann jedoch keinesfalls an die Schulöffentlichkeit dringen.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne hatte erklärt, die Hinweise zur ersten Testwoche vor den Osterferien sollten gewissenhaft ausgewertet werden. „Ich bin da sehr offen für die beste Lösung. Das gilt auch für die Frage, ob in der Schule oder zu Hause zu testen der bessere Weg ist“, sagte der SPD-Politiker am Montag. (dpa)

Mehrere Schulen haben zum Beginn der Übungswoche noch keine Testkits erhalten

Update vom 22. März, 16.37 Uhr: Seit heute sollen die Schulen den Umgang mit den Selbsttests eine Woche lang üben. Das Land stellt dafür Hunderttausende Testkits zur Verfügung. Allerdings hatten mehrere Schulen, beispielsweise in Oldenburg, am Montag noch gar keine Tests erhalten.

Ein Ministeriumssprecher bestätigte, dass die Tests noch nicht überall angekommen sind. Allerdings habe die Testwoche gerade erst begonnen. „Da ist es auch normal, dass es stellenweise ruckelt“, sagte er. „Wichtig ist, dass wir heute einen weiteren Baustein in unserer Sicherheitsstrategie umsetzen können.“ Die Testwoche solle ausgewertet werden, „um zu gucken, wo sich was verbessern lässt“.

In einem Schreiben einer Schulleitung aus der Region Hannover an Schüler und Eltern vom Freitag heißt es derweil, die Selbsttests könnten an dieser Schule erst beginnen, wenn die Bedenken bezüglich der Umsetzung ausgeräumt seien. Dazu gehöre, dass für die Betreuung von Schülern nach einem Positivtest das Personal fehle. Der Wunsch der Schulleitung sei es, den Schülern die Selbsttests mitzugeben, damit sie sich schon zu Hause testen. (dpa)

Kritik von Schülern und Lehrern an den Vorgaben zu Corona-Selbsttests

Update vom 22. März, 14.04 Uhr: Die Vorgaben der Landesregierung für die Corona-Selbsttests bei Schülern und Lehrern stoßen an mehreren niedersächsischen Schulen auf Widerstand. Schulleiter und Beschäftigte kritisierten, dass die Tests statt zu Hause in den Schulräumen stattfinden sollen. Das erhöhe die Ansteckungsgefahr, zumal die Räume vielerorts nicht den Anforderungen entsprächen, etwa weil fließend Wasser für die Erste Hilfe fehle.

Seit Montag sollen die Schulen den Umgang mit den Selbsttests eine Woche lang üben, bevor die Tests nach den Osterferien regelmäßig stattfinden. So hatte es Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) angekündigt. Das Land stellt dafür Hunderttausende Testkits zur Verfügung. In einem Schreiben einer Schulleitung aus der Region Hannover an Schüler und Eltern vom Freitag heißt es jedoch, die Selbsttests könnten dort erst beginnen, wenn die Bedenken bezüglich der Umsetzung ausgeräumt seien.

Für den regelmäßigen Einsatz nach den Osterferien soll eine Woche lang der Umgang mit Schnelltests an Schulen geübt werden.

Die Gewerkschaft GEW monierte, dass die Lehrer für die Organisation und Beaufsichtigung der Tests zuständig seien und kein Fachpersonal. Einzelne Schulen könnten sich der Anordnung des Landes zwar nicht widersetzen. Die verbeamteten Lehrer könnten aber Bedenken gegenüber der Rechtmäßigkeit dienstlicher Anweisungen geltend machen, indem sie etwa auf fehlende Schutzkleidung oder mangelnde Belüftung hinweisen.

Die Ängste meines Kollegiums muss ich ernst nehmen.

Wolfgang Schimpf, Leiter eines Gymnasiums in Göttingen

Der Vorsitzende der Direktorenvereinigung (NDV), Wolfgang Schimpf, warnte in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, ohne Schutzkleidung und die Unterstützung medizinischer Fachkräfte seien die Lehrer einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt. „Die Ängste meines Kollegiums muss ich ernst nehmen“, sagte der Leiter eines Gymnasiums in Göttingen. Wenn die Lehrkräfte die Testergebnisse der Schüler ablesen, kämen sie diesen sehr nahe. Außerdem sei der Umgang mit positiven Tests ungeklärt. „Wenn ich mehrere positiv getestete Schüler habe, sollen die in einem Raum zusammen warten? Was, wenn richtig positiv und falsch positiv getestete Schüler darunter sind, dann sind am Ende alle infiziert“, sagte Schimpf der Zeitung. (dpa)

Präsidentin der Kultusministerkonferenz warnt vor erneuten Schulschließungen

Update vom 22. März, 10.14 Uhr: Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst (SPD), hat vor der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor den Auswirkungen von erneuten Schulschließungen gewarnt. „Die Kultusministerinnen und Kultusminister betrachten die Auswirkungen der im Zuge der Eindämmung der SARS-CoV-Pandemie getroffenen Maßnahmen für Kinder und Jugendliche mit Sorge“, sagte die Bildungsministerin von Brandenburg der „Bild-Zeitung“. „Viele Kinder und Jugendliche leiden unter der Pandemiesituation. Damit die Folgen nicht dauerhaft ihr Leben begleiten, liegt die Priorität der Kultusministerinnen und Kultusminister darauf, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten.“

Viele Kinder und Jugendliche leiden unter der Pandemiesituation.

Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst (SPD)

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, kritisierte dagegen das Festhalten der Politik am Präsenzunterricht ohne ausreichende Tests. „Wenn es den Bundesländern ernst damit gewesen wäre, Schulen trotz stark steigender Inzidenzzahlen offenzuhalten, hätte man dafür sorgen müssen, dass jetzt Lehrkräfte geimpft und Schulen mit Schnelltests in ausreichender Zahl ausgestattet sind. Davon sind wir aber an neun von zehn Schulen noch meilenweit entfernt“, sagte er der „Rheinischen Post“. (dpa)

Ursprungsmeldung vom 19. März: Hannover - Niedersachsens Schulen sollen trotz schnell steigender Infektionszahlen wie angekündigt weiter geöffnet werden. Geplant ist, dass es ab Montag in allen Schulen und Jahrgängen wieder Wechselunterricht mit geteilten Klassen gibt ‒ also abwechselnd zu Hause und im Klassenraum. „Es bleibt bei der Regelung, die wir in der Verordnung drinstehen haben. Das heißt, dort, wo die Inzidenz unter 100 ist, kann weiter geöffnet werden“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Freitag in Hannover. Derzeit liegen 13 der 45 Regionen und Landkreise in Niedersachsen über der 100er-Marke.

LandNiedersachsen
MinisteriumNiedersächsisches Kultusministerium
StellungOberste Landesbehörde
KultusministerGrant Hendrik Tonne

Für die Zeit nach den Osterferien müsse die Entwicklung dann neu bewertet werden, sagte Tonne. Zwar gebe es wieder mehr Ansteckungen, allerdings seien auch die Sicherheitsvorkehrungen in Form von Impfungen und Selbsttests erhöht worden. Von Montag an gibt es an den Schulen eine Übungswoche für den Umgang mit Corona-Selbsttests. Allerdings hatten viele Schulen zuletzt noch keine Testkits erhalten.

In Niedersachsen werden die Klassenräume wieder voll - aber wie lange?

Schule geschlossen: Salzgitter reagiert auf Corona-Zahlen

In Salzgitter sind die Öffnungspläne bereits wieder Geschichte. Mit der Schließung aller Schulen ab Montag reagiert die Stadt auf sprunghaft gestiegene Corona-Infektionszahlen. Die Inzidenz betrug am Donnerstag 233,0 ‒ vor einer Woche hatte sie noch bei knapp 100 gelegen, wie aus den Zahlen des Landesgesundheitsamtes hervorgeht. Damit hat die Stahl-Stadt südlich von Braunschweig den höchsten Wert in ganz Niedersachsen. Nachbar-Bundesland Hamburg hat zwar weitgehend die Notbremse gezogen, doch auch dort sollen Schüler in den eingeschränkten Regelbetrieb zurückkehren. Auch Bremen hält an der Verordnung fest.

In Niedersachsen ist die Zahl neuer Corona-Ansteckungen abermals deutlich gestiegen ‒ um 1580 im Vergleich zum Vortag. Die Inzidenz lag am Freitag bei 90,2 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, wie aus den Daten des Landesgesundheitsamtes hervorgeht. In mittlerweile 13 Regionen lag der kritische Wert über der Marke von 100 ‒ damit müssen in diesen Kommunen eventuelle Lockerungen gestoppt werden.

Grant Hendrik Tonne (SPD), Kultusminister in Niedersachsen hält an den Öffnungsplänen für Schulen fest.

Am höchsten war die Sieben-Tages-Inzidenz weiterhin in der Stadt Salzgitter, gefolgt vom Landkreis Cloppenburg (221,5), Landkreis Peine (174,3) sowie der Stadt Osnabrück (159,2). Insgesamt 4694 Menschen sind bisher in Niedersachsen an oder mit dem Coronavirus gestorben. Gegenüber dem Vortag ist das eine Zunahme von 24 Toten. 89,5 Prozent der insgesamt 181.569 nachweislich Corona-Infizierten gelten inzwischen als genesen.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe / picture alliance / dpa

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