Oldenburger hobelt auf Hawaii an seiner Zukunft

+
Thorben Wuttke macht das, was sonst keiner auf Hawaii macht: Er baut Möbel aus abgerissenen Häusern.

Honolulu/Oldenburg - Lange Zeit wusste der Oldenburger Thorben Wuttke nicht, wohin sein beruflicher Lebensweg ihn führen soll. Heute steht der 29-Jährige in seiner Werkstatt auf Hawaii und macht, was sonst keiner auf der Insel macht

Er baut Möbel - aus abgerissenen Häusern. Vor fünf Jahren zog es ihn auf die Insel. Weg vom schlechten Wetter in Deutschland, „einfach mal etwas Neues machen.“

Zuvor hat er als Tischlergeselle gearbeitet, ehe er zusätzlich eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann absolvierte. „Mein Vater kommt aus der Branche, hat eine eigene Versicherungsagentur. Aber irgendwie war das nichts für mich.“ Also meldete sich der damals 23-Jährige zum Zivildienst. Das gab der Idee auszuwandern Zeit zum Reifen. „Nach dem Zivildienst ging es direkt nach Hawaii“, sagt er.

Als er dort ankam, konnte er kein Englisch. Das sei ein großes Problem gewesen. Trotzdem schafft er es, dort sesshaft zu werden, wo andere Deutsche ihren Urlaub genießen. „Und mein Englisch ist auch ganz passabel geworden“, sagt Wuttke und hobelt weiter an einem Stück Holz, das vor einigen Wochen vielleicht noch ein Stützbalken eines alten Hauses gewesen ist. Oder der Türrahmen. Oder Teil des Fußbodens. Genau weiß es Wuttke nicht. Was er aber weiß ist, dass alle Materialien, die er verwendet Recycling-Ware ist. Wuttke baut Möbel aus altem Holz, das nach einem Abriss sonst vielleicht ungenutzt bliebe oder einfach auf der Müllhalde landen würde.

Seinen Recherchen zufolge ist er der Einzige auf Hawaii, der diesen Service anbietet. Das Geschäft gibt es gerade erst ein halbes Jahr. „Aber ich bekomme jeden Tag mehr Anfragen“, versichert er. „In den USA gibt es auch ein starkes Umdenken in Sachen Nachhaltigkeit und Verantwortung gegenüber der Natur“, sagt der 29-Jährige. Da treffe er mit seinen Möbeln den Nerv der Zeit. Die Zeiten sind dennoch hart für den jungen Deutschen. „Ich verdiene gerade mal soviel, dass es zum Überleben reicht“, sagt er. „Allein für die Miete muss ich jeden Monat mehr als 1100 US-Dollar auf den Tisch legen“, sagt er und zieht wieder die Augenbrauen hoch. Er brauche mehr Aufträge, sagt er.

Daher setzt Wuttke zunehmend auf „Advertising“ - er rührt die Werbetrommel mit Kleinanzeigen im Internet, versucht viele neue Kontakte zu knüpfen und denkt sogar über eigene PR-Aktionen nach. „Eine Idee ist, dass ich für den Botanischen Garten in Honolulu einen Picknicktisch baue und ich ihn der Stadt spende. Da wird sicher ein Platz für eine Hinweistafel auf den Sponsor drin sein“, sagt Wuttke.

Allzu viel über die Zukunft oder die Vergangenheit nachdenken wolle er aber nicht, sagte Wuttke. „Man sollte die Energie für die Gegenwart verwenden“, sagt der Tischler. Dies fiele ihm auch wesentlich leichter als noch vor einigen Jahren in Deutschland. Zukunftssorgen, bürokratische Hürden oder andere gesellschaftliche Ansprüche gebe es für ihn auf Hawaii nicht. „Als Beispiel: Für das, was ich hier mache, bräuchte ich in Deutschland einen Meisterbrief. Hier auf Hawaii kann ich es einfach machen. Dafür brauche ich nur eine entsprechende Lizenz für ein paar Dollar kaufen“, erklärt er.

Ob er denn irgendwann einmal wieder nach Deutschland zurückkehren möchte? Er schüttelt energisch den Kopf: „Nein. Mir geht es hier doch gut. Und wie gesagt, das Wetter ist hier auch viel besser“, sagt Wuttke, grinst und hobelt weiter an seinem Stück Holz.

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare