Mutmaßlich rechtsradikale Gesinnung

Mehr als 50 Waffen gehortet: Prozess gegen Vater und Sohn beginnt

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Vater und seinen Sohn sollen mehr als 50 Waffen gehortet haben.

Haben Vater und Sohn ein Waffendepot aus Sammelleidenschaft oder für einen rechtsextremen Anschlag angelegt? In Hannover hat der Prozess gegen zwei Männer begonnen.

Hannover - Eine Abschussvorrichtung für Panzerfäuste und automatische Maschinenpistolen: Am Landgericht Hannover hat am Mittwoch der Prozess gegen einen Vater und seinen Sohn begonnen, die mehr als 50 Waffen gehortet haben sollen. 

Die Frage, ob die beiden Waffenbesitzer einen rechtsextremen Hintergrund haben oder gar einen Anschlag planten, war nicht Teil der verlesenen Anklage. Man habe dafür keine konkreten Hinweise, hatte die Generalstaatsanwaltschaft Celle vor dem Prozess erklärt. 

Waffen im Darknet bestellt

Videos und Fotos mit rechtsextremen und antisemitischen Inhalten auf dem Computer des Sohnes ließen aber einen Rückschluss auf dessen Gesinnung zu. 

Am Landgericht Hannover hat der Prozess gegen einen Vater und seinen Sohn begonnen, die mehr als 50 Waffen gehortet haben sollen.

Der 30-jährige Sohn war im März aufgeflogen. Er soll etliche Waffen im Darknet, einem versteckten Teil des Internets, bestellt haben. Die ließ er sich dann an unterschiedliche Adressen liefern - angeblich auch an seine Großmutter. 

16 Langwaffen, 17 Pistolen und drei Maschinengewehre

Als der 53-jährige Vater eine Pistole online bestellen wollte, wurde die Polizei aufmerksam und rückte zur Razzia in der Zwei-Zimmer-Wohnung der beiden in Hannover an. 

Im Zimmer des Sohnes stellten die Beamten dann unter anderem 16 Langwaffen, 17 Pistolen, drei Maschinengewehre und die Abschussvorrichtung für eine Panzerfaust sicher. Obendrein fanden sie über 3000 Schuss Munition, NS-Devotionalien und knapp 100 000 Euro Bargeld, das aus illegalen Quellen stammen soll. 

Ermittlungen wegen möglicher Anschlagspläne

Der stark übergewichtige 30-Jährige mit langen Haaren und Bart hat keinen Beruf erlernt, der Vater ist gelernter Koch. Ob sie vor ihrer Festnahme berufstätig waren, wurde beim Prozessauftakt nicht erwähnt. 

Zunächst kam nur der Sohn in Untersuchungshaft. Die für Terrorermittlungen zuständige Generalstaatsanwaltschaft Celle ermittelte zunächst wegen möglicher Anschlagspläne und eines möglichen rechtsextremen Motivs. 

Kein Anschlagsplan nachgewiesen

So sollen sich auf dem Computer des 30-Jährigen nicht nur die rechtsextremen Inhalte befunden haben, sondern auch Suchverläufe zu den meisten Terroranschlägen und Amokläufen der vergangenen Jahre. Auch in Chats soll sich der Sohn über den Einsatz der Waffen ausgetauscht haben. 

Einen konkreten Anschlagsplan konnte dem Mann nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Celle aber nicht nachgewiesen werden. Sie geht dennoch davon aus, dass die Waffen angeschafft wurden „um gut gerüstet zu sein für einen möglichen Ernstfall“. 

Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz

Der Vater blieb nach der Razzia zunächst auf freiem Fuß, soll dann aber wieder Waffenlieferungen entgegengenommen haben. Bei einer weiteren Durchsuchung Ende Juli entdeckte die Polizei zwei Gewehre, der Mann kam im August in Untersuchungshaft. 

Vater und Sohn sind wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz angeklagt.

Im Landgericht Hannover wurde am ersten Verhandlungstag lediglich die Anklageschrift verlesen. Demnach müssen sich die beiden Männer wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz verantworten. 

Polizist ins Gesicht geschlagen

Dem Sohn wird außerdem Körperverletzung vorgeworfen: Er soll bei der Razzia einem Polizisten ins Gesicht geschlagen haben. Die Anwälte der Angeklagten kündigten ausführliche Erklärungen für den zweiten Prozesstag am 14. Oktober an (Az.: 70 KLs 22/19).

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