Bundesgerichtshof gibt Banken Recht

Sparer kosten Geld: Tausenden Sparkassen-Kunden flattern Kündigungen ins Haus

Sparkasse München kündigt 28 000 Prämiensparverträge
+
Die Münchner Sparkasse kündigte 28.000 Prämiensparverträge. 

Sparer müssen in diesen Tagen stark sein. Zumindest einige. Denn wer sich vor langer Zeit dazu entschlossen hat, mit dem gut angefütterten Geldstrumpf zur Sparkasse zu gehen, um dessen Inhalt anzulegen, bei dem könnte in diesen Tagen eine Kündigung im Briefkasten liegen.

Syke/München – Allein knapp 3000 Anlagen von Kunden der Kreissparkasse Syke betrifft das, erfuhr die Kreiszeitung Syke auf Nachfrage. Sogar 4000 alte Sparverträge sind es bei den Kunden der Sparkasse Rotenburg-Osterholz, teilte diese kürzlich mit. Der Grund ist die anhaltende Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie lässt Sparer für Geldhäuser zur Belastung werden. 

Steffen Bußmann, Leiter des Vorstandssekretariats der Kreissparkasse Syke, gibt an, dass das Geldhaus betroffene Kunden bereits seit einiger Zeit anspreche und aktuell dabei sei, die schriftlichen Kündigungen zum Januar 2020 zu verschicken. Sie beziehen sich auf sogenannte Prämiensparverträge, lukrative Anlagen ohne feste Laufzeit, bei denen nach 15 Jahren die höchste Prämienstaffel erreicht ist. „Die Verträge kommen ja aus Zeiten, in denen ein deutlich höheres Zinsniveau bestand als aktuell“, erklärte Bußmann. 

Schon gelesen? In Göttingen hat ein Geldinstitut 300.000 Euro für Falschgold herausgegeben. 

Banken müssen Strafzinsen an die EZB zahlen

Seitdem hat sich viel getan in der Geld-Welt. Denn: Bei der EZB müssen Banken seit einigen Jahren Strafzinsen für ihre Einlagen zahlen. Am 12. September hatte die EZB diesen Negativzinssatz von 0,4 auf 0,5 Prozent erhöht. Für Banken bedeutet das: Je mehr Geld sie bei der EZB parken, desto teurer wird es. 

Die Münchner Sparkasse, die Donnerstag auf einen Schlag 28.000 Verträge gekündigt hat, behält sich deshalb zudem vor, ab 1. Oktober von Neukunden mit Guthaben von mehr als 100.000 Euro auf Giro- und Cashkonto Strafzinsen zu verlangen. 

Banken können Kündigungen nicht ausschließen

Doch nicht alle Sparer müssen sich sorgen, dass sie morgen den alten Geldstrumpf reaktivieren müssen. „Es gibt in unserem Haus derzeit keine konkreten Überlegungen, sich mit dem Thema zu beschäftigen“, sagte Andreas Renken, Pressesprecher der Landessparkasse zu Oldenburg. Eine Prognose möchte er nicht geben.

Lesen Sie auch: 2018 haben Niedersachsens Sparkassen trotz Niedrigzins ihr Betriebsergebnis erhöht.

Durchatmen können vorerst auch Kunden der Kreissparkasse Verden. „Zur Kündigung von Sparverträgen haben wir bisher keine Entscheidung getroffen. Eine Kündigung in Zukunft können wir aufgrund der Nullzinspolitik der EZB jedoch nicht ausschließen“, hieß es. Bei der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz war niemand zu erreichen, der Auskunft geben konnte. 

jk/dpa

Info: Bundesgerichtshof (BGH) gibt Banken recht

Weil die anhaltende Niedrigzinsphase einen „sachgerechten Grund“ darstelle, hat der Bundesgerichtshof im Mai entschieden, dass Sparkassen gut verzinste Altverträge ohne festgelegte Laufzeit unter Umständen kündigen dürfen

Die Verbraucherzentrale erklärt online, dass Kunden sich nicht dagegen wehren können, wenn sie die höchste Prämie erreicht haben. Vorher darf das Geldhaus nicht aus dem Vertrag aussteigen. 

jk

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare