Impfstoffe und wie sie funktionieren

Corona-Impfungen: US-Experten zweifeln an Astrazeneca-Daten

Astrazeneca könnte bei einer US-Studie veraltete Informationen genutzt haben. Ein Überblick zu Impfstoffen und Priorisierungsgruppen in Niedersachsen.

Hannover - Update vom 23. März, 09:30 Uhr: Eine neue US-Studie, die dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca eine hohe Wirksamkeit bescheinigt, könnte nach Angaben von US-Gesundheitsexperten auf veralteten Informationen beruhen. Das Data Safety Monitoring Board (DSMB) äußerte sich „besorgt darüber, dass Astrazeneca veraltete Informationen einbezogen haben könnte, die ein unvollständiges Bild der Wirksamkeitsdaten vermittelt haben könnten“, teilte das US-Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) am Dienstag mit.

Die Experten forderten Astrazeneca auf, „mit dem Data and Safety Monitoring Board (DSMB) zusammenzuarbeiten, um die Wirksamkeitsdaten zu überprüfen und sicherzustellen, dass die genauesten, aktuellsten Wirksamkeitsdaten so schnell wie möglich veröffentlicht werden“.

Das britisch-schwedische Unternehmen hatte am Montag die Ergebnisse einer neuen Untersuchung mit über 32.000 Teilnehmern in den USA, Peru und Chile bekannt gegeben. Laut der Studie lschützt das Präparat zu 79 Prozent vor dem Coronavirus. (mit Material der dpa)

Update vom 22. März, 12.30 Uhr:  Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca und der Oxford University ist einer neuen US-Studie zufolge wirksamer als bisher angenommen. Wie das britisch-schwedische Unternehmen mitteilte, wurde im Rahmen einer Untersuchung mit über 32.000 Teilnehmern in den USA, Peru und Chile eine Effektivität von 79 Prozent ermittelt. Bisher gab Astrazeneca für seinen Corona-Impfstoff eine Wirksamkeit von 70 Prozent an.

Laut der Studie schützt das Präparat zu 100 Prozent gegen schwere Krankheitsverläufe. Bei Menschen über 65 Jahren weist es eine Wirksamkeit von 80 Prozent auf. Ein erhöhtes Thrombose-Risiko wurde bei den Probanden nicht festgestellt.

Update vom 22. März, 11 Uhr: Nach den Turbulenzen um den Corona-Impfstoff von Astrazeneca ist das Vertrauen in das Vakzin in mehreren europäischen Ländern deutlich gesunken. Laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage des britischen Instituts Yougov hält eine Mehrheit der Menschen in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien den Impfstoff für unsicher. Demnach erhöhte sich der Anteil der Deutschen, die dem Astrazeneca-Präparat misstrauen, innerhalb eines Monats um 15 Prozentpunkte auf 55 Prozent. Nur 32 Prozent der Bundesbürger stuften ihn als sicher ein. (dpa)

Update vom 19. März: Beim Impfgipfel mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den anderen Ministerpräsidenten wurde beschlossen, dass unmittelbar nach Ostern die Hausärzte routinemäßig in die Schutzimpfungen einsteigen sollen. Allerdings werde der Impfstoff im April immer noch knapp sein, heißt es im Beschlusspapier von Bund und Ländern vom Freitagabend. (dpa)

Impfung in Niedersachsen: Seit Freitag wieder Astrazeneca-Impfstoff im Einsatz

Update vom 19. März: Die vorsorglich gestoppten Corona-Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca sollen schon am Freitag wieder in Niedersachsen starten. „So kann unsere Impfkampagne schnell wieder Fahrt aufnehmen. Wir werden im Laufe des morgigen Tages die Impftermine in den Impfzentren wieder hochfahren“, teilte Gesundheitsministerin Daniela Behrens am Donnerstagabend in Hannover mit. „Darüber hinaus ist jetzt der Weg geebnet, die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ab Mitte April mit einzubinden.“

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hatte zuvor die Sicherheit des Impfstoffes des britisch-schwedischen Unternehmens bekräftigt. Es werde aber eine extra Warnung vor möglichen seltenen Fällen von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen hinzugefügt, hieß es.

