Heiraten in der Pandemie

Hochzeiten 2021: Diese Regeln gelten jetzt in der Corona-Pandemie

Hochzeit trotz der Corona-Pandemie? Es ist möglich. An diese Regeln müssen sich Heiratswillige bei der Planung der Eheschließung halten. 

Meldungen über das Corona-Virus beherrschen die Nachrichten weltweit. Jeden Tag gibt es neue Zahlen, neue Informationen und Regelungen. Die Verunsicherung ist groß – auch bei vielen Brautpaaren, die in diesem Jahr heiraten wollen.

Viele Paare haben ihre Hochzeitsfeiern auf dieses Jahr verschoben, trotzdem ist nach wie vor unsicher, ob Feiern mit Freunden und Familien in diesem Jahr realisierbar sind.

Hochzeit und Corona: Das sind die aktuellen Bestimmungen

Standesamt: Die Infektionsgefahr ist weiterhin hoch und besonders Hochzeiten waren in der Vergangenheit oftmals Auslöser für größere Infektionsausbrüche. Für eine Trauung im Standesamt gilt zwingend die Einhaltung eines Hygienekonzepts - vom Abstandsgebot bis hin zum Tragen von medizinischen Masken. Die Zahl der zugelassenen Personen richtet sich nach dem verfügbaren Raum, sofern die Inzidenz unter 100 liegt.

Kirche: Trauungen in Kirchen sind unabhängig von der Zahl der teilnehmenden Personen zulässig, wenn sichergestellt ist, dass Maßnahmen aufgrund eines Hygienekonzepts getroffen werden. Auch in Kirchen gilt dies jedoch nur bis zu einer Inzidenz von 100. In den Kommunen mit einem Sieben-Tage-Inzidenzwert über 100 greift die Bundes-Notbremse. Das Infektionsschutzgesetz sieht auch für Hochzeiten keine Ausnahme vor. Private Zusammenkünfte dürfen auch dann nur mit einem Haushalt plus einer weiteren Person stattfinden.

In Niedersachsen riet die Landesregierung Anfang Januar angesichts der verschärften Corona-Infektionslage sogar vorerst von Hochzeiten ab.

Die Corona-Pandemie macht aus standesamtlichen Hochzeiten Veranstaltungen im kleinsten Kreis. Wie viele Paare sich für eine Trauung anmelden, ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich. In einigen Bundesländern haben die Standesämter trotz Corona allenfalls leichte Rückgänge bei der Zahl der bislang angemeldeten Eheschließungen für 2021 verzeichnet, in anderen mehr. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Ob sich die Pandemie auf die Zahl der Brautpaare im Norden auswirkt, lässt sich an den Anmeldungen für das laufende Jahr nach Auskunft aus Kiel, Flensburg und Norderstedt noch nicht absehen. In Norderstedt und Flensburg können aktuell nur das Brautpaar und der Standesbeamte an der Zeremonie teilnehmen, in Kiel dürfen noch Kinder des eigenen Haushalts dabei sein.

Wir bitten alle darum, wenn irgendwie möglich, in den nächsten Wochen von einer Hochzeit abzusehen.

Anke Pörksen, Regierungssprecherin im Januar

In Niedersachsen riet die Landesregierung Anfang Januar angesichts der verschärften Corona-Infektionslage sogar vorerst von Hochzeiten ab. „Wir bitten alle darum, wenn irgendwie möglich, in den nächsten Wochen von einer Hochzeit abzusehen“, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen.

Die Nachfrage nach Hochzeitsterminen bei den Standesämtern im Land war zunächst etwa so wie im Vorjahr. Bei der Planung gibt es aber teils Unterschiede: Ein Sprecher des Standesamtes in Göttingen sagte, viele Paare würden in diesem Jahr ausgefallene Orte für ihre Hochzeiten eher meiden und stattdessen ein Standesamt in der Nähe ihres Wohnortes wählen. Grund dafür sind auch die Unsicherheiten in Bezug auf die Reise- und Gästebeschränkungen.

BundeslandNiedersachsen
HauptstadtHannover
Bevölkerung 7,982 Millionen

Da Termine in der Regel erst sechs Monate im Voraus vergeben werden, können die Standesämter bislang nicht sagen, ob sich im Sommer und damit in den klassischen Hochzeitsmonaten mehr Paare das Ja-Wort geben wollen.

Eines habe sich bei den Trauungen während der Pandemie jedoch definitiv verändert, hieß es: Sie werden öfter kurzfristig abgesagt. Zum Teil bekommen die Ämter nur ein bis zwei Tage vorher Bescheid. Hochzeitstermine würden teils mehrmals verschoben, in der Hoffnung, dass sich die Corona-Situation und die Beschränkungen wieder änderten. Oft seien auch Reisebeschränkungen ein Grund für Absagen oder verschobene Termine - etwa wenn Gäste nicht anreisen können.

Die Hochzeitsfeier

Generell gilt: Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 dürfen sich Personen eines Haushalts mit höchstens einer weiteren Person treffen und somit die frische Ehe feiern. Hinzukommen können Kinder bis sechs Jahre. Die Kontaktregel für Gebiete unter einer Inzidenz von 100 hat sich dagegen geändert: Hier darf sich ein Haushalt nun mit zwei Personen aus einem weiteren Haushalt treffen. Die bisherige Regel, dass sich höchstens fünf Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen, war vom niedersächsischen Oberverwaltungsgericht gekippt worden.

Fällt die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Kommune auf unter 35, darf der entsprechende Landkreis oder die kreisfreie Stadt Treffen von bis zu zehn Personen aus maximal drei Haushalten erlauben. Kinder bis einschließlich 14 Jahre werden nicht mitgezählt. An einem solchen Treffen dürfen nur dann Personen aus einer anderen Kommune teilnehmen, wenn dort auch die Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 liegt. Ausschlaggebend sind die Infektionszahlen, die das Landesgesundheitsamt täglich für die Kommunen ausgibt.

Micro und Tiny Wedding - intime Hochzeit im kleinen Kreis

Auf das Wesentliche reduzieren und konzentrieren – das ist der Gedanke hinter einer Tiny Wedding.

Elopement: Das englische Wort für „Durchbrennen“ erklärt sich fast von selbst. Eine reduzierte und spontane Möglichkeit, sich das Ja-Wort zu geben. Meist traut sich das Paar alleine in Anwesenheit eines Fotografen oder der Trauzeugen an einem besonderen Ort. Atemberaubende Bilder in Hochzeitskleid und Anzug vor einzigartiger Kulisse zu machen stellt hier einen wesentlichen Aspekt des Hochzeitstages dar.

Micro Wedding: Eine Micro Wedding ist eine Hochzeit mit vergleichsweise wenigen Gästen, in der Regel 15 bis 30 Personen. Das „klein“ beziehen viele Paare nur auf die Anzahl ihrer Gäste und behalten ein hohes Budget bei.

Tiny Wedding: Hochzeiten, bei denen die Gästezahl reduziert ist, bezeichnet man als Tiny Wedding. Der Gedanke dahinter: Es soll darum gehen, den Tag nach den eigenen Vorstellungen mit Menschen zu verbringen, die einem am Herzen liegen. Es geht darum, sich von Konventionen und Traditionen zu lösen und stressfrei die eigene Hochzeit zu genießen.

Tiny Wedding und Hochzeitstorten

„Pandemiebedingt ist beinahe eine komplette Hochzeits-Saison ausgefallen“, sagt Heike Krohz, Konditormeisterin aus Süßen (Baden-Württemberg). Die Inhaberin des Torten- & Patisserie-Service „Suess und salzig“ hat allerdings beobachtet, wie der Trend zur Tiny Wedding durch die Coronazeit regelrecht befeuert wurde. „Genau wie das Wohnkonzept vom Tiny House ist sie nicht klein und günstig, sondern klein und fein“, sagt sie im Interview.

Ist Tiny Wedding aus der Not heraus entstanden, weil unter Corona-Bedingungen nur in kleinstem Rahmen gefeiert werden darf?
Krohz: Tiny Wedding ist mehr als eine Notlösung. Der Trend zur kleinen Hochzeit hat schon vor Corona begonnen, hat aber durch die Pandemie eine ganz neue Bedeutung erlangt. 150 Hochzeitsgäste zu haben, ist zwar toll. Aber mit wenigen Gästen entsteht mehr emotionale Nähe. Das hüllt die Hochzeitsgesellschaft wie in einen Kokon - einen Kokon aus Wertschätzung und liebevollem Miteinander. Das Brautpaar hat mehr Zeit für den einzelnen Gast, für den dann auch ein höheres Budget zur Verfügung steht. Alles wird exklusiver.
Frage: Wirkt sich das auch auf die Hochzeitstorte aus?
Krohz: Ja, das Tiny Wedding-Konzept hat auch auf die Torten abgefärbt. Statt mehrstöckigen Torten sind eher Sweet Candy Table mit einer maximal zweistöckigen Torte gefragt. Sie ist der Eyecatcher auf dem süßen Tisch, gern eingerahmt von Cake Pops, Cupcakes oder Macarons. Meist ist die eigentliche Torte sogar nur einstöckig - dafür aber richtig hoch, etwa 13 bis 15 Zentimeter. Zum Vergleich: Eine normale Torte ist meist 4 bis 5 Zentimeter hoch.
Frage: Gibt es eine Farbe, die bei den Torten-Wünschen dominiert?
Krohz: Der Trend zu „All in White“ hat durch Corona noch zugelegt. Er steht für Reinheit, Sauberkeit, Gesundheit. Außerdem ist Senfgelb gefragt sowie warme Erd-, Orange- und Rosa-Töne.
Frage: Wann sollte man die Hochzeitstorte bestellen?
Krohz: Immer so frühzeitig wie möglich, auch wenn es ein Jahr im Voraus ist. Wer im Dezember plant, im Sommer zu heiraten, sollte sich beeilen. Ich habe bereits jetzt Anfragen bis in den Oktober 2021 hinein. Dazu kommen 20 Vorbestellungen für verschobene Hochzeiten aus 2020.
Heiraten in der Corona-Pandemie: Viele Paare planen kurzfristig um oder sagen die Hochzeit ab.

