Branche in der Krise

Hochzeit ja, Party nein – warum Heiraten in Corona-Zeiten weiterhin schwierig werden kann

Heiraten während der Coronavirus-Pandemie fordert ein genaues Planen. Viele Brautpaare in Niedersachsen haben ihre Hochzeit abgesagt oder auf schon 2021 verschoben. Wer die Kosten für eine Absage trägt, ist unterschiedlich.

  • Hochzeiten in Niedersachsen mit bis zu 50 Personen erlaubt - Gericht bestätigt Grenze.
  • Coronavirus-Pandemie wirft Planungen für Hochzeit über den Haufen.
  • Paare heiraten standesamtlich 2020 - Party ist für 2021 geplant.

Update 19. Oktober: Mit den steigenden Zahlen der Corona-Neuinfektionen wird es auch für die Hochzeitsbranche sowie Paare, die ihre Eheschließung feiern wollen, nicht einfacher. In Niedersachsen liegt der Inzidenzwert zwar noch unter der kritischen Marke von 50 Neuinfektionen, aber in Regionen vereinzelt auch darüber. Für private Feiern, zu denen auch Hochzeiten gehören, gilt daher zunächst weiterhin eine Begrenzung der Teilnehmerzahl auf drinnen 25 Personen und für Feiern draußen 50 Personen.

Für die Gastronomie-Betriebe liegt die Teilnehmerbegrenzung für Veranstaltungen bei 100 Gästen. Zu bestimmten Uhrzeiten gelten zudem unterschiedliche Einschränkungen in Verbindung mit dem Alkoholausschank. Festgelegt ist außerdem, dass die Obergrenzen gesenkt werden müssen, sollte die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche über die Werte 35 oder 50 steigen. Dies gelte dann für den betroffenen Kreis oder in der kreisfreien Stadt.

Update 28. August: September ist neben Mai auch in Niedersachsen der beliebteste Monat zum Heiraten. Doch viele Brautpaare haben ihre Feier womöglich schon abgesagt oder verschoben. Doch wer zahlt eigentlich, wenn die Feier abgesagt werden muss? „Da kommt es wirklich auf die Details an“, sagt Hochzeitsplanerin Svenja Schirk. Als Faustregel gilt: Sagt ein Brautpaar von sich aus ab und nicht als Folge zum Beispiel einer Verordnung, „dann bleiben Kosten hängen.“

Anders ist der Fall vielleicht, wenn eine Location zum Beispiel per Gesetz geschlossen wird. Dann würde der Vertrag aufgelöst, erklärt Svenja Schirk. Hat ein Dienstleister dagegen schon Arbeit investiert, für den Druck und Versand von Einladungen zum Beispiel, müssen Brautpaare in der Regel zahlen und können auch kein Geld zurückfordern.

Update 15. August: Die in Niedersachsen angesichts der Corona-Pandemie geltende Beschränkung der Gästezahl bei Hochzeiten ist nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes rechtmäßig. Nach der Regelung sind maximal 50 Personen bei Hochzeiten in Räumen außerhalb der eigenen Wohnung zulässig. Dagegen hatte eine Frau geklagt, die ein Anwesen mit weitläufigen Außenanlagen und mehreren Gebäuden für üblicherweise 80 bis 120 Gäste vermietet, wie das Gericht in Lüneburg mitteilte. (Az.: 13 MN 290/20)

Hochzeit mit Maskenpflicht. Ein Brautpaar heiratet mit Mund-Nasen-Bedeckung im Autokino.

Nach Gerichtsangaben hatte die Frau argumentiert, auf ihrem Gelände sei ein Einhalten von Sicherheitsabständen problemlos möglich. Sie werde im Vergleich zu Veranstaltungsorten in anderen Bundesländern benachteiligt, wo deutlich größere Hochzeitsgesellschaften zulässig seien. Auch in der Gastronomie bestehe allgemein keinerlei Beschränkung der Personenzahl mehr. Zudem sei nicht nachzuvollziehen, dass Hochzeitsfeiern in der eigenen Wohnung weitgehend ohne Beschränkungen möglich seien.

