Skifreizeit in Südtirol

Gesundheitsamt testet Schüler aus Hoya auf Coronavirus - Ergebnis gibt Aufschluss

Das Johann-Beckmann-Gymnasium traf vor der Skireise einige Vorkehrungen aufgrund des Corona-Risikos in Italien. Foto: HORST FRIEDRICHS
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Das Johann-Beckmann-Gymnasium traf vor der Skireise einige Vorkehrungen aufgrund des Corona-Risikos in Italien.

23 Jugendliche des zwölften Jahrgangs und drei Lehrer des Johann-Beckmann-Gymnasiums (JBG) in Hoya befanden sich kürzlich auf einer Klassenfahrt in Südtirol (Italien). Diese Ferien hatten sich ungeplant verlängert - zur Schule mussten sie auch anschließend erst einmal nicht.

  • Schüler aus Hoya (Landkreis Nienburg) waren auf Klassenfahrt in Südtirol (Italien)
  • Gesundheitsamt des Kreises Nienburg ordnete häusliche Quarantäne an
  • Gesundheitsamt untersuchte alle Schüler negativ aus Hoya auf Sars-CoV-2-Erreger

Update, 9. März: „Der Landkreis Nienburg bleibt Corona-frei. Alle Tests sind negativ. Niemand aus der Hoyaer Gruppe hat sich mit dem Virus infiziert“ – das bestätigte Cord Steinbrecher, Pressesprecher des Landkreises Nienburg, Montag auf Nachfrage der Kreiszeitung. Bei vier Kursteilnehmern sei lediglich eine Influenza diagnostiziert worden.

Zum Hintergrund: Am Sonntagmorgen um 0.30 Uhr kam die Reisegruppe des Johann-Beckmann-Gymnasiums (JBG) aus Hoya, bestehend aus 23 Schülern und drei Lehrern, von ihrem Skikurs aus Südtirol zurück. Da das Robert-Koch-Institut (RKI) das Gebiet am Freitag kurzfristig zum Corona-Risikogebiet erklärte, empfing vorsichtshalber ein Team des Kreisgesundheitsamts Nienburg die Gruppe bei ihrer Ankunft. Dafür hatten Amtsärztin Heike Stiegler und Hygienedirektor Christoph Rosinski ihr medizinisches Lager unter der überdachten Bushaltestelle des Schulzentrums eingerichtet, die Feuerwehr aus Hoya sorgte für die Ausleuchtung des Platzes, sagte Steinbrecher, der am frühen Sonntagmorgen selbst vor Ort war.

Negative Corona-Tests: Quarantäne dennoch angeordnet

„Rund die Hälfte Teilnehmer hat Erkältungssymptome gezeigt, woraufhin bei ihnen Abstriche gemacht worden sind“, fügte der Pressesprecher hinzu. Zudem sei jedem ein Tagebuch ausgehändigt worden, worin sie zweimal täglich ihre Körpertemperatur festhalten sollen. „Zusätzlich werden sie einmal täglich vom Gesundheitsamt angerufen, um ihren Zustand anzugeben“, sagte Steinbrecher.

Auch wenn die Corona-Tests negativ sind, die angeordnete 14-tägige Quarantäne gelte nach wie vor für die Teilnehmer der Reisegruppe und werde nicht aufgehoben. „Die Test könnten falsch-negative Ergebnisse gezeigt haben. Das kann passieren, wenn die Erkrankung noch nicht soweit fortgeschritten ist beziehungsweise die Virusbelastung im Körper zum Zeitpunkt des Abstriches noch nicht so hoch war“, erklärt der Pressesprecher.

JBG-Schulleiter Lutz Bittner freut sich über die „negativen“ Nachrichten. „Ich bin wirklich froh. Jetzt bereiten wir uns darauf vor, den Schülern während der Quarantäne-Zeit den Stoff mit digitaler Technik zur Verfügung stellen zu können“, äußerte er sich auf Nachfrage.

Update, 6. März: Hoya - „Es handelt sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, und allen Kursteilnehmern in Südtirol geht es gut“ – das teilte Lutz Bittner, der Schulleiter des Johann-Beckmann-Gymnasiums (JBG) in Hoya, am Freitag allen Schülern und Lehrern der Einrichtung mit.

Das Auswärtige Amt hat die Reise- und Sicherheitshinweise für Italien aktualisiert und rät jetzt Bundesbürgern von Reisen auch nach Südtirol ab.

Wie berichtet, dürfen 23 Schüler und drei Lehrer nach ihrem Skikurs in Südtirol am Montag nicht zurück in die Schule kommen. Das Kreisgesundheitsamt Nienburg ordnete am Donnerstag für die Reisegruppe nach deren Rückkehr mit dem Bus eine 14-tägige häusliche Quarantäne an. Dazu äußerte sich Bittner am Freitag gegenüber der Kreiszeitung.