Wer für dieses Jahr eine Hochzeit geplant hat, sollte sich gut informieren: Muss die Hochzeit wegen behördlicher Verbote abgesagt werden, muss das Paar auch nicht bezahlen.

Schwieriger ist die Situation bei Feiern, die erst für den Sommer oder Herbst geplant sind: Wenn der Feier kein behördliches Verbot entgegensteht, sind Kunden an bestehende Verträge gebunden. Für alle Leistungen, die nicht verboten sind, können die Anbieter bei Absagen Stornokosten verlangen. Gerade bei Hochzeitsfeiern kommen hier häufig hohe Beträge zusammen. 

Wenn die Hochzeit verschoben werden muss

Zunächst sollte daher immer mit den Veranstaltern gesprochen und gemeinsam nach einer Lösung gesucht werden, rät die Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Wenn sich keine Lösung findet, können Sie die Stornokosten hinnehmen oder abwarten: Sollten die Verbote verlängert oder sogar wieder verschärft werden, würden die Stornokosten entfallen. Diese können sich bei einer kurzfristigen Absage ohne weitere Verbote aber auch erhöhen.

  • Viel Kleid für wenig Geld: So finden Sie ein günstiges Brautkleid
  • Tipps von Kerrin Wiesener vom Bund deutscher Hochzeitsplaner
  • 1. Viele Fachboutiquen für Brautmode haben in der Regel einen kleinen Outlet-Bereich - eine Kleiderstange oder sogar eine ganze Abteilung. Die Lager dürften voll sein: „Wegen Corona haben viele Geschäfte weniger Kleider verkauft“, berichtet die Hochzeitplanerin aus Paderborn.
  • 2. Wer ein Kleid aus dem vorvorletzten Jahr auswählt, kann Geld sparen.
  • 3. Auch für Brautkleider gibt es spezielle Second-Hand-Geschäfte - online wie offline. Und sogar auf den Second-Hand-Plattformen, wie Vinted oder Mädchenflohmarkt, im Netz finden sich Hochzeitskleider.Von Privatkäufen rät Wiesener aber ab: „Fotos können auch täuschen und nicht immer können Sie die Ware vorher anprobieren.“ Auch kann man die Kleider nur selten zurückschicken, wenn sie nicht passen.
  • 4. Manches von früher ist sogar wieder angesagt, auch wenn es vielleicht dann etwas Umarbeitung und ein kleines Budget für den Schneider braucht: „Aus dem Hochzeitskleid der Oma, die vielleicht in den 1970ern geheiratet hat, könnte man sich beispielsweise ein süßes, kurzes Kleid machen lassen.“
  • 5. Sparen lässt sich vor allem, wenn man Änderungen am Brautkleid vermeiden kann. „Natürlich fällt beim Gang zum Damenschneider das Kürzen des Rocks um wenige Zentimeter oder ein Abnäher meist nicht ins Gewicht. Allerdings können Änderungen an Spitzen oder aufwendigen Applikationen teuer werden“, berichtet die Hochzeitsplanerin.
  • Es kann dagegen vergleichsweise recht günstig sein, sich ein Kleid neu anfertigen, statt es erst zu kaufen und dann ändern zu lassen. „Ab etwa 500 Euro aufwärts kann man ein zeitlos-schlichtes, maßgeschneidertes Seidenkleid bekommen“, sagt Wiesener.

Coronabedingt mussten Brautmoden-Geschäfte ihre Türen schließen. Das betraf auch Inhaberin Elena Diel und ihren Laden „Traum in Weiß“ in Hoya. Seit 15 Jahren verkauft sie Hochzeitskleider. 2020 wollte die 46-Jährige ihre neuen Räume an der Langen Straße eröffnen. Doch dann kam die Pandemie.

„Die Brautmacherin“ Martina Fischer aus Borwede ist aus der Sendung „Zwischen Tüll und Tränen“ bekannt. Um Bräuten auch in Zeiten des Lockdowns zu ermöglichen, ihr Hochzeitskleid zu finden, haben sie und ihr Team sich etwas ausgedacht.

Mit Material der dpa

Rubriklistenbild: © Ailen Diaz/ dpa

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