1. leinetal24
  2. Niedersachsen

DLRG zieht Bilanz: 23 Menschen ertrinken in erster Jahreshälfte 2022 in Niedersachsen

Erstellt:

Von: Johannes Nuß

Kommentare

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft hat die Bilanz für das erste Halbjahr 2022 vorgestellt. Allein in Niedersachsen ertranken bis Juli 23 Menschen.

Bad Nenndorf/Damp – In der ersten Jahreshälfte 2022 sind in Niedersachsen mehr Menschen ertrunken als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Insgesamt starben von Januar bis Juli 2022 genau 23 Menschen in dem Bundesland beim Baden – im Vorjahreszeitraum waren es 15. Nur in Bayern und Nordrhein-Westfalen ertranken im gleichen Zeitraum mehr Menschen. Das gab die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Donnerstagvormittag, 4. August 2022, während einer Pressekonferenz zur Halbjahresbilanz im schleswig-holsteinischen Damp an der Ostsee bekannt.

DLRG Halbjahresbilanz: Männer in Bremen und Niedersachsen ertrinken häufiger als Frauen

Jeweils sechs Menschen ertranken nach Angaben der Bad Nenndorfer in einem See oder Fluss, fünf in einem Teich, zwei in einem Kanal. Die übrigen starben etwa in Hafenbecken oder im Meer. In Bremen ertranken in dem Zeitraum zwei Menschen – nach drei Badetoten im Vorjahreszeitraum. Erst Mitte Juli 2022 war ein Mann im Badesee in Ganderkesee ums Leben gekommen.

Mitglieder der DLRG (Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft) stehen am Strand von Dangast in Niedersachsen.
In 23 Fällen konnten die Rettungsschwimmer der DLRG in Niedersachsen nicht helfen. Die Menschen ertranken. (Archivbild) © Sina Schuldt/dpa

Wie vor einem Jahr waren in beiden Bundesländern vor allem Männer betroffen. In Niedersachsen waren in dem Zeitraum 20 Männer unter den Opfern, aber nur drei Frauen. In Bremen starben zwei Männer, eine Frau war nicht unter den Badetoten.

In ganz Deutschland ertranken in der gleichen Zeit insgesamt 199 Menschen. Das sind 15 Personen mehr als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr (Stichtag 20. Juli). 

DLRG gibt auskunft über Badetote: Seit Beginn der Badesaison im Mai sterben 136 Menschen

Insgesamt 136 Menschen kamen seit Beginn der Badesaison Anfang Mai im Wasser ums Leben, neun mehr als im Vergleichszeitraum 2021. „Der trockene und sehr warme Mai hat viele Menschen direkt zu Wassersport und Erholung an die Gewässer gelockt. Dabei kam es vermehrt zu Unfällen in den noch kühlen Gewässern“, erklärte die Präsidentin der DLRG, Ute Vogt. Im Mai ertranken 30 Frauen, Männer und Kinder (2021: 11).

Die Mehrzahl aller Unfälle ereignet sich in Niedersachsen weiterhin an zumeist unbewachten Gewässern. In Freigewässern wie Flüssen und Seen ertranken 180 Menschen, das entspricht 90 Prozent der Fälle. Während in Seen ebenso viele Personen wie im Vorjahr (86) ertrunken sind, ist die Anzahl in den Flüssen von 53 auf 64 gestiegen.

„Wir appellieren an die Vernunft der Menschen, nicht in völlig unbeaufsichtigten Seen und schon gar nicht in Flüssen schwimmen zu gehen. Wenn dort etwas passiert, ist die Aussicht auf lebensrettende Hilfe oft gleich null“, so Ute Vogt.

DLRG zieht Halbjahresbilanz: Vier Menschen kommen in Ost- und Nordsee ums Leben

In Nord- und Ostsee sind bisher vier Menschen ums Leben gekommen, deutlich weniger als 2021 (16). Dort werden zwischen Mai und September 2022 an sieben Tagen in der Woche viele Strände von – zumeist ehrenamtlichen – Rettungsschwimmern bewacht. Auch in Schwimmbädern (5), Hafenbecken (4) und Pools (1) kamen Personen zu Tode.

Vier von fünf Opfern sind männlich. 87 Verunglückte (44 Prozent der Gesamtzahl) waren älter als 50 Jahre, zehn waren Kinder im Vor- und Grundschulalter. Die meisten Personen ertranken in Bayern (42), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (30) und Niedersachsen (23).

