30 Millionen Euro

Niedersachsen will in der Corona-Krise mehr Geld für die Schülerbeförderung ausgeben

Vor und nach der Schule: Busse und Bahnen sind oft voll mit Schülern. Corona-Abstandsregeln sind dann nicht immer einzuhalten. Niedersachsen will nun 30 Millionen Euro geben, um die Lage zu entspannen.

  • Land Niedersachsen will Corona-Ansteckungsrisiko auf dem Schulweg verringern.
  • Eltern und Schüler klagen schon seit Monaten über zu volle Busse.
  • Mehr Busse sind nur ein Baustein zur Lösung.

Das Land Niedersachsen will mit einem erweiterten Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs das Corona-Ansteckungsrisiko auf dem Schulweg verringern. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) will den Kommunen in Niedersachsen dafür insgesamt 30 Millionen Euro zur Verfügung stellen, wie der NDR berichtete. Einen entsprechenden Antrag müssten die Regierungsfraktionen nun in den Landtag einbringen, sagte ein Ministeriumssprecher dazu. Derzeit stehen in vielen Regionen Schüler dicht gedrängt in Bussen, Stadtbahnen und Zügen, um zur Schule zu kommen. Von Abstand kann keine Rede sein.

Landeshauptstadt NiedersachsenHannover
Bevölkerungsdichte168 Einwohner / Quadratkilometer
Websitewww.niedersachsen.de
LandtagspräsidentinGabriele Andretta

Eltern und Schüler klagen schon seit Monaten über zu volle Busse und die damit einhergehende Corona-Gefahr. Denn nicht nur das Abstandhalten fällt im Schulbus oft schwer. Auch sind alle Schüler wild durcheinandergewürfelt, die in der Schule strikt nach Kohorten getrennt sind.

Der Elternrat der Graf-Friedrich-Schule (GFS) Diepholz schrieb schon im September an Landrat Cord Bockhop: „Die Situation bei der Schülerbeförderung konterkariert das Infektionsschutzgesetz und alle Anstrengungen von Schülern und Eltern, Kontakte zu minimieren, Abstände sicherzustellen und Infektionsketten nachzuverfolgen.“

In Schulbussen muss ein Mundschutz getragen werden. Aber es ist eng, Mindestabstände können selten eingehalten werden.

Das Geld soll nach Ministeriumsangaben aus einer neuen coronabedingten „Sonderfinanzhilfe“ im Niedersächsischen Nahverkehrsgesetz kommen. Die für die Schülerbeförderung zuständigen Landkreise und Städte sollen mehr Fahrzeuge zu den Hauptverkehrszeiten einsetzen und zusätzliche Infektionsschutz-Maßnahmen umsetzen können.

Gefördert werden soll rückwirkend der Zeitraum vom Ende der diesjährigen Herbstferien am 26. Oktober 2020 bis zum 31. Dezember 2021. Denkbar sei die Anmietung von Reisebussen, der Kauf zusätzlicher Fahrzeuge, zusätzliche Fahrten, Taktverdichtungen im Fahrplan und besondere Infektionsschutzmaßnahmen wie etwa verbesserte Lüftungsanlagen.

Geld für Kontrollen der Maskenpflicht in Bussen

Auch Kontrollen der Maskenpflicht im Öffentlichen Personennahverkehr werden demnach finanziert. Ausgezahlt werden soll das Geld im Nachgang durch die Landesnahverkehrsgesellschaft. Dadurch würden nur die Kommunen Geld erhalten, die tatsächlich mehr Platzkapazitäten schaffen oder besondere Hygienemaßnahmen ergreifen, hieß es.

Aus Sicht des Gesamtverbandes des Verkehrsgewerbes Niedersachsen (GVN) kann die Bereitstellung zusätzlicher Busse nur ein Baustein für die Entzerrung des Schülerverkehrs sein. „Notwendig wäre auch, dass das Land klare Regeln zu gestaffelten Schulanfangszeiten gibt“, sagte der Geschäftsführer der GVN-Fachvereinigung Omnibus und Technik, Michael Kaiser. „Das müsste am besten in der Corona-Verordnung des Landes geregelt sein, damit nicht jede Kommune oder jede Schule es unterschiedlich handhabt“, so Michael Kaiser.

Nach Michael Kaisers Einschätzung ließen sich mit dem 30-Millionen-Euro-Paket landesweit rund 350 zusätzliche Busse bereitstellen. Eingesetzt würden wohl viele Reisebusse, die derzeit wegen der Corona-Beschränkungen nicht in Betrieb seien. „Die muss man wieder auf die Straße bringen, und die Fahrer aus der Kurzarbeit - aber das geht alles.“ Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sagte, er setze auf kreative Lösungen in den Kreisen und Kommunen, wozu auch Schulzeit-Staffellungen gehörten. Trotzdem ließen sich volle Busse und Bahnen zu Stoßzeiten nicht immer vermeiden, da vielerorts neben den Bussen auch das Fahrpersonal fehlt.

Der Gesamtverband GVN fragt derzeit bei den Busunternehmen ab, wer bei der Schülerbeförderung helfen kann. Die Resonanz ist gut: Von Ostfriesland bis Braunschweig und von Stade bis Göttingen hätten sich bereits Unternehmen mit freien Bussen gemeldet, heißt es. sdl/awt/dpa

Rubriklistenbild: © imago images / Becker&Bredel

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