Ausstrahlung am 27. September

Göhrde-Doppelmorde und Fall Birgit Meier: NDR-Doku über spektakuläre Ermittlungen

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Polizeifotos zeigen die 46 jährige Ingrid W. aus Uelzen und ihren 43-jährigen Freund, Bernd-Michael K. aus Hannover, die in einem Waldgebiet bei Göhrde (Niedersachsen) im Juni 1989 ermordet wurden.

Die beiden spektakulären Göhrde-Doppelmorde und das Verschwinden einer reichen Unternehmergattin haben 1989 Norddeutschland in Atem gehalten. Dank ihrem Bruder wurden die Fälle wieder aufgerollt. Der NDR hat ihn begleitet und ist bei einem Schlüsselmoment live dabei.

Hamburg/Göhrde - Von Christiane Bosch. 28 Jahre lang blieben fünf Morde in der Region um Lüneburg ungeklärt. Die Polizei hatte die Ermittlungen über Jahre immer wieder aufgenommen - und ergebnislos eingestellt. Es geht um zwei grausame Doppelmorde im Staatsforst Göhrde und um die verschwundene Birgit Meier. Erst ihr Bruder, ein pensionierter hochrangiger Polizist, bringt am Ende so viel Bewegung in die Ermittlungen, dass nicht nur der Mörder seiner Schwester überführt wird. Gemeinsam mit einer privaten Ermittlergruppe kann er sogar die Leiche der 41-Jährigen finden. Der Mörder hatte sie 1989 in seiner Garage einbetoniert.

Doku-Ausstrahlung am 27. September

Diese wahre Geschichte um das Verschwinden der wohlhabenden Unternehmergattin Birgit Meier aus dem Jahr 1989 ist wie gemacht für einen fesselnden Spielfilm. 2020 wird sie als Dreiteiler vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) und ARD Degeto mit Matthias Brandt ins Fernsehen kommen. Zuvor aber sendet der NDR eine TV-Dokumentation über den unermüdlichen Hamburger Polizisten Wolfgang Sielaff: Der 90-Minüter „Eiskalte Spur - Die Göhrde-Morde und die verschwundene Frau“ wird am 27. September, 20.15 Uhr, im NDR ausgestrahlt.

„Behandeln Sie das Haus wie einen Tatort!“

In derDokumentation erinnert sich Sielaff an alle Schlüsselmomente der Tragödie wie den ersten Anruf seiner Nichte mit dem Satz „Die Mama ist weg“. Und dass ihm, dem einflussreichen Hamburger LKA-Chef, im benachbarten Bundesland Niedersachsen die Hände gebunden waren. Dennoch bittet er die Lüneburger Kollegen eindringlich: „Behandeln Sie das Haus wie einen Tatort!“.

Thilo Speich (l.), stellvertretender Leiter der Ermittlungsgruppe Göhrde bei der Polizeidirektion Lüneburg, und Jürgen Schubbert, Leiter der Ermittlungsgruppe Göhrde bei der Polizeidirektion Lüneburg, halten in der Asservatenkammer Teile eines Revolvers in den Händen.

Genutzt hat es nichts. Die Beamten vergessen, grundlegende Spuren aufzunehmen. Sie gehen davon aus, dass die 41-Jährige freiwillig untergetaucht ist, oder aber sich etwas angetan hat. Von einem Tötungsdelikt gehen sie erst viel später aus. Der erste Verdacht fällt auf den Ehemann. Er lebte mit Meier in Trennung und wollte sich scheiden lassen. Die Vermisste hätte durch die Trennung fast eine Million Mark bekommen. Doch die Polizei liegt falsch, der Täter war nicht der Ehemann.

Fall Birgit Meier gerät ins Hintertreffen

Die Lüneburger Polizei ermittelt 1989 auch deshalb so halbherzig, weil fast alle Fachleute in einer Sonderkommission wegen der zwei spektakulären Göhrde-Doppelmorde gebraucht werden. Vor dem Hintergrund dieser kaltblütigen Verbrechen, gerät der Fall Birgit Meier ins Hintertreffen.

