Ein Infizierter

Wegen Corona: Fluggäste aus London landen in Hannover im Feldbett

Die Corona-Lage bekommt eine neue Wendung: Eine neue, hoch ansteckende Virus-Variante breitet sich in Großbritannien rasant aus. Für 62 Flugpassagiere aus London hatte das am Flughafen Hannover Folgen.

  • Wegen der neuen Coronavirus-Variante ist die Einreise von Flugpassagieren aus Großbritannien gestoppt.
  • Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die Mutation Deutschland bereits erreicht hat.
  • Ein Fluggast in Hannover positiv getestet.

Update vom 21. Dezember, 15.25 Uhr: Bei dem einen infizierten Fluggast ist noch unklar, ob er möglicherweise mit dem besonders ansteckenden Virus-Variante infiziert habe. Dies müsse nun das Institut für Virologie der Berliner Charité klären, teilte die Region Hannover am Montag mit. Dies werde zügig geschehen. Das Institut von Christian Drosten ist für Spezialuntersuchungen zum Coronavirus zuständig.

Update vom 21. Dezember, 14.15 Uhr: Die infizierte Person wurde heute per Quarantäne-Transport in seine Wohnung in der Region Hannover gebracht. Dies bestätige Regionssprecher Hauke Jagau und war mit dem Gesundheitsamt abgestimmt. Laut seiner Aussage saßen 64 Passagiere in dem Flugzeug, zwei davon waren Kleinkinder. Eine Person nutze den Rückflug in der gleichen Maschine.

Nach dem Landen auf dem Flughafen Langenhagen wurden alle Passagiere noch am Abend per PCR-Test auf das Coronavirus getestet. Die Ergebnisse lagen bereits am Montagmorgen gegen 7 Uhr vor. Passagiere mit einem negativen Test konnte mit einigen Stunden Verspätung ihre Reise fortsetzten. Personen mit dem Ziel Region Hannover müssen sich ein zweites Mal testen lassen. Der Leiter des Gesundheitsamtes Region Hannover, Andreas Kranz war mit dem Ablauf sehr zufrieden. „Das ist gut gelaufen unter Berücksichtigung der Lage und der kurzfristigen Zeit.“

Meldung vom 21. Dezember, 13 Uhr: Vom Flughafen Langenhagen direkt in die Quarantäne: Aus Sorge wegen der in Großbritannien entdeckten Variante des Coronavirus haben 62 Passagiere aus London die Nacht auf dem Flughafen Hannover verbringen müssen - bei einem Fluggast hat sich eine Infektion bestätigt. Weitere Labortests sollten nun klären, ob der Passagier sich mit der neuen, besonders ansteckenden Coronavirus-Variante infiziert habe, teilte die Region Hannover am Montag mit. Wegen der neuen Virus-Variante war die Einreise von Flugpassagieren aus Großbritannien am Sonntagabend an mehreren deutschen Flughäfen zunächst gestoppt worden.

Zahl der Corona-Fälle insgesamt:95.381
Differenz zum Vortag:+690
7-Tage-Inzidenz:114,4
Stand und Quelle:21. Dezember, 9 Uhr, NLGA

Der betroffene Fluggast in Hannover und die Begleitpersonen sollten nach Angaben der Region in einem Quarantäne-Transport zu ihrem Zielort gebracht werden. Dort müssten sie „separiert“ werden. Die übrigen Passagiere hätten ein negatives Testergebnis erhalten, sie müssten nun aber an ihrem jeweiligen Zielort ebenfalls für zehn Tage in Quarantäne. Nach fünf Tagen hätten sie aber die Möglichkeit, sich „frei-testen“ zu lassen - bei einem erneut negativen Corona-Testergebnis könne die Quarantäne vorzeitig beendet werden. Eine Frau, die zu den ursprünglich 63 Fluggästen aus Heathrow zählte, flog zurück nach London.

