Schüler müssen nun Impfschutz nachweisen

Masernausbruch weitet sich aus: Zwei weitere Hildesheimer Schulen betroffen

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Eine Impfung wird in einer Arztpraxis vorbereitet. Nach einem Masernausbruch an einer Gesamtschule in Hildesheim droht ungeimpften Kindern der Schulausschluss.

Der Masernausbruch in Hildesheim weitet sich aus. An zwei weiteren Schulen gibt es einen Erkrankten. Damit die Krankheit eingegrenzt werden kann, müssen die Mitschüler nun ihren Impfschutz nachweisen.

Update, Freitag, 15. März, 15.05 Uhr: Der Masernausbruch in Hildesheim hat sich auf zwei weitere Schulen in der Stadt ausgebreitet. Betroffen seien die Waldorfschule und die St. Augustinus-Oberschule mit jeweils einem erkrankten Schüler, teilte der Landkreis Hildesheim am Freitag mit. Die Gesundheitsbehörden ermittelten im Moment die Kontaktpersonen der betroffenen Schüler im privaten und schulischen Umfeld. Die Eltern sämtlicher Schüler würden informiert. Am Montag müssen die Schüler der Jahrgangsstufen, die die beiden Erkrankten besucht haben, ihre Impfpässe zum Nachweis eines Impfschutzes vorlegen.

Rund 60 Schüler der bereits mit mehreren Masernfällen betroffenen Oskar-Schindler-Gesamtschule dürfen die Schule wegen einer fehlenden Impfung noch bis Ende kommenden Woche nicht besuchen. Im Landkreis Hildesheim ist die Zahl der Masernfälle mit den beiden neuerkrankten Schülern auf 26 seit Jahresbeginn gestiegen.

Zahl der Masernfälle landesweit seit Jahresbeginn bei 28

Wie das Landesgesundheitsamt in Hannover mitteilte, liegt die Zahl der Masernfälle landesweit seit Jahresbeginn bei 28. Ein zunächst bereits registrierter weiterer Masernfall habe sich später nicht bestätigt, sagte Behördensprecher Holger Scharlach am Freitag. Das Kreisgesundheitsamt treffe die erforderlichen Schritte, um den Masernausbruch in Hildesheim einzugrenzen. Weitere Maßnahmen seien nicht erforderlich.

Vor der Gesamtschule war in Hildesheim bereits das Gymnasium Andreanum mit einer erkrankten Schülerin Ende Februar von einem Masernausbruch betroffen. 13 Schüler und 2 Lehrer konnten für knapp zwei Wochen wegen eines fehlenden Impfschutzes die Schule nicht besuchen. Das Infektionsschutzgesetz schreibt vor, dass ein Kind nicht in den Kindergarten, die Schule oder eine andere Gemeinschaftseinrichtung gehen darf, wenn es an bestimmten Infektionskrankheiten erkrankt ist oder ein entsprechender Krankheitsverdacht besteht.

Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) hatte schon in der vergangenen Woche allen Menschen geraten, ihren Impfstatus zu überprüfen und bei Bedarf Impfungen nachzuholen. „Die aktuell aufgetretenen Masernfälle in Niedersachsen zeigen die große Bedeutung eines ausreichenden Impfschutzes in der Bevölkerung", sagte sie. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) appellierte an die Eltern: "Wer auf den Impfschutz verzichtet, gefährdet seine Kinder und die Kinder anderer."

Update, Dienstag, 12. März, 16:58 Uhr: Nach dem Masernausbruch an einer Hildesheimer Gesamtschule sind 107 Schüler wegen eines fehlenden Impfschutzes bis Ende kommender Woche vom Unterricht ausgeschlossen worden. Das teilte der Landkreis Hildesheim nach einer Überprüfung des Impfstatus aller 700 Schüler am Dienstag mit. Das Gesundheitsministerium in Hannover hatte die drastische Maßnahme, den Schülern den Zugang zur Schule zu verwehren, gerechtfertigt. Die Schule müsse in Absprache mit der Kreisgesundheitsbehörde eine rechtliche Abwägung zwischen der Schulpflicht und dem Schutz der Kinder vor einer ansteckenden Krankheit vornehmen.

Update, Montag, 11. März, 16:39 Uhr: Nach dem Masernausbruch an einer Hildesheimer Schule ist die Zahl der Krankheitsfälle im gesamten Landkreis inzwischen auf 24 gestiegen. Zusätzlich betroffen seien zwei Geschwisterkinder von bereits erkrankten Kindern sowie ein weiterer Mensch, wobei es sich aber nicht um einen Schüler handelt, teilte der Landkreis am Montag mit. Wie viele Schüler bis zum Ende der kommendem Woche wegen eines fehlenden Impfschutzes die Schule nicht besuchen dürfen, wird erst am Dienstag feststehen.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin fordete am Montag eine Impfpflicht. Masern seien extrem ansteckend und potenziell tödlich. Nach einer solchen Erkrankung könne es auch noch Jahre später zu einer Gehirnentzündung kommen, für die es keine Behandlung gebe und an der alle betroffenen Patienten sterben. „Es ist mir nicht verständlich, warum trotz dieser Datenlage Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen", sagte der DGKJ-Generalsekretär Burkhard Rodeck.

Vorerst dürfen nur noch geimpfte Schüler die betroffene Schule besuchen

Da in Hildesheim vorerst nur noch geimpfte Schüler die betroffene Oskar-Schindler-Gesamtschule besuchen dürfen, meldeten sich zahlreiche Schüler am Montag beim Gesundheitsamt, um dort ihre Immunität gegen die Krankheit nachzuweisen, teilte der Landkreis mit. Bei einer Kontrolle am Freitag hatten bereits 510 Schüler, Lehrer und andere Schulbeschäftigte einen Impfpass mit dem entsprechenden Nachweis vorlegen können.

Die übrigen 190 Schüler und Beschäftigten erhielten bis Montagnachmittag Zeit, sich beim Gesundheitsamt zu melden. Überprüft worden waren auch die Impfpässe von 70 Kindern einer nahe gelegenen Grundschule, die im möglichen Infektionszeitraum die Mensa der Gesamtschule besucht hatten.

Wer über das Wochenende seinen Impfpass mit dem Nachweis einer Masernimpfung noch gefunden hatte, konnte diesen bei der Behörde vorlegen. Zum Nachweis der Immunität gegen die Krankheit konnten Betroffene bei der Gesundheitsbehörde auch eine Blutprobe vornehmen lassen, deren Ergebnis am Dienstag vorliegen sollte. Auch eine nachträgliche Impfung beim Hausarzt war möglich.

Ursprüngliche Meldung: Hildesheim - Nach einem Masernausbruch an einer Gesamtschule in Hildesheim droht ungeimpften Kindern zu ihrem eigenen Schutz der Schulausschluss. Mitarbeiter des Gesundheitsamtes überprüften am Freitag die Impfpässe aller 26 Klassen und auch die der Lehrer, wie der Landkreis mitteilte. Die Eltern waren zwei Tage zuvor informiert worden. Etliche Kinder hätten ihren Impfpass dennoch nicht dabei gehabt und hätten diesen zu Hause holen müssen. Wer bis zum Montag seinen Impfschutz notfalls auch über eine Blutuntersuchung beim Arzt nicht nachweisen kann, darf die Schule vorerst nicht betreten. Dies gelte auch für alle anderen an der Schule beschäftigten Personen.

Wie das Gesundheitsministerium in Hannover mitteilte, muss die Schule in Absprache mit der Kreisgesundheitsbehörde eine rechtliche Abwägung vornehmen zwischen der Schulpflicht und dem Schutz der Kinder vor einer ansteckenden Krankheit. Auch ohne eine Impfpflicht in Deutschland gehe es darum, eine weitere Ausbreitung der hochansteckenden und für ungeimpfte Menschen gefährlichen Krankheit zu verhindern. Es werde nach einem standardisierten Prüfungsverfahren verfahren, wie es bei einem Masernausbruch in einer Gemeinschaftseinrichtung vorgesehen ist, ergänzte der Landkreis.

Seit Jahresbeginn sind in Niedersachsen mehr Menschen an Masern erkrankt als im gesamten Vorjahr. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden seit Anfang Januar 26 Masernfälle registriert, im Jahr 2018 gab es 18 Fälle. Die Mehrheit der Erkrankten in diesem Jahr gab es mit 17 Fällen im Kreis Hildesheim. Zweimal bereits war jeweils ein Schüler an einer Schule erkrankt, wonach Kontaktpersonen im Umkreis kontrolliert wurden. Es kam in den Fällen aber nicht zu einer weiteren Ausbreitung der Krankheit.

Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) riet allen Menschen, ihren Impfstatus zu überprüfen und bei Bedarf Impfungen nachzuholen. "Die aktuell aufgetretenen Masernfälle in Niedersachsen zeigen die große Bedeutung eines ausreichenden Impfschutzes in der Bevölkerung", sagte sie. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) appellierte an die Eltern: "Wer auf den Impfschutz verzichtet, gefährdet seine Kinder und die Kinder anderer."

Nach einem Masernausbruch an einer Gesamtschule in Hildesheim droht ungeimpften Kindern der Schulausschluss.

Masern sind sehr ansteckend für nicht geimpfte Personen. Das Virus wird als Tröpfcheninfektion beim Sprechen, Husten oder Niesen übertragen. Eine Infektion verursacht hohes Fieber, Husten, Entzündung der Augenbindehaut und Hautausschlag. Die Krankheit kann schwerwiegend verlaufen. Als lebensbedrohliche Komplikation kann eine Gehirnentzündung auftreten.

Zwar ist die Zahl der Masernfälle in Deutschland nach Angaben des Robert-Koch-Instituts zuletzt von 929 Fällen 2017 auf 543 Fälle im vergangenen Jahr zurückgegangen. Doch in Europa musste das Ziel, die Masern bis 2020 auszurotten, kassiert werden. Die Zahl der Masernerkrankungen in der Region vervielfachte sich von 5273 im Jahr 2016 auf 23 927 im Folgejahr. Die Rückkehr vermeidbarer Krankheiten in Europa sei "ein Weckruf" und verlange "rasches Handeln", forderte die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Auch in Deutschland beklagen Experten eine zunehmende Impfmüdigkeit. Manchmal seien Eltern einfach nachlässig oder vergessen vorgesehene Impfungen. Andere zweifelten am Sinn der Impfungen, weil sie die von ihnen verhinderten Krankheiten zu Lebzeiten selbst nie gesehen haben. Eine dritte Gruppe wiederum wehre sich gegen Impfungen, weil sie ohne solide wissenschaftliche Belege Nebenwirkungen befürchten oder deren Wirksamkeit anzweifeln. Andererseits entschied sich vor kurzem eine private Kita in Essen, nur noch Kinder mit Impfschutz gegen gängige Krankheiten wie Masern, Mumps und Röteln aufzunehmen.

Unicef warnt vor starker Ausbreitung der Masern

Die Vereinten Nationen haben vor einer massiven Ausbreitung der lebensgefährlichen Masern gewarnt. In fast 100 Ländern sei die hochansteckende Krankheit auf dem Vormarsch, teilte das Kinderhilfswerk Unicef am Freitag in New York mit. Die Lage sei alarmierend, besonders in der Ukraine, in Brasilien und auf den Philippinen.

Den stärksten Anstieg um mehr als 30.000 auf über 35.000 Masern-Fälle verzeichnete im Jahresvergleich von 2018 zu 2017 demnach die Ukraine. Allein in den ersten zwei Monaten 2019 wurden dort zudem weitere 24.000 Infektionen gemeldet. Auf den Philippinen wurden 15.600 Fälle 2018 erfasst, in diesem Jahr bereits fast 13.000.

In Brasilien erkrankten der Statistik zufolge im vergangenen Jahr mehr als 10.000 Menschen, im Jahr davor waren keine Fälle bekanntgeworden. Laut Unicef haben sich die Masern 2018 unter anderen auch im Jemen, in Venezuela, Serbien, Madagaskar, dem Sudan, Thailand und Frankreich stark ausgebreitet.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben 2017 rund 110.000 Menschen an den Masern, die meisten von ihnen waren Kinder unter fünf Jahren. Bis Mitte Januar dieses Jahres wurden laut WHO für das Jahr 2018 weltweit 229.000 Fälle der Infektionskrankheit gemeldet. Die Zahlen dürften noch steigen, wenn Nachmeldungen kommen. Es wird zudem eine Dunkelziffer vemutet.

Die WHO macht einen geringen Impfschutz für die starke Ausbreitung der Masern mitverantwortlich. Auf den Philippinen etwa seien 2017 nur rund 70 Prozent der Kinder geimpft worden. Für einen wirksamen Schutz müssen es mindestens 95 Prozent sein.

Die WHO nennt zwei Hauptursachen für niedrige Impfraten. Viele Menschen in abgelegenen Gebieten oder in Konfliktregionen seien für Impfteams schwer oder überhaupt nicht zu erreichen. Zudem habe das Vertrauen in die Immunisierung abgenommen. Auf den Philippinen hatte es vor wenigen Jahren Todesfälle bei Impfungen gegen Dengue-Fieber gegeben.

Der Vertrauensschwund sei auch durch gezielte Desinformation verursacht. Die Masern sind eine schwere Infektionskrankheit und werden durch Viren übertragen. Es kommt zu hohem Fieber, Schnupfen, Husten sowie Hautausschlag. Die Masern greifen das Immunsystem an. Die Erkrankten sind anfälliger für andere Krankheiten.

dpa/epd

Quelle: kreiszeitung.de

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