Normalität und Eindämmung

Coronavirus-Lockerungen: Diese Regeln gelten im Mai in Niedersachsen

Das Coronavirus ist noch lange nicht besiegt, aber in Niedersachsen werden bereits Lockerungen umgesetzt. Ziel ist es, eine Balance zwischen Eingriffen in den Alltag der Menschen und der Eindämmung der Corona-Pandemie zu schaffen. Ein Überblick.

  • Anti-Corona-Maßnahmen werden in Niedersachsen seit Ende April schrittweise gelockert
  • Einige Regeln bleiben bestehen, andere werden erneuert oder abgeschafft
  • Corona-Notbremse soll beim erneuten Anstieg von Infektionszahlen in Kraft treten

Hannover - In Zusammenarbeit mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den übrigen Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Bundesländer hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) die Aufgabe, regional sinnvolle Lockerungen in der Corona-Krise umzusetzen. Nach Beratungen unter der Woche legt das Land seine Corona-Verordnung bis zum Wochenende neu auf, mit deutlich geringeren Einschränkungen für die Menschen als in den vergangenen Wochen. Dieser Artikel gibt einen Überblick.

Einige Änderungen wurden bereits zum 4. und 6. Mai umgesetzt, so zum Beispiel ist das Öffnen von Friseursalons wieder möglich - selbst wenn die Anti-Corona-Maßnahmen es schwierig machen, dass auch Kinder einen professionellen Haarschnitt erhalten, berichtet kreiszeitung.de*. Autokinos sprießen in Niedersachsen seit einigen Wochen wie Pilze aus dem Boden - mittlerweile gibt es auch auf Landesebene eine einheitliche Regelung zum Betrieb der beliebten Ausflugsziele.

Lockerungen und bestehende Corona-Maßnahmen im Detail

Gastronomie: Die Niedersachsen können sich wieder bekochen lassen. Von Montag an dürfen Restaurants, Gaststätten, Cafés und Biergärten öffnen, dabei jedoch maximal die Hälfte der Plätze vergeben. Die Kunden müssen zudem vorher reservieren und ihre Kontaktdaten hinterlassen, damit im Fall der Fälle mögliche Infektionsketten nachverfolgt werden können. Selbstbedienung und Buffets sind untersagt. Bars, Kneipen und Diskotheken bleiben noch geschlossen.

Einkaufen: Von Montag an dürfen alle Geschäfte - unter Auflagen - wieder öffnen. Die Beschränkung der Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter entfällt ebenso wie die Berücksichtigung der Branche, was zum Beispiel die Möbelhäuser freut. Allerdings müssen Mindestabstände und andere Hygienestandards eingehalten werden.

Mithilfe der Maskenpflicht ist das Einkaufen unter anderem im Supermarkt möglich.

Tourismus und Reisen: Der Urlaub wird wieder möglich - und zwar von Montag an zunächst in Ferienwohnungen und -häusern, auf Campingplätzen, Booten und im Wohnmobil. In die Ferienwohnungen dürfen aber nur alle sieben Tage neue Gäste kommen: Die sogenannte „Wiederbelegungsfrist“ bedeutet, dass eine Wohnung zum Beispiel nach einer viertägigen Belegung drei Tage frei bleiben muss. Für die anderen Unterkünfte gilt das nicht, sie dürfen aber nur die Hälfte der Plätze vergeben. Hotels dürfen erst am 25. Mai wieder Gäste begrüßen. Freizeitparks und Draußen-Eventcenter wie Kletterparks starten nach und nach im Verlauf des Mais ihren Betrieb.

Betreuung von Kindern: Die Betreuungsmöglichkeiten werden ausgeweitet, allerdings in mehreren Stufen. Bereits von Montag an soll die Kindertagespflege in den regulären Betrieb zurückkehren, zuerst über einzelne Tagesmütter und -väter, vom 18. Mai an dann mit Großpflegestellen. Ebenfalls vom 18. Mai an soll die Betreuungsquote von zuletzt knapp sechs Prozent nach und nach auf bis zu 40 Prozent steigen. Die Rückkehr zum Regelbetrieb in den Kitas ist erst für den 1. August geplant.