Update vom 16. März: Das vorläufige Aus für die Corona-Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca trifft auch zahlreiche Niedersachsen, die in den kommenden Wochen geimpft werden sollten. Rund 160.000 Termine müssten abgesagt beziehungsweise verlegt werden, teilte das Gesundheitsministerium in Hannover am Dienstag mit. Die Betroffenen sollen vom Land informiert werden und schnellstmöglich automatisch einen neuen Termin erhalten. „Über das System der Warteliste werden diese Personen als erste mit einem neuen Termin versorgt, sobald entsprechende Impfstoffe in den Impfzentren vorhanden sind. Über 80-Jährige werden hierbei priorisiert behandelt“, hieß es.

Die aktuelle Entwicklung wirft uns in der Impfkampagne natürlich wieder ein Stück zurück. Deswegen hoffe ich, dass die EMA jetzt sehr zügig entscheidet

Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD)

Der Impfstoff von Astrazeneca macht den Angaben zufolge in Niedersachsen rund ein Viertel der Impfkapazität aus. Seit dem 1. Februar habe es damit 157.523 Erstimpfungen gegeben, Zweitimpfungen wurden noch nicht verabreicht. Die frühesten Termine für die zweite Astrazeneca-Impfung waren für Mitte April vergeben worden.

Für das weitere Vorgehen wartet das Land nun die Entscheidungen der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) ab. „Die aktuelle Entwicklung wirft uns in der Impfkampagne natürlich wieder ein Stück zurück. Deswegen hoffe ich, dass die EMA jetzt sehr zügig entscheidet“, sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD). (dpa)

Gesundheitsminister Jens Spahn gibt Erklärung zu Astrazeneca-Impfstopp

Update vom 15. März, 16.14 Uhr: Auch Deutschland setzt Corona-Impfungen mit dem Präparat des Herstellers Astrazeneca vorsorglich aus. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium am Montag mit und verwies auf eine aktuelle Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts zu notwendigen weiteren Untersuchungen. (dpa)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte dazu in einem kurzen Statement, dass die Impfung „vorsorglich“ ausgesetzt wird. Es habe weitere berichtete Vorfälle in zeitlichem Zusammenhang mit der Astrazeneca-Impfung gegeben, also müsse die Lage neu bewertet werden. Die Impfung werde ausgesetzt, um weitere Untersuchungen vorzunehmen, die sich auch auf die Zulassung des Impfstoffes auswirken könnte. Die Entscheidung betreffe sowohl Erst- als auch Folgeimpfung.

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, äußert sich auf einer Pressekonferenz zur Aussetzung des Corona-Impfstoffs Astrazeneca.

Nach positivem Ergebnis der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) werden die Impfungen gegebenenfalls nachgeholt. „Die Entscheidung heute ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Uns allen ist die Tragweite bewusst und wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Es ist eine fachliche Entscheidung, keine politische, daher folge ich hier der Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts“, sagte Spahn während des Statements. Es müsse die Zeit geben, die jüngsten Ereignisse zu untersuchen und dieser Prozess werde nun abgewartet.

Update vom 15. März, 09.31 Uhr: Wer über 70 Jahre alt ist, kann sich ab heute offiziell telefonisch oder online einen Termin für die Corona-Schutzimpfung in Niedersachsen besorgen. Das Internet-Portal sei bereits am Wochenende zu Testzwecken freigeschaltet worden, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Sonntag in Hannover. Dabei sei es zeitweise auch schon möglich gewesen, einen Termin zu vereinbaren. Die Landesregierung will vermeiden, dass es wie bei den über 80-Jährigen zu einem Ansturm mit einer Überlastung von Hotline und Impfportal kommt. (dpa)

Impftermine für die Priorisierungsgruppe 2

Die Termine können vereinbart werden unter der Telefonnummer 0800 998 86 65

oder online auf www.impfportal-niedersachsen.de

Auf der Website des Niedersächsischen Gesundheitsministerium wird darüber informiert, dass ab Ende dieser Woche die Impf-Einladungen verschickt werden. Wichtig zu wissen ist zudem, dass die Schreiben wochenweise nach Jahrgängen verschickt werden. Wer also erst vor Kurzem 70 geworden ist, muss etwas länger auf seine Einladung warten, als ein 79-Jähriger.

