Impfung sichtbarer machen

Unentschlossene überzeugen: Offensivere Werbung für Impfkampagne gefordert

Die Impfungen im Land schreiten immer weiter voran. Um Unentschlossene zu überzeugen, wird der Ruf nach offensiverer Werbung und einfacheren Impf-Möglichkeiten lauter.

Berlin/Hannover - Dass irgendwann der Zeitpunkt kommen würde, zu dem Menschen mehr Werbung fordern, war nicht abzusehen. Dennoch machen sich immer mehr Politiker und Verbände für eine offensivere und sichtbarere Werbekampagne für Corona-Impfungen stark, um schnell auch Unentschlossene zu überzeugen. „Die Impfkampagne sollte unter anderem auch mit TV-Spots beworben werden“, sagte der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ von Mittwoch, 14. Juli 2021.

Behörde:Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Stellung:Bundesoberbehörde
Aufsichtsbehörde:Bundesministerium für Gesundheit
Hauptsitz:Köln
Behördenleitung:Komm. Direktor Martin Dietrich

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas kritisierte, dass etwa die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bislang „kaum sichtbar“ sei. „Die bestehenden Angebote reichen offenbar nicht aus, um ausreichend Impfwillige zu erreichen“, sagte die Vize-Fraktionschefin der Sozialdemokraten dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Hier ist der Bundesgesundheitsminister gefragt. Wir müssen die Informationskampagne deutlich ausbauen. Wir brauchen mehr Werbung und Aufklärung“, forderte die Gesundheitsexpertin. Seit dem 7. Juni kann sich jeder, der möchte, und mindestens zwölf Jahre alt ist, impfen lassen*.

Impfmüdigkeit dürfe sich nicht durchsetzen, findet der Präsident des Deutschen Städtetages

„Wir müssen auf allen Kanälen versuchen, Menschen anzusprechen, die sich beim Impfen bisher zurückhalten“, wird der Präsident des Deutschen Städtetages, Burkhard Jung, in den Zeitungen der Funke Mediengruppe zitiert. Es müsse einfacher werden, sich auch außerhalb von Impfzentren und Arztpraxen impfen zu lassen. Impfmüdigkeit dürfe sich nicht durchsetzen, die Zahl der Impfungen müsse wieder steigen. Forscher der Universitäten TU Cottbus-Senftenberg und Siegen forderten eine Prämie für Menschen, die sich impfen lassen*.

Wir müssen auf allen Kanälen versuchen, Menschen anzusprechen, die sich beim Impfen bisher zurückhalten.

Burkhard Jung, Präsident des Deutschen Städtetages

Am Dienstag hatte sich bereits der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, für eine intensivere Werbung für Corona-Impfungen auch im Fernsehen ausgesprochen. „Ich vermisse den TV-Spot zum Impfen vor der Tagesschau. Und dann müssen wir direkt vor Ort informieren, und zwar genau da, wo die Impfbereitschaft bisher gering ist. Wir müssen auf die Menschen zugehen“, hatte Reinhardt der „Rheinischen Post“ gesagt.

Fast 60 Prozent der Gesamtbevölkerung hatten bis Dienstag mindestens eine Impfdosis erhalten

In Deutschland waren mit Stand Dienstag rund 43 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft. 48,8 Millionen Menschen - 58,7 Prozent - hatten bis dahin nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) mindestens eine Impfdosis verabreicht bekommen. Am Dienstag warben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit einem Appell für die Möglichkeit der Schutzimpfung. „Eine Impfung schützt nicht nur Sie, sondern auch immer jemandem, dem Sie nahe stehen, der Ihnen wichtig ist, den Sie lieben“, sagte Merkel.

Am Dienstag warben auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit einem Appell für die Möglichkeit der Schutzimpfung.

Auch die stellvertretende Leiterin des niedersächsischen Corona-Krisenstabs, Claudia Schröder, betonte am Dienstag in Hannover*: „Wenn wir alle gemeinsam in den Herbst gehen und das Ausmaß der Maßnahmen möglichst begrenzen wollen, dann ist es in unser aller Interesse, dass sich jeder und jede impfen lässt.“ Eine Impfpflicht hält aber weder sie, noch der Präsident des RKI, Lothar Wieler, für notwendig*.

Corona-Impfungen: Dehoga-Geschäftsführerin befürwortet Impfanreize

„Es ist wichtig, dass wir die Impfkampagne beschleunigen, die Politik muss mehr Werbung dafür machen“, sagte Dehoga-Geschäftsführerin Ingrid Hartges der „Augsburger Allgemeinen“. Es müsse stärker deutlich gemacht werden, dass Geimpfte „bald wieder über ihre Freiheitsrechte voll verfügen können.“ Es sei wichtig, in der jetzigen Situation Anreize für die Corona-Impfung zu setzen. „Um es klar zu sagen: Unsere Branche wird eine weitere Schließung nicht akzeptieren“, betonte Hartges. Die Politik müsse dafür Sorge tragen, dass es keinen weiteren Lockdown gebe.

Wenn wir jetzt nicht drastisch öffnen und uns an die wichtigste Regel im Pandemie-Sommer halten, nämlich draußen geht viel, drinnen muss man vorsichtig bleiben, dann kommen wir gut durch.

Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitspolitiker

Von einem solchen Szenario geht der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach derzeit nicht aus. „Die Fallzahlen steigen zwar wieder, aber das war zu erwarten mit den Lockerungen, die gerade beschlossen wurden. Sie werden auch noch weiter nach oben gehen. Wenn wir aber jetzt nicht drastisch öffnen und uns an die wichtigste Regel im Pandemie-Sommer halten, nämlich draußen geht viel, drinnen muss man vorsichtig bleiben, dann kommen wir gut durch“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ von Mittwoch.

Der Weg in England, wo für den 19. Juli das Ende aller Corona-Maßnahmen angekündigt wurde*, erzeuge derweil „nur eine Welle von chronisch kranken Long-Covid-Kranken.“ In Spanien werden hingegen aufgrund der hohen Corona-Zahlen zum Teil Strände und Bars geschlossen*. Mit Material der dpa. * kreiszeitung.de und tz.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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