Coronavirus in Niedersachsen: Keine Flugzeuge mehr aus Großbritannien

Angesichts der neuen Variante des Coronavirus schottet sich Europa immer mehr von Großbritannien ab. Zum Schutz vor der Mutation dürfen seit Montag bis zunächst zum 31. Dezember keine aus Großbritannien kommenden Flugzeuge mehr in Deutschland landen. Das hatte das Bundesverkehrsministerium verfügt. Ausgenommen sind reine Frachtflüge. Auch andere europäische Länder hatten Flugverbote oder Grenzschließungen zum Vereinigten Königreich verkündet.

Grund für die Beschränkungen ist eine kürzlich entdeckte Mutation des Virus in Großbritannien, die nach ersten Erkenntnissen britischer Wissenschaftler um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form sein soll. Die Variante breitet sich vor allem in London und Südostengland rasant aus. Der Virologe Christian Drosten geht aber davon aus, dass die Mutation Deutschland bereits erreicht hat. Das Virus komme seit Ende September in England vor.

Am Airport Hannover in Langenhagen wurden Feldbetten im Terminal D aufgebaut, die Passagiere wurden dort auch verpflegt. Es herrsche „große Vernunft“, die Reisenden zeigten „ziemlich viel Verständnis für die Maßnahmen“, betonte ein Sprecher der Bundespolizei. 

Das Terminal D wird nach Angaben einer Flughafensprecherin normalerweise nur als Ausweichort bei Umbauarbeiten eines anderen Terminals oder für die Ankunft von Flüchtlingen genutzt - und ist für den Publikumsverkehr ohnehin gesperrt. Nach der Abreise der Fluggäste aus London wirkte das Gebäude wieder verlassen, von außen gab es keine Hinweise auf die Unterbringung der Menschen. Das Gebäude, das etwa so groß wie ein Fußballplatz ist, liegt rund 100 Meter entfernt von den anderen größeren Terminals. Es werde geprüft, wie die Halle nun gereinigt werden soll, sagte die Sprecherin. Dafür werde man sich bei Firmen, die sich auf professionelle Desinfektion spezialisiert haben, informieren. 

Einsatzfahrzeuge des Rettungsdienstes und die Flughafenfeuerwehr stehen auf dem Gelände des Flughafens Hannover-Langenhagen.

Am Frankfurter Flughafen mussten rund 120 Passagiere aus Großbritannien die Nacht zum Montag im Transitbereich verbringen. Betroffen waren nach Angaben des Flughafens insgesamt fünf Flüge. Später gab es nach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei ähnliche Anweisungen für Reisende aus Südafrika: Während einreisende Deutsche sich sofort in Quarantäne begeben, müssen Südafrikaner und Reisende aus Drittstaaten, die mit einem Flug aus Südafrika ankommen, zunächst einen Corona-Test machen.

Am Berliner Hauptstadtflughafen in Schönefeld warteten 77 Passagiere auf eine Klärung durch einen Corona-Test - überwiegend polnische Staatsbürger. Betroffen waren vier Flüge aus Großbritannien. Auch in Stuttgart mussten sich Flugreisende aus London testen lassen, im Transitbereich des Münchner Flughafens verbrachten rund 50 Passagiere aus Großbritannien die Nacht. dpa

Corona in Hamburg: Keine Flieger mehr aus Großbritannien

Am Sonntagabend, 20. Dezember waren noch drei fast vollbesetzte Maschinen aus London in Hamburg gelandet. Da das Verbot erst ab Mitternacht in Kraft trat, war dies problemlos möglich. Die vier für Montag geplanten Flüge aus London wurden ebenso wie ein Ryanair-Flug aus Edinburgh gestrichen. Die Reisebeschränkung gilt zunächst bis 31. Dezember 2020. Ausgenommen sind reine Frachtflüge. Auch andere europäische Länder hatten Flugverbote oder Grenzschließungen zum Vereinigten Königreich verkündet.

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa

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