Corona-Hochzeiten bleiben reguliert

Das Gericht hat dagegen in dem Eilverfahren die Begrenzung als rechtmäßig angesehen. Die Corona-Pandemie rechtfertige es, Feiern, bei denen es typischerweise zu überschwänglichen Handlungen komme, in ihrer Teilnehmerzahl zu beschränken. Feiern unterschieden sich etwa von Gastronomiebesuchen dadurch, dass ein engerer und länger andauernder Kontakt zwischen allen Anwesenden stattfinde. Auch, dass Niedersachsen sich dafür entschieden habe, Feiern in privaten Wohnungen als dem elementaren Lebensraum des Einzelnen weitgehend unreguliert zu lassen, sei kein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz. Der Beschluss ist den Angaben zufolge unanfechtbar.

BundeslandNiedersachsen
Bevölkerung7,982 Millionen
HauptstadtHannover

Update 14. August: Fallen die großen Hochzeitsfeiern weg, werden weniger Brautkleider gekauft. Diese bekommen die Brautmoden-Geschäfte gerade deutlich zu spüren. Für das Dream Haus in Brinkum bedeutet die Corona-Krise das Aus. Das Brautmoden-Geschäft wird Ende September schließen.

Update 12. August: Veronika Wintjen und Kevin Vieth haben geheiratet. Trotz großer Einschränkungen mitten in der Corona-Pandemie haben die beiden Brautleute sich am 20. Juni in Oldendorf im Landkreis Stade (Niedersachsen) das Ja-Wort gegeben. „Es fühlt sich immer noch genau richtig an, jetzt schon den Ring zu tragen und nicht bis 2021 gewartet zu haben“, sagt die 30-jährige Wintjen Mitte August, zwei Monate später. Damit liegt das Ehepaar eindeutig nicht im Trend der von Absagen und Verschiebungen geprägten Heiratssaison 2020. Und auch Regine Suling-Williges hat ihrem Lebenspartner kürzlich im Kreis Diepholz das Ja-Wort gegeben.

Heiraten in Corona-Zeiten: Einladung per WhatsApp

Für Hochzeitsplaner, Gastronomen, Fotografen oder Musiker ist es ein verlorenes Jahr. Veronika Wintjen und Kevin Vieth wollen die große Dorf-Feier in der Stader Geest mit mehr als 150 Gästen 2021 nachholen. Die standesamtliche Trauung und einen Freiluft-Gottesdienst wollten Wintjen und Vieth aber unbedingt in diesem Sommer haben. Für die Verhandlungen mit dem Kirchenvorstand baute die Bank-Betriebswirtin Wintjen eigens einen Outdoor-Sitzplan aus den Google-Maps-Aufnahmen des Kirchhofes, um die korrekte Umsetzung der Abstandsregeln zu illustrieren.

Der Kirchenvorstand blieb skeptisch, eine Woche vor dem Standesamts-Termin am 10. Juni war die kirchliche Trauung noch nicht genehmigt - undenkbar im langfristigen Hochzeitsgeschäft. Schließlich gab es grünes Licht - und 70 Gäste wurden kurzfristig per WhatsApp zur Trauung unter freiem Himmel geladen, mit Masken bis zum Sitzplatz und Anwesenheitsliste, statt Orgelmusik mit Keyboard und Sologesang. Dafür gab es Gottes Segen unter einem selbst gebauten Traubogen.

20 Personen feiern mit Regine Suling-Williges und ihrem Mann Hochzeit.

Regine Suling-Williges wiederum wollte am 5. Juni standesamtlich heiraten, am 13. Juni mit rund 120 Gästen feiern. Für sie, wie viele andere Paare, macht das Coronavirus die aufwendigen Planungen einer Hochzeit zunichte. „Für einige wurde dadurch sogar die komplette Lebensplanung über den Haufen geworfen“, sagt Sara Terveen, Hochzeitsplanerin und Brautmoden-Ausstatterin aus Bruchhausen-Vilsen.

„93 Prozent unserer geplanten Aufträge sind weggefallen“

Standesamtliche Trauungen finden zwar statt, den Gottesdienst samt anschließender Party verschieben die meisten Brautpaare aber in das Jahr 2021. 20 bis 30 Hochzeiten begleiten Stefan Gellert und sein  Team von „Fliederfilm“, einer Hochzeitsfilmagentur aus Hildesheim,  normalerweise pro Jahr. „93 Prozent unserer geplanten Aufträge sind weggefallen“, sagt der 35-jährige Gellert, der seit 2010 im Geschäft ist. Weil Auftraggeber oft mehr als ein Jahr im Voraus planten, seien nachgeholte Feiern für 2021 in der Mehrzahl bereits angedacht. Endgültige Gewissheit hätten die Filmprofis indes noch nicht.

