Romane fördern Lust auf Urlaub

Mord am Nordseestrand: Regionale Krimis setzen auf die Lust aufs einfache Leben

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Autoren wie Klaus-Peter Wolf laden ihre Leser in ein morbides Ostfriesland ein.

Regionale Krimis sind beliebt, an den Stränden Ostfrieslands wird darin gestorben, was das Zeug hält. Die Gattung der Regionalliteratur setzt dabei auf Heimatliebe und die Freude am einfachen Leben, welches viele Leser in ihrem Alltag vermissen.

  • Ostfrieslandkrimis machen Lust auf Urlaub
  • Immer mehr Menschen besuchen die Region
  • Für viele zählen Heimatliebe und die Suche nach einfachem Leben
  • Viele Regionen in Deutschland liefern guten Krimistoff

Aurich/Norden - Von Hans-Christian Wöste. Mord und Totschlag lauern in Ostfriesland hinter jeder Hecke, das Böse wartet besonders am Strand, hinter Dünen und im Watt: Krimiliteratur bietet inzwischen Verbrechen von jeder Insel, und auch im Fernsehen ist die Region längst auf guten Sendeplätzen angekommen. Buchtitel wie „Mörder mögen keine Matjes“, „Granat hat keine Gräten“ oder „Krabbenbrot und Seemannstod“ machen Appetit auf Leseproben. Und auch „Miss Wattenmeer singt nicht mehr“ verheißt Lust auf kribbelnde Spannung im Urlaub an der Küste.

„Ostfriesland hat eine hohe Identifikationskraft, das wird in vielen Büchern deutlich“, erklärt Peter Gerdes aus Leer den Erfolg von Regionalkrimis im Nordwesten. „Über die Krimiliteratur ist Ostfriesland bundesweit bekannt geworden und positiv besetzt“, sagt Gerdes. Der Verleger schreibt selbst Krimis und organisiert seit 20 Jahren die „Ostfriesischen Krimitage“. In den Bucherfolgen sieht er auch eine Ursache für steigende Touristenzahlen in der Region.

Fans reisen an Schauplätze der Ostfriesenkrimis

Schon längst wandeln viele Bücherfans auf den Spuren von Kriminellen und besichtigen bekannte Originalschauplätze wie die Leeraner Altstadt aus der ZDF-Krimireihe „Friesland“. In kleinen Cafés in Norden-Norddeich haben Besucher gute Chancen, den Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf („Ostfriesensünde“) persönlich zu treffen. Der muss sich neuerdings sogar schon gegen den Vorwurf wehren, die Ostfriesen zu sehr als Volk von Mördern und Banditen dargestellt zu haben. Ulrike Barow hat gleich eine ganze Krimi-Serie über die kleinste ostfriesische Insel Baltrum aufgelegt. Und der gelernte Wasserschutzpolizist Wolfgang Santjer kann mit guten Revierkenntnissen punkten, wenn er Verbrechen an der Ems beschreibt.

„Tatsächlich strotzen viele Bücher vor Heimatliebe: Der Regionalkrimi ist die neue Heimatliteratur“, meint Gerdes. Die norddeutsche Küstenlandschaft sei archaisch und kleinteilig, die Dörfer bildeten überschaubare soziale Einheiten im Gegensatz zur anonymen Großstadt: „Das weckt Sehnsucht nach einem einfachen Leben - „so wie früher“.“ Hinzu komme die Grenzsituation am Meer als Bedrohung, aber auch nur auf Zeit, wenn zwei Mal am Tag die Gezeiten alles bedeckten.

Regionalkrimis schaffen Verbundenheit zu Orten

Morbider Charme strahlt aber auch aus anderen Regionen: „Kein Ort ohne Mord“, sagt Armin Gmeiner aus Meßkirch in Baden-Württemberg. Der Verleger hat schon vor rund 30 Jahren den Aufstieg von Eifel- und Allgäu-Krimis beobachtet. Im Programm hat er inzwischen Regionalkrimis aus zahlreichen Landstrichen, in denen die Autoren meist auch leben und sich gut auskennen. „Das schafft eine Verbundenheit in einer zunehmend globalisierten und unübersichtlichen Welt“, erklärt Gmeiner. Ein Buch verkaufe sich besonders gut, wenn es sich auch als Urlaubslektüre eigne. Und das gilt eben nicht nur am Strand.

dpa

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