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Omikron: Mögliche Gründe für milde Verläufe der Corona-Variante

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Von: Andree Wächter

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Die Virusvariante Omikron lässt die Infektionszahlen in die Höhe schnellen.
Die Virusvariante Omikron lässt die Infektionszahlen in die Höhe schnellen. © dpa

Corona verliert etwas seinen Schrecken. Ein Grund: die milden Verläufe und Symptome der Omikron-Varianten. Forscher glauben, die Gründe zu kennen.

Delta, Omikron oder Omikron-Subtyp BA.2 - man verliert langsam den Überblick, welche Corona-Variante gerade Up-to-Date ist. Während in Deutschland Omikron-Subtyp BA.1 (kennt man unter Omikron) Delta verdrängt hat, schwappt aus Dänemark schon der Omikron-Subtyp BA.2 nach Niedersachsen. Es gibt auch noch den noch unbedeutenden Subtyp BA.3. Fakt ist, dass Omikron in der Regel einen milden Verlauf hat und die Dauer nicht so lang ist. Nachteil: Die Chance eine Infektion zu bekommen ist höher.

VirusCoronavirus, COVID-19
Vorkommenweltweit
dominierende VarianteOmikron
KrankheitserregerSARS-CoV-2

Rund um Corona gibt es sie, die kleinen positiven Meldungen. Omikron scheint nicht ganz so gefährlich zu sein. Besonders, wenn man über einen Impfschutz verfügt. Studien zeigten, dass Omikron-Patienten seltener beatmet werden müssen oder auf der Intensivstation liegen. Zudem ist der Krankenhausaufenthalt oft bis zu vier Tage kürzer. Das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt hat sich im Vergleich zur Delta-Variante wohl um mehr als die Hälfte reduziert, so die erste Einschätzung.

Corona: Omikron breitet wohl weniger Lunge

Forscher aus Hongkong und Frankfurt wollten wissen, warum dies so ist. Ein Ansatz ist, dass sich Omikron weniger in der Lunge ausbreitet. In Zellversuchen habe sich außerdem gezeigt, dass Omikron im Vergleich zu Delta besonders empfindlich gegenüber der sogenannten Interferon-Antwort des Menschen sei, teilte das Uniklinikum in Frankfurt am Main mit. Interferone sind Teil des Immunsystemproteins oder Glykoproteine, die vor allem antivirale Wirkung entfalten. Die Forscher machen allerdings auch darauf aufmerksam, dass die Laborstudie nicht ohne Weiteres auf die komplexere Situation in Patienten übertragbar sei.

Omikron BA.2 hat Fehler und lässt Abwehr zu

Meint: Omikron BA.2 hat eine Schwachstelle im Bauplan. Es reagiert empfindlich auf einen Abwehrmechanismus der menschlichen Zelle, die sogenannte Interferon-Antwort. Die Vorgänger-Varianten konnten diesen „Mechanismus“ lahmlegen. Interferone werden von der Zelle gebildet, wenn eine Virusinfektion aufgetreten ist, und setzen Abwehrmechanismen in Gang.

Die Wissenschaftler der Goethe-Universität und der University of Kent hätten darüber hinaus herausgefunden, dass acht der wichtigsten Covid-19-Wirkstoffe die Vermehrung der Omikron-Variante effektiv hemmen. Alle Substanzen zeigten in der Zellkulturstudie eine ähnliche Wirksamkeit wie gegen die Vermehrung der Delta-Variante.

Zu den Zellkulturexperimenten äußerte sich Professor Jindrich Cinatl von der Goethe-Universität. Obwohl diese Experimente nicht ohne Weiteres auf die ungleich komplexere Situation in Patienten übertragbar seien, gäben sie Hoffnung, „dass die enormen Anstrengungen zur Entwicklung von Covid-19-Medikamenten nicht vergebens waren“.

Omikron-Variante BA.2 dominiert Dänemark

In der Woche nach Weihnachten bemerkten Anders Fomsgaard und sein Team, dass der zweite Subtyp, BA.2, bereits 20 Prozent der sequenzierten Proben in Dänemark ausmachte. Er ist Chef der Abteilung „Virus und mikrobiologische Spezialdiagnostik“ am Statens Serum Institut, dem dänischen Zentrallabor für Infektionskrankheiten und biologische Bedrohungen. In der zweiten Januarwoche lag der BA.2-Anteil in Dänemark bei rund 45 Prozent, mittlerweile ist der Subtyp dort dominant.