Dramatisch weniger als die üblichen vier Milliarden Euro Hochzeitsumsatz pro Jahr beklagt der Bund deutscher Hochzeitsplaner. „Aufgrund der allgemeinen Verunsicherung sagt ein Großteil der Brautpaare ihre Hochzeitsfeier derzeit ab oder verschiebt sie“, schrieb der Verband Anfang Juni an die Bundesregierung, forderte finanzielle Unterstützung und vereinfachte Auflagen für private Hochzeitsfeiern.

„Ich könnte die Freunde, die extra aus Moskau und den USA gekommen wären, an diesem ganz besonderen Tag nicht einmal umarmen“, sagt Anna Findert. Die 48-Jährige und ihr Lebensgefährte wollten ursprünglich am 11. Juli heiraten, hatten schon seit November dazu eingeladen. Nun haben sie ihre Feier auf Pfingsten 2021 verschoben. „Natürlich kann man in dieser Zeit trotzdem heiraten“, sagt die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. „Aber für uns wäre es einfach nicht passend gewesen. Denn die Feier soll wichtiger sein als das Virus.“ (epd)

Meldung vom 9. Juni: Ganz in Weiß, kirchlich oder im Grünen und ganz unkonventionell: Von der perfekten Hochzeit haben Brautpaare unterschiedliche Vorstellungen. Mit Mindestabstand, Mundschutz und ohne Händeschütteln dürfte aber bei den wenigsten auf der Wunschliste gestanden haben. In der Coronavirus-Krise sagen darum viele ihre Hochzeiten ab, große Feiern fallen aus. Floristen, Veranstalter und andere Gewerke leiden mit.

Die Teilnahme an Hochzeitsfeiern ist seit 8. Juni mit bis zu 50 Personen gestattet, unabhängig von den Hausständen. Auch im Standesamt sind bis zu 50 Personen möglich. Wenn nach der standesamtlichen Trauung in einer Gaststätte oder einem Veranstaltungsraum gefeiert werden soll, sind die aktuellen Corona-Regeln der Gastronomie verpflichtend. Die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregelungen ist geboten.

Heiraten in Coronavirus-Zeiten: Kreative Lösungen gesucht

Wie sieht es momentan in der Hochzeits-Branche aus? Nach und nach trudelten bei Christiane Schivelbein die Absagen ein. Seit April stornierten bei der Hochzeitsplanerin in Oldenburg alle Brautpaare ihre liebevoll und von langer Hand geplanten Partys. Nur eine im Oktober sei noch nicht abgesagt, erzählt sie. Die derzeitigen Auflagen lassen die Möglichkeiten zum Feiern dramatisch sinken - und die Lust an der Party nur noch im kleinen Kreis ebenso. „Die Hochzeit soll einer der schönsten Tage im Leben werden. Die Menschen wollen unbeschwert feiern und tanzen, das Brautpaar in den Arm nehmen. Aber mit Masken und Abstandsregeln ist das für niemanden schön“, sagt Schivelbein.

Viele Brautpaare haben ihre Hochzeit wegen der Coronakrise abgesagt oder verschoben. Für Hochzeitsplaner und alle Beteiligten dieser Branche eine dramatische Situation.

Eine Trauung mit Familie und Freunden, eine große Hochzeitsfeier - was vor der Coronavirus-Pandemie als normal galt, ist derzeit angesichts der Maßnahmen nur schwer realisierbar. Die Ungewissheit hat unmittelbaren Einfluss auf ihre Arbeit, erzählt Schivelbein. Vielleicht gebe es die Location oder das Restaurant im nächsten Jahr wegen einer Insolvenz nicht mehr, vielleicht gelten Maskenpflicht und Abstandsregeln noch immer. Die Landesregierung Niedersachsen hatte über eine neue Corona-Verordnung abgestimmt.

Winterhochzeit in Niedersachsen neuer Trend?