Unterricht in Schulen: Nach den Abschlussjahrgängen 4, 9/10 und 13 geht es am Montag auch für die Stufe 12 zurück in die Klassenräume. Eine Woche später folgen die Drittklässler und die Jahrgänge 9/10 ohne Abschlussprüfung. Ziel ist, dass Schritt für Schritt alle Klassen noch vor den Sommerferien wieder in die Schule gehen können.

Physiotherapie ist in Niedersachsen wieder in vollem Umfang möglich.

Kosmetik-Betriebe und Physiotherapeuten: Sogenannte „personennahe Dienstleistungen“ mit ähnlichen Hygiene-Voraussetzungen wie Friseure werden von Montag an zugelassen. Als Beispiele nennt die Landesregierung Kosmetiksalons, Maniküre und Massagen, die nicht medizinisch notwendig sind. Die Details soll die für Samstag erwartete neue Corona-Verordnung klären. Die Friseure haben bereits seit Montag wieder geöffnet. Bartpflege und Wimpernfärben sind davon allerdings wegen arbeitsschutzrechtlicher Vorgaben ausgenommen. Physiotherapeuten können wieder in vollem Umfang tätig werden.

Sport und Freibäder: Hier ändert sich am Montag nichts, weil eine Reihe von Lockerungen schon erfolgt ist. Seit Mittwoch ist kontaktloser Sport im Freien wieder möglich. Eine Beschränkung nach Sportarten gibt es dabei nicht, allerdings muss ein Zwei-Meter-Abstand jederzeit gewahrt werden. Die nächste Neuerung ist für den 25. Mai geplant, dann sollen die Freibäder unter Auflagen öffnen dürfen.

Veranstaltungen und Events: Große Events mit mehr als 1000 Teilnehmern wird es frühestens im September wieder geben. Aber auch kleinere öffentliche Veranstaltungen sind noch untersagt - eine schrittweise Öffnung sieht Niedersachsens Stufenplan erst in Phase vier vor, die frühestens Anfang Juni greifen soll. Gottesdienste sind dagegen schon jetzt wieder möglich. Für Demonstrationen sind Ausnahmegenehmigungen drin.

Kontaktverbot: Die Zwei-Personen-Regel wird etwas gelockert. Mitglieder aus einem Hausstand dürfen sich von Montag an mit denen eines anderen Hausstands treffen, etwa auch im Restaurant. Ob die Teilnehmerzahl dabei beschränkt wird oder nicht, war nach den Bund-Länder-Beratungen für Niedersachsen noch nicht entschieden.

Die Maskenpflicht bleibt in Niedersachsen mindestens bis in den Juni bestehen.

Maskenpflicht: Ein Ausstiegsdatum für die verpflichtende Mund-Nase-Bedeckung beim Einkaufen und im Nahverkehr gibt es noch nicht - auch nicht im Fünf-Stufen-Plan der Landesregierung, der sich über mehrere Wochen bis tief in den Juni erstreckt. Stoffmasken und Tücher dürften also auch im Sommer noch vielerorts das Bild prägen.

Corona-Notfallmechanismus: Um nicht unkontrolliert in eine zweite Infektionswelle zu geraten, haben sich Bund und Länder im Zuge der neuen Lockerungen auf eine Notbremse verständigt. Dazu wird die Zahl der Neuinfektionen auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte betrachtet: Gibt es binnen sieben Tagen mehr als 50 neue Fälle pro 100.000 Einwohner, müssen umgehend neue Beschränkungen greifen. In Niedersachsen liegen alle Regionen bislang deutlich unter der Marke. Ministerpräsident Weil hat angekündigt, dass das Land im Zweifelsfall auch vor Erreichen der Obergrenze eingreifen würde. Am Freitag spricht die Landesregierung Niedersachsen über eine neue Corona-Verordnung.

Mit Material der dpa.

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