Polizei warnt mit Video

Loverboys: Wenn Liebe zum großen Albtraum wird

Eine Frau in Netzstrumpfhose und Hotpants steht am Straßenrand.
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Etliche Frauen wurden bereits von Loverboys zur Prostitution gezwungen.

Sie spielen ihnen die große Liebe vor - nur um ihre Freundinnen später zur Prostitution zu zwingen. Die Rede ist von Loverboys, die vermehrt in den Sozialen Medien auf Beutezug gehen. Das Landeskriminalamt will nun mit einem Video aufklären.

  • Polizei will mit Videokampagne aufmerksam machen.
  • Viele Frauen trauen sich nicht, Hilfe zu suchen.
  • Vor allem in Hannover häufen sich die Fäle.

Hannover – Eine Frau in Minirock und Netzstrümpfen schlendert aufreizend an Autos vorbei. Eine alltägliche Szene im Rotlichtmilieu, die diesmal allerdings gespielt ist. Sie ist Teil eines Informationsfilms, der vor allem eine Frage beantworten will: „Was sind Loverboys?“ Die Antwort gibt auf dem Bildschirm eine junge Frau, ungeschminkt und ohne Schmuck, die ihre Zuschauer sachlich über die Gefahr der Zwangsprostitution und des Menschenhandels informiert.

Loverboys sind derzeit vor allem in den Sozialen Medien unterwegs. Grund genug für das Landeskriminalamt Niedersachsen, mit einem Aufklärungsvideo an die Öffentlichkeit zu gehen. Bei der Loverboy-Methode nehmen Männer insbesondere zu jungen Frauen Kontakt auf und versuchen, sie emotional an sich zu binden, um sie dann in die Prostitution zu zwingen.

Schnelle emotionale Abhängigkeit

Die Vorgehensweise ist nicht neu, doch heute läuft die Kontaktaufnahme zunehmend digital, eben über soziale Netzwerke oder auch Messengerdienste. „Die Täter suchen Kontakt zu jungen Frauen aus allen sozialen Schichten. Um schnell Vertrauen aufzubauen, nutzten sie Probleme in der Schule oder der Familie gezielt als Anknüpfungspunkt. Binnen weniger Monate oder gar Wochen entstehe eine starke emotionale Abhängigkeit, gleichzeitig isolierten sie die Opfer von ihrem sozialen Umfeld“, berichtet ein Sprecher des Landeskriminalamts. Beim Übergang in die Prostitution sei nicht immer Zwang erkennbar. Beispielsweise werde mit Blick auf eine angebliche gemeinsame Zukunft betont, mit Prostitution sei schnell Geld zu verdienen. Auch werde fingierte finanzielle Not als Druckmittel eingesetzt. Die Opfer seien dann in einer für sie schwer einschätzbaren Lage, geprägt von Scham, Angst, Überforderung und dem Wunsch, an der zuvor glücklichen Beziehung festzuhalten.

Um junge Frauen für diese Gefahr zu sensibilisieren hat die Polizei ein Aufklärungsvideo ins Netz gestellt. Zu sehen ist es dort, wo die Täter inzwischen vermehrt Ausschau nach ihren Opfern halten – auf Instagram und Facebook. Das Video, das über die Zentralstelle für Jugendprävention des LKA Niedersachsen den Jugendkontaktbeamten landesweit zur Verfügung gestellt wird, ist Teil einer Aufklärungskampagne. Ziel ist es, das Thema in die Schulen zu tragen und gemeinsam mit den Jugendlichen über die Vorgehensweise der Täter zu sprechen und ihnen Hilfsangebote vorzustellen.

Zugang zu den Opfern sehr schwierig

„Der Zugang zu den Opfern gestaltet sich sehr schwer, da die Aussagebereitschaft aufgrund von Angst, Scham und emotionaler Bindung an den Täter sehr gering ist“, berichtet Nevin Ayyildiz, Polizeioberkommissarin in Hannover. Deshalb lässt sich aus den polizeibekannten Fallzahlen – zwischen 2017 und 2019 sind dem LKA Niedersachsen 13 Verfahren bekannt geworden, in denen der Täter die Loverboy-Methode angewendet hat – nicht die tatsächliche Relevanz der Thematik ableiten. Ayyildi: „Wir vermuten eine hohe Dunkelziffer.“

Das bestätigen auch die Polizeibeamten in der Region Bremen. In der Hansestadt gab es 2019 zwei Fälle. Im Bereich der Polizeiinspektionen Verden und Diepholz sind bisher keine Fälle bekannt. „Das heißt aber nur, dass hier bisher keine Fälle angezeigt wurden“, schränkt der Diepholzer Polizeisprecher Thomas Gissing ein.

Beraterinnen begrüßen Kampagne

Auch wenn sich ein regionaler Schwerpunkt nur schwer bestimmen lässt –  die digitale Kontaktaufnahme ist schließlich von überall möglich – vermerkt die Beratungsstelle Kobra in Hannover durchaus eine Häufung. Dort gab es im vergangenen Jahr allein acht Beratungsanfragen zur Loverboy-Methode. Dazu stellt das Kobra-Team klar: „Nicht alle Frauen, die den Weg zu uns finden, sind auch zu einer Aussage bei der Polizei bereit.“ Die Gründe dafür sind die Schwierigkeiten und Auswirkungen der Aussage oder möglicher Verfahren. In diesem Fall spiel die psychische Belastung und Retraumatisierung, der Druck von Tätern oder täternahen Gruppen eine relevante Rolle.

Von der Infokampagne des Landeskriminalamts sind die Beraterinnen begeistert. „Da eine Prävention in diesem Bereich sehr schwierig ist, finden wir das Video sehr informativ.“ Die Beratungsstelle in Hannover ist international besetzt und kann Kontakte in mehreren Sprachen bieten. Deshalb sind dort auch Fälle aus Osteuropa bekannt.

Beratungsangebote

Kobra – Koordinierungs- und Beratungsstelle gegen Menschenhandel: kobra-hannover.de
oder unter Telefon: 0511/2157822-0

Beratung für Betroffene von Menschenhandel und Zwangsprostitution: bbmez@inneremission-bremen.de oder unter Telefon: 0421/989662-41.

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