Vor Weihnachten brauchen viele Menschen schnelles Geld

Pfandhäuser haben Hochkonjunktur

Klaus Schumachers inspiziert die Pfandstücke.

Hannover - (dpa) · Zögerlich schiebt die junge Frau den eleganten goldenen Ring über den Glastresen. „Der war mal richtig teuer“, fügt sie leise hinzu und blickt die Mitarbeiterin des Pfandhauses Schumachers in Hannover erwartungsvoll an. Die 26 Jahre alte Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, kann sich nicht alle Weihnachtsgeschenke für ihre Familie leisten.

Deshalb hat sie Mut und Schmuck zusammengekratzt und ist damit zum Pfandhaus gegangen. Sie will ihren Ring verkaufen. Auch verpfänden wäre möglich. Beides bringt der jungen Mutter gleich viel Geld – Geld, das helfen kann, Geschenke für Mann und Kind zu kaufen.

Die 26-Jährige aus Laatzen bei Hannover ist kein Einzelfall. „Kurz vor und kurz nach Weihnachten ist hier wahnsinnig viel los“, sagt Inhaber Klaus Schumachers. Pfandkredite überbrücken finanzielle Engpässe. „Wir sind sozusagen der schnelle Dispokredit für unsere Kunden“, sagt der 54-Jährige, der den ältesten Pfandleih-Familienbetrieb Deutschlands bereits in vierter Generation führt. „Es kommt sogar vor, dass schon gekaufte Weihnachtsgeschenke nochmal verpfändet und dann erst kurz vor Weihnachten wieder abgeholt werden.“

Deutschlandweit betreibt Schumachers fünf Geschäfte. Sein Großvater lieh seinen Kunden noch Geld für Föne, Schuhe, Ferngläser, Bettwäsche oder den Sonntagsanzug. „Das wäre heute gar nicht mehr möglich. Heutzutage verpfänden die Leute eher teuren Schmuck und Technik.“ Uhren, Ketten und Ringe machen dabei 80 Prozent des Geschäftes aus. Der Rest sind meist Digitalkameras, Spielekonsolen, Fernseher und Laptops. Da Technik jedoch zu schnell an Wert verliert, lohnt sich das Geldleih-Geschäft damit meist nicht.

Ungefähr ein Viertel des ursprünglichen Ladenpreises geben Pfandhäuser für die Wertgegenstände als maximal dreimonatiges Darlehen an die Kunden. Durchschnittlich geht es dabei um Beträge zwischen 200 und 300 Euro. Die Höhe der Zinsen und Gebühren ist dabei gesetzlich festgelegt. Gegenstände, die nach dieser Zeit nicht ausgelöst werden, gehen in die Versteigerung. Deutschlandweit gibt es rund 200 Pfandhäuser.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung profitieren Pfandkreditunternehmen jedoch nicht von einer schlecht laufenden Wirtschaft. Der Vorsitzende der norddeutschen Verbandssektion erklärt: „Wir sind nicht die Gewinner der Wirtschaftskrise. Wir leben nicht von der Armut. Wir leben davon, dass Menschen Wertgegenstände vorübergehend gegen einen Kredit eintauschen. Sie haben meist auch die Absicht, ihren Gegenstand auch wieder abzuholen.“ Deutlich über 90 Prozent der verpfändeten Uhren, Playstations und Eheringe werden der Verbands-Statistik zufolge nach kurzer Zeit wieder ausgelöst.

Die Verbraucherzentrale rät bei Geschäften mit Leihhäusern zur Vorsicht. „Die Regeln für die Darlehen sind sehr klar und deutlich. Das ist gut. Dennoch sollten sich die Verbraucher die Geschäftsbedingungen genau durchlesen“, sagt Juristin Karin Goldbeck von der Verbraucherzentrale.

Quelle: kreiszeitung.de

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