Klassenfahrt im Coronavirus-Risikogebiet: Vorsichtsmaßnahmen für Schüler in Südtirol

„Der Leiter der Skigruppe, Alexander Nadig, und ich standen jeden Tag im telefonischen Kontakt. Er teilte mir mit, dass in der Umgebung Südtirols schon einiges los sei in Bezug auf das Coronavirus. Zudem habe ein Schüler morgens Kopfschmerzen gehabt, und er wollte sich informieren, wie er sich nun verhalten solle“, schilderte Bittner. Daraufhin sei ein Arzt vor Ort kontaktiert worden. Jedoch sei der Zustand des Schülers „nicht weiter schlimm“ gewesen. 

Trotzdem habe Nadig angeregt, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreife, falls jemand aus dem Skikurs betroffen sein sollte. Schulleiter Bittner informierte daraufhin das Gesundheitsamt des Landkreises Nienburg. Das zuständige Amt habe der Reisegruppe ein Maßnahmenpaket per E-Mail zukommen lassen. Dies enthielt Anweisungen, wie sie sich in der nächsten Zeit zu verhalten haben. „Laut der Info des Gesundheitsamts sollten die Schüler selber Kontakt mit ihren Eltern aufnehmen“, sagte Bittner.

Coronavirus-Gefahr: Gesundheitsamt testet Schüler nach Rückkehr aus Südtirol

Ein Team vom Gesundheitsamt wird die Gruppe in Deutschland empfangen, um diejenigen auf das Coronavirus zu testen, die Symptome zeigen. Das bestätigte Cord Steinbrecher, Pressesprecher des Landkreis Nienburg. Zudem würden für die Teilnehmer einige Auflagen gelten. Unter anderem solle der Kontakt zwischen Geschwistern und Eltern auf ein Minimum reduziert werden, berichtete der Schulleiter. Die genauen Anweisungen kenne er jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ob die angeordnete Quarantäne auch für den Busfahrer gelte, wisse man nicht, sagte Cord Steinbrecher. „Dieser kommt von einem Busunternehmen aus Dresden. Das dortige Gesundheitsamt ist für ihn zuständig“, erklärte er. 

Bereits vor der Reise habe das JBG gewisse Vorkehrungen getroffen. „Wir hatten keine Chance auf eine Kostenrückerstattung“, erklärte der Schulleiter. Er habe sich über die Rechtslage informiert. Diese sei eindeutig gewesen: Eine Erstattung würde es nur geben, wenn eine offizielle Reisewarnung durch das Robert-Koch-Institut (RKI) beziehungsweise die Bundesregierung ausgesprochen werde. „Die gab es zu dem Zeitpunkt definitiv nicht. Das Ziel der Reise galt als nicht risikobehaftetes Gebiet“, fügte er hinzu. Darüber hinaus informierte Nadig im Voraus alle Eltern und ließ ihnen die Wahl, ob sie ihr Kind mitfahren lassen möchten. „Einer der Teilnehmer hat sich entschieden, nicht mitzukommen“, sagte Bittner gegenüber kreiszeitung.de*.

Coronavirus-Gefahr nach Klassenfahrt nach Südtirol: Schule soll auf Verdacht frühzeitig reagieren

Einige Grippesymptome werden oftmals mit dem Coronavirus verwechselt. Wie sieht der derzeitige Krankenstand am Gymnasium aus? Alles sei „völlig normal“, sagt Bittner. Im Kollegium herrsche ein „funktionaler Betrieb“. „Dass ein Kind einmal wegen Bauch- oder Kopfschmerzen nach Hause geht, ist nichts, worüber man sich Sorgen machen muss“, erklärte er. 

Wie sieht der Notfallplan des JBG aus, falls es doch zu einer Erkrankung kommt? Laut Angaben von Bittner habe die Schule bereits von Seiten der Landesschulbehörde und dem Kultusministerium Informationen erhalten. „Unsere Aufgabe ist es, frühzeitig auf einen Verdacht zu reagieren, diesen weiter zu melden und dafür zu sorgen, dass schnell eine Entscheidung des Kreisgesundheitsamts fallen kann“, erklärte er. 

Es könnte jedoch sein, dass das Gesundheitsamt in Absprache mit der Landesschulbehörde in einem solchen Fall entscheidet, dass die Lehreinrichtung vorübergehend geschlossen wird. Dies liege jedoch nicht in der Hand des Gymnasiums. 

„Vor ein paar Jahren gab es die Grippewelle mit mehr als 300.000 Erkrankten in Deutschland. Soweit ich mich erinnere, sind damals auch kaum Schulen geschlossen worden. Ich denke, man ist jetzt so vorsichtig, um Schulschließungen vermeiden zu können, weil noch nicht genug über das Virus bekannt ist.“, erklärt Bittner. Die betroffenen Schüler dürfen aufgrund der Entscheidung des Gesundheitsamts nun 14 Tage lang nicht am Unterricht teilnehmen. Wie können sie den verpassten Stoff nachholen? Aufgrund des Vorfalls seien der Klausurenplan bereits geändert und einige anstehenden Arbeiten verschoben worden, sagte der Schulleiter. Darüber hinaus würden die Schüler den Stoff digital zur Verfügung gestellt bekommen.

Coronavirus: Zwölfklässler aus Hoya müssen nach Italienreise in Quarantäne

Erstmeldung, 5. März: Hoya - Von Mareike Hahn und Nala Harries. Das Gesundheitsamt des Landkreises Nienburg ordnete für alle Teilnehmer eine 14-tägige häusliche Quarantäne an. Nach Angaben von Cord Steinbrecher, Pressesprecher des Landkreises Nienburg, reist die Gruppe am Wochenende zwar wie geplant mit dem eigenen Bus nach Hoya zurück. „Angesichts der bei Skifreizeiten üblicherweise auftretenden Erkältungssymptome hat das Kreisgesundheitsamt jedoch rein vorsorglich eine 14-tägige häusliche Quarantäne angeordnet“, sagt Steinbrecher.

Coronavirus: Schüler bleiben nach Italienreise vorsorglich zu Hause

Hoyas Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer ist „nicht ohne Sorge“, hält es aber für wichtig, „eine gewisse Gelassenheit zu bewahren“. Er begrüßt die Vereinbarung der Schulleitung und der Amtsärztin, dass die Schüler nach ihrer Rückkehr aus Südtirol/Italien vorsorglich zunächst zu Hause bleiben sollen.

Eine Stellungnahme von Lutz Bittner, dem Schulleiter des JBG, konnte nicht eingeholt werden, da dieser am Donnerstagabend nicht erreichbar war. Ein Mitglied des Lehrerkollegiums gab aufgrund „strenger Kommunikationsregeln“ keine Auskunft über das Geschehen.

Coronavirus: Schüler und Eltern entschieden zuvor über Reise nach Italien

Laut Angaben von Lüder Görtmüller aus Hilgermissen, dem Vater einer Schülerin, die zu der Reisegruppe in Italien gehört, traf die Lehreinrichtung bereits vor dem Ausflug einige Vorkehrungen aufgrund des Corona-Risikos in Italien. „Die Schule hat sich unter anderem darüber informiert, ob es eine Reisewarnung gibt, die zu dem Zeitpunkt nicht bestand. Außerdem haben sie uns als Eltern nach unserer Meinung gefragt. Jeder konnte selbst entscheiden, ob sein Kind die Reise antritt oder nicht“, sagt er.

Seine Tochter Lara Görtmüller habe ihm mitgeteilt, dass einige wenige Eltern dieses Angebot angenommen und den Ausflug nach Südtirol storniert hätten. Dem JBG könne man seiner Meinung nach nichts vorwerfen. Auf die Frage, ob er die Entscheidung des Kreisgesundheitsamts Nienburg für berechtigt hält, sagt er: „Ich finde das alles etwas übertrieben, aber wenn es dem allgemeinen Wohl dient, dann machen wir das eben so.“

Coronavirus: Angespannte Lage in Italien

Er vermute, viele Schüler seien wohl unzufrieden, zwei Wochen lang nach ihrem Ausflug noch zu Hause bleiben zu müssen. „Vielen geht es darum, dass sie durch ihr Fehlen einiges an Stoff verpassen“, meint Lüder Görtmüller. Lara Görtmüller hingegen sehe die Situation laut seinen Angaben relativ entspannt.

Aber sind die Eltern nach der Rückkehr ihrer Kinder ebenfalls zu einer häuslichen Quarantäne verpflichtet worden? Bisher habe Lüder Görtmüller noch keine Informationen darüber erhalten. Im Radio habe er allerdings gehört, dass direkte Verwandte von Betroffenen aus Baden-Württemberg machen könnten, was sie möchten. Nur die unter Quarantäne gestellten Personen müssten daheim bleiben. „Sinnvoller wäre es dann natürlich, wenn alle Schüler gemeinsam in Quarantäne gingen“, meint der Familienvater.

In Niedersachsen und Bremen berichten die Behörden aktuell - Stand Donnerstagabend - von 21 bestätigten Coronavirus-Infektionen. Insbesondere Niedersachsen meldete in den vergangenen Tagen immer wieder neue Fälle.

*kreiszeitung.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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