Doch Sielaff hat der Fall seiner Schwester nie losgelassen. Nach seiner Pensionierung schaut er deshalb noch einmal genauer auf die Akten. „Zu meinem Entsetzen musste ich dann 2003 feststellen, dass die letzten neun, zehn Jahre überhaupt nichts mehr passiert war. Das war das für mich beinah Traumatische“, erzählt er in der Doku.

Team findet vor laufender Kamera Knochen

Sielaff stellt in Folge dessen ein Team aus Profis zusammen, das mit ihm gemeinsam den Fall wieder aufrollt. Darunter sind der ehemalige Chef der Hamburger Staatsanwaltschaft, Martin Köhnke, der Chef der Hamburger Rechtsmedizin, Klaus Püschel, Strafverteidiger Gerhard Strate und der einstige Hamburger LKA-Leiter Reinhard Chedor.

Drei Jahre lang hat Björn Platz das private Ermittlungsteam bei der akribischen Suche nach weiteren Puzzleteilen begleitet. Und so ist der NDR-Reporter nicht nur dabei, wenn das Team alte Akten durchstöbert, den Dachboden im Haus des mutmaßlichen Serienmörders Kurt Wichmann in Augenschein nimmt, die nächsten Schritte berät und alte Beweisstücke erneut untersucht werden. Im September 2017 findet das Team sogar vor laufender Kamera die Knochen von Sielaffs Schwester - im Boden von Wichmanns Garage.

Einmaliger Fall in der deutschen Kriminalgeschichte

Die Dokumentation sei auch ein Film über Versäumnisse, sagt Platz dazu. Die Angehörigen der Opfer litten extrem unter der Ungewissheit und der Ohnmacht, schildert Platz. Besonders wenn sie das Gefühl hätten, dass die Polizei und die Staatsanwaltschaft nichts unternehmen. „Dieser Fall ist absolut einmalig in der deutschen Kriminalgeschichte. Wo gibt es das schon, dass jemand eine private Soko gründet und das schafft, was die Polizei nicht vermag?“, sagt Platz dazu.

Für Sielaff war der Tag des Leichenfundes eine Erlösung, wie er in der Dokumentation sagt. Als er dort stand und die Knochen gesehen habe, da sei eine Schockwelle durch seinen Körper geflutet. Aber zugleich auch eine große Erleichterung.

Mörder von Meier an Göhrde-Morden beteiligt

Kurz nach dem Leichenfund kann auch die Lüneburger Polizei einen Erfolg vermelden: Der Mörder von Meier war auch an den Göhrde-Morden beteiligt. Seine DNA findet sich in einem der Opferautos, die der Täter aus der Göhrde mitgenommen hatte.

Die Geschichte rund um Sielaff und die Göhrde-Morde wird ergänzt um nachgestellte Szenen, Zeitungsausschnitte, Fotos von Tatort, Fernsehberichte aus der damaligen Zeit und Einblicke in das Haus des Serienmörders. Außerdem drehte der NDR mit den Ermittlern, die derzeit die Göhrde-Morde bearbeiten und den Polizisten, die 2016 den Mörder von Birgit Meier überführen konnten.

Verantwortlich für weitere, ungeklärte Morde?

Zu den Akten kann der Fall Wichmann dennoch noch nicht gelegt werden. Noch immer wird deutschlandweit geprüft, ob er für weitere, ungeklärte Morde als Täter in Frage kommt. Verurteilen kann man den Mann allerdings nicht mehr. Er war 1993 wegen eines anderen Vergehens in Untersuchungshaft gekommen und hatte sich dort umgebracht - „wahrscheinlich auch, weil er sicher war, dass man ihn schnell der Morde überführen würde“, sagt NDR-Reporter Platz dazu. „Er konnte ja nicht wissen, dass das noch fast 30 Jahre dauern würde.“

dpa

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