Anders geht Janine Tameling mit der Situation um. Für den Sommer bietet die Hochzeitsplanerin neuerdings freie Trauungen auf einem Alpaka-Gestüt bei Hannover an - nur für Brautpaare und zwei Trauzeugen in kleinem Kreis. Zudem gewinne das Thema Winterhochzeit an Bedeutung. „Viele möchten ihre Hochzeit im Herbst nachholen, wir haben jetzt Termine bis in den Oktober und November hinein“, sagt sie. Im Januar habe sie ein Wintershooting im Harz gehabt, mit einem Paar das in diesem Jahr auch offiziell heiratet. „Die verschneite Kulisse war einfach traumhaft“, sagt Tameling.

Eine traumhafte Kulisse ist auch der Strand. Auf der Insel Juist sind seit Ende Mai standesamtliche Strandhochzeiten in der Abenddämmerung offiziell möglich. „Das ist eine ganz besondere Atmosphäre in den Abendstunden, etwas für Romantiker“, sagt Standesbeamter Ingo Steinkrauß. Die Abstandsregeln seien am Strand kein Problem. Strandhochzeiten unter freiem Himmel tagsüber bietet die Insel nach eigenen Angaben seit einem Jahr an.

Auf Schloss Marienburg bei Hannover sind mittlerweile wieder Feiern im mittelgroßen Rahmen möglich. „Aktuell können wir Hochzeitsfeiern mit maximal 50 Personen anbieten. Dort gelten allerdings auch die Abstandsregeln. Es darf nur ein Menü – kein Buffet – angeboten werden. Und es darf nicht getanzt werden“, sagt Corinna Meyer vom Schlossmarketing. Standesamtliche Trauungen seien mit maximal zehn Menschen möglich. Trotzdem sei die Hälfte der geplanten Trauungen abgesagt worden, weil sich Brautpaare unter diesen Umständen nicht das Ja-Wort geben wollten.

Viele Hochzeitsfeiern in Niedersachsen abgesagt oder verschoben

Ähnliche Erfahrungen hat Susanne Schwabe, zuständig für Hochzeitsplanungen auf Schloss Bückeburg, gemacht. Im Mai habe es keine Trauungen gegeben, derzeit seien standesamtliche Trauungen mit 15 Personen erlaubt – mit Abständen und Masken. Viele Hochzeitsfeiern, die im Schloss geplant waren, wurden abgesagt oder ins nächste Jahr verschoben. „Wir haben Hochzeiten mit Gästen aus aller Welt, die gar nicht anreisen können“, sagt Schwabe.

Die Regelung mit 50 erlaubten Teilnehmern bei Hochzeitsfeiern sei kaum umzusetzen. An einem Tisch dürften nur Personen aus zwei Haushalten sitzen, dann seien die Abstände der einzelnen Tische einzuhalten und es gebe aufwendige Hygienemaßnahmen.

Absagen gab es auch bei den Standesämtern. Seit Beginn der Coronavirus-Krise wurden in Braunschweig 43 Trauungen abgesagt und etwa 35 verschoben, wie Sprecherin Sabrina Bindernagel mitteilt. Im Mai seien 101 Ehen geschlossen worden, im Vorjahresmonat seien es 135 gewesen. Eheschließungen seien im Standesamt mit Gästen unter Einschränkungen möglich: drei Sitzplätze am Trautisch für Brautpaar und Standesbeamtin, sechs Sitzplätze für Gäste und ein Stehplatz für den Fotografen. Für Kinder und Dolmetscher würde keine Ausnahme gemacht werden. Zudem müssten alle eine Maske tragen. „Einige Paare sind auch froh, überhaupt heiraten zu können und jetzt auch wieder mit zumindest einigen Gästen“, erklärt die Sprecherin.

Im Standesamt Hannover wurden im Mai 132 Ehen geschlossen, im Vorjahresmonat waren es 193, wie Stadtsprecher Udo Möller berichtet. „Absagen von Trauungen kommen regelmäßig vor, aber tatsächlich war das in den zurückliegenden Monaten verstärkt zu beobachten.“

Weil die meisten Paare die Hochzeit verschieben, dürfte es im kommenden Jahr eng werden mit den Terminen. Der Run auf besonders beliebte Termine ist auch in vielen Standesämtern groß.

dpa/hh

Rubriklistenbild: © picture alliance/Hauke-Christian Dittrich/dpa

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