Auch andere Länder wie etwa Großbritannien, Schweden, Indien oder Singapur melden inzwischen einen steigenden Anteil von BA.2 in den sequenzierten Proben. Bislang seien in Großbritannien 426 Fälle von BA.2 bekannt, hieß es am Freitagabend von der Behörde. Trotzdem sollen alle Coronaregeln außer Kraft gesetzt werden. In Niedersachsen ist diese Variante ebenfalls auf dem Vormarsch. Laut Wissenschaftlern hat BA.2 17 Mutationen. Dies sei relativ viel, so das Fazit.

Omikron-Mutation BA.2: RKI sieht bisher in Deutschland keine starke Zunahme der Corona-Variante

In Deutschland wurden in der ersten Januarwoche 38 BA.2-Fälle gefunden. BA.1 wurde hingegen 1568 Mal nachgewiesen. Das Robert Koch-Institut (RKI) sieht daher bisher „keine starke Zunahme des Anteils von BA.2 unter allen Omikron-Nachweisen, wie in anderen Ländern geschehen“. Aktuell hat Niedersachsen eine Inzidenz aller Corona-Varianten von 894,3 (Stand 25. Januar). Trotz dieser Zahlen droht bis zu 40 Kliniken die Schließung.

Klar ist nur, dass vieles noch im Trüben liegt. So lässt sich noch nicht sagen, ob BA.2 zu schwereren Verläufen führt als BA.1 oder ob die Impfungen besser oder schlechter gegen den Subtyp wirken. Auch, ob diejenigen, die bereits eine Omikron-Infektion durchgemacht haben, vor einer erneuten Infektion geschützt sind, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar, sagen Wissenschaftler.

Omikron-Symptome: Corona-Variante mit kurzer Inkubationszeit

Alle Corona-Studien haben eines gemein: Bei allen Infizierten mit der Corona-Variante Omikron seien Symptome aufgetreten. Am häufigsten Muskel- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit und Fieber identifiziert. Die symptomatischen Beschwerden hielten bei den meisten zwischen einem Tag und neun Tagen an. Einige wenige Personen klagten auch nach Ablauf der Beobachtungszeit über anhaltende Omikron-Symptome. Festzuhalten ist allerdings, dass niemand der Teilnehmenden aufgrund des Gesundheitszustandes in eine Klinik eingewiesen werden musste.

Besonders auffällig ist jedoch die kürzere Inkubationszeit im Vergleich zu früheren Corona-Varianten wie etwa Delta oder auch Alpha. Diese lag im Durchschnitt bei drei Tagen, was einem deutlichen Unterschied gleichkommt, da die Inkubationszeit sich zuvor bei etwa sechs Tagen eingependelt hatte.

Israel startet mit Corona-Impfung Nummer vier

Während in Deutschland gerade die dritte Impfung (Booster) das Nun-plus-Ultra ist, empfiehlt ein israelischer Expertenrat eine vierte Impfung gegen das Coronavirus für über 18-Jährige. Die Empfehlung gelte für Erwachsene, die vor mehr als fünf Monaten die Booster-Impfung erhalten haben oder die vor diesem Zeitraum genesen seien, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstag mit. „Die Entscheidung wurde angesichts positiver Ergebnisse getroffen, die einen drei- bis fünfmal höheren Schutz gegen schwere Erkrankungen nach der vierten Impfdosis zeigten“, hieß es in der Mitteilung.

Die Leiterin einer Studie zur Wirksamkeit der vierten Dosis hatte sich eher skeptisch geäußert. Sie führe zwar zu einem „schönen Anstieg“ der Antikörper, schütze aber nicht ausreichend gegen die Omikron-Variante, sagte die Professorin Gili Regev vom Schiba-Krankenhaus bei Tel Aviv vor rund einer Woche. Biontech hat mit einer Omikron-Impfstoff-Studie begonnen. (Mit Material der dpa)  * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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