Was ist die DLRG?

Die DLRG ist mit mehr als 1,8 Millionen Mitgliedern und Förderern die größte Wasserrettungsorganisation der Welt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1913 hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Schirmherr ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die DLRG ist der größte private Anbieter in der Schwimmausbildung und die Nummer eins in der Rettungsschwimmausbildung in Deutschland.

Von 1950 bis 2020 hat sie fast 23 Millionen Schwimmprüfungen und mehr als fünf Millionen Rettungsschwimmprüfungen abgenommen. In rund 2000 Gliederungen leisten die ehrenamtlichen Helfer pro Jahr rund 6,8 Millionen Stunden freiwillige Arbeit für die Menschen in Deutschland.

Die Kernaufgaben der DLRG sind die Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung, die Aufklärung über Wassergefahren sowie der Wasserrettungsdienst. Rund 45.000 Mitglieder wachen jährlich fast 2,5 Millionen Stunden über die Sicherheit von Badegästen und Wassersportlern. (Quelle: dlrg.de)

„Die Zahl der Ertrunkenen wäre noch deutlich größer, wenn Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer nicht auch immer wieder zur Stelle wären“, berichtete der Leiter Verbandskommunikation im DLRG Präsidium, Frank Villmow. Täglich erhalte er derzeit Meldungen über Lebensrettungen der Einsatzkräfte an den Badestellen im Binnenland und den Stränden an der Küste.

DLRG zieht Halbjahresbilanz: Häufigste Ursachen für Ertrinken ist Selbstüberschätzung und Unkenntnis

„Immer wieder zeigt sich, dass vor allem Selbstüberschätzung, übermütiges Handeln und Unkenntnis über Gefahren zu Unfällen führen“, sagte Villmow, der in Berlin seit Jahrzehnten auch Landeseinsatzleiter ist. In vielen Fällen stellten die Retter hinterher fest, dass die Geretteten kaum oder gar nicht schwimmen können. Oft handele es sich bei den Geretteten um Kinder und Jugendliche. Im Hinblick auf die kommenden Sommerwochen appellierte Villmow deshalb an alle Badegäste und Schwimmer, sich vorsichtig zu verhalten, Gefahren zu meiden, die Baderegeln zu befolgen und auf seine Mitmenschen zu achten.

Den Blick in die Zukunft gerichtet, befürchtet DLRG Chefin Ute Vogt, dass die Sicherheit an den Gewässern leiden könnte. Während der Pandemie haben viel weniger Kinder als üblich das Schwimmen gelernt und es wurden nur halb so viele Rettungsschwimmer ausgebildet wie in normalen Jahren. Auch deshalb mussten in diesem Sommer Mitglieder der DLRG aus Wildeshausen als Rettungsschwimmer an der Ostsee aushelfen.

Im Ergebnis suchten viele Freibäder vergeblich Personal für die Badeaufsicht und auch der DLRG fiel die Besetzung der Stationen an Nord- und Ostsee vor den Sommerferien deutlich schwerer als gewöhnlich. Am Staller See in Stuhr beispielsweise, überwacht die DLRG Weyhe.

DLRG zieht Halbjahresbilanz: Bäder sollen zur Rettungsschwimmausbildung trotz Gasknappheit offen bleiben

Vogt: „Sowohl in der Schwimm- als auch in der Rettungsschwimmausbildung sind weitere große Anstrengungen nötig, um das Verlorene aufzuholen.“ Deshalb müsse auch ein erneuter flächendeckender Lockdown der Schwimmbäder im Falle eines Energie-Engpasses im Herbst und Winter so lange wie möglich vermieden werden. In diesem Zusammenhang forderte die DLRG Anfang der Woche die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder auf, die Kommunen dabei zu unterstützen, die für die Ausbildung geeigneten Bäder auch bei Gasknappheit so lange es geht geöffnet zu lassen.

„Einen Beitrag zum Energiesparen könne die Bäderlandschaft aber leisten. Hierzu hat die Bäderallianz Deutschland einen Vorschlag gemacht, den wir unterstützen“, so Vogt. Dieser Vorschlag ziele auf einen Drei-Stufenplan ab, der zunächst die Abschaltung beheizter Außenbecken vorsieht, dann das Schließen aller rein freizeitorientierten Becken und schließlich das Absenken der Wassertemperatur in Sport- und Lehrschwimmbecken auf 26 Grad. (mit Material der dpa)

Auch interessant

Kommentare