Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Tödlicher Kran-Unfall in Göttingen: Wurde die Notbremse manipuliert?

Bei einem Kran-Unfall in Göttingen ist ein Mann getötet und ein weiterer schwer verletzt worden. Nun werden die ersten Ermittlungsdetails bekannt.

Göttingen – Nachdem am Samstag, 12. Juni ein Kran auf die Baustelle eines Wohnhauses in Göttingen gestürzt ist, werden nun die ersten Details der Ermittlungsarbeit bekannt.

Erst sah es nach einem tragischen Unfall aus. Mittlerweile wird nachgeforscht, ob es sogar Manipulation gewesen sein könnte. Nach der Untersuchung durch einen Gutachter kam dieser Verdacht auf.

Arbeitsunfälle in Deutschland (2019):871.547
Arbeitsunfälle mit Todesfolge (2019): 507
Rekord-Unfalljahr (1992): 1,9 Millionen

Der 42 Jahre alte Kran-Führer habe möglicherweise ein zu hohes Gewicht bewegt, sodass der Kran umkippte. Der Unfall könnte jedoch nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) auch durch eine Manipulation ausgelöst worden sein. Eine Art Notabschaltung sei am Kran außer Betrieb gewesen, sagte die Staatsanwaltschaft. Ermittelt wird wegen fahrlässiger Tötung – sowohl gegen den Kranführer als auch gegen Unbekannt.

Tödlicher Kran-Unfall in Göttingen: Zulässige Last um etwa eine Tonne überschritten

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Im Mittelpunkt stehe der Vorwurf, dass der Kran überladen war, teilte Behördensprecher Mohamed Bou Sleiman am Dienstag mit. Die Ermittler vermuten, dass die zulässige Last um etwa eine Tonne überschritten worden war.

Unter anderem wollen die Ermittler prüfen, warum die technische Schutzvorrichtung, die ein Kippen des Krans verhindern soll, nicht funktionierte. Laut Staatsanwalt Sleiman gehe es dabei um die Frage, ob es sich um einen technischen Defekt oder möglicherweise auch um eine Manipulation handeln könnte.

Tödlicher Kran-Unfall in Göttingen: Identität des Toten geklärt

Mittlerweile konnte die Identität des Toten geklärt werden. Es handelt sich laut NDR um einen Bauarbeiter aus Südosteuropa. Die Staatsanwaltschaft hatte die Obduktion des Opfers in die Wege geleitet.

Ein weiterer Arbeiter wurde eingeklemmt und von der Feuerwehr befreit. Nach Aussagen der Polizei sei sein Zustand kritisch. Der 40-jährige Mann sei nach einer Notoperation in ein künstliches Koma versetzt worden. Ein dritter Bauarbeiter blieb unverletzt.

Erst sah es nach einem tragischen Unfall aus, später nach fahrlässiger Tötung - nun wird nachgeforscht, ob es sogar Manipulation gewesen sein könnte.

Für das Jahr 2019 wurden laut einer Statistik der Plattform „Statista“ bundesweit 871.547 Arbeitsunfälle registriert. Damit hält sich die Zahl in den letzten fünf Jahren auf einem stabilen Niveau. Gegenüber dem Rekord-Unfalljahr 1992 mit knapp 1,9 Millionen Arbeitsunfällen hat sich die Zahl jedoch mehr als halbiert.

Mit 21,16 meldepflichtigen Arbeitsunfällen je 1.000 Vollarbeiter wurde 2017 die niedrigste Arbeitsunfallquote seit Bestehen der Bundesrepublik erreicht. Für das Jahr 2019 wurden bundesweit 507 Arbeitsunfälle mit Todesfolge registriert. Gegenüber dem Höchststand im Jahr 1993 mit 1.543 tödlichen Unfällen hat sich die Zahl um rund 70 Prozent reduziert. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

(Artikel aktualisiert am 15. Juni um 13:43 Uhr)

Rubriklistenbild: © Stefan Rampfel/ dpa

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