Bundesland:Niedersachsen
Landeshauptstadt:Hannover
Einwohnerzahl:7.993.608 (31. Dezember 2019)
Regierungschef:Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)

„Viele Menschen möchten jetzt verständlicherweise so schnell wie möglich einen Impftermin bekommen. Wir haben die Zahl der Hotline-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter verdoppelt und steigern sie weiter. Das Internetportal ist erprobt und der Betrieb läuft einwandfrei. Dennoch wird die Internetseite und die Hotline in den ersten Tagen vermutlich sehr belastet sein. Deswegen bitten wir die Menschen über 70 Jahren, sich erst dann für einen Termin registrieren zu lassen, wenn sie unser Anschreiben erhalten. So erhoffen wir uns, den Ansturm etwas abzumildern“, sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens

Zulassung des vierten Impfstoffs in der EU

Update vom 14. März: Mit der Zulassung des Impfstoffs des Herstellers Johnson & Johnson ist die EU nun in der Lage, vier verschiedene Mittel gegen das Coronavirus einzusetzen. Wie auch das Präparat von Astra-Zeneca ist auch das neue Mittel ein Vektorimpfstoff. Diese benötigen ein Virus, um Informationen in den Körper zu transportieren. Das unschädlich gemachte Schnupfenvirus enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, das mit dem Erreger Sars-Cov-2 an menschliche Zellen andockt. Der Körper entwickelt dann eine Immunantwort. Die EU-Kommission genehmigte am Donnerstag die Nutzung des Impfstoffs, der von der Johnson-Tochter Janssen in den Niederlanden entwickelt wurde. Im Unterschied zu den drei bisher zugelassenen Impfstoffen, muss dieser nur einmal verabreicht werden. (dpa)

Im Unterschied zu den drei bisher zugelassenen Impfstoffen, muss das Präparat von Johnson & Johnson nur einmal verabreicht werden.

mRNA und Vektor: Diese Impfstoffe gibt es und so funktionieren sie

In Deutschland sind drei verschiedene Impfstoffe zugelassen. Zwei davon sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. Sie wirken so, dass der Körper dazu veranlasst wird, Antikörper zu bilden, indem man ihm Teile der Erbinformation des zu bekämpfenden Virus spritzt. Diese Teile sind harmlos, bewirken aber, dass der Körper mit der natürlichen Reaktion auf eine Infektion beginnt. Der zuerst zugelassene Impfstoff von Biontech/Pfizer arbeitet auf diese Weise. Seit dem 7. Januar wird auch der Moderna-Impfstoff eingesetzt.

Anders als die beiden ist der seit dem 29. Januar zugelassene und einsetzte Impfstoff von Astra-Zeneca ein Vektor-Impfstoff. Seine Funktionsweise ist die, dass ein abgeschwächter und somit harmloser Virus gespritzt wird. Daraufreagiert der Körper mit Bildung des Immunschutzes. Der Impfstoff von Astra-Zeneca sieht sich jedoch einer gewissen Skepsis gegenüber. In Deutschland blieb in den vergangenen Wochen eine Vielzahl der Impfdosen ungenutzt.

Ein Grund ist, dass frühere Berichte über eine geringere Wirksamkeit sowie Nebenwirkungen die Zweifel dem Impfstoff gegenüber erhöht hatten. Zudem empfahl die Ständige Impfkomission (Stiko) das Präparat zunächst nur für Menschen unter 65 Jahren. Mittlerweile rät sie, das Vakzin für alle zu verwenden. Daten aus England und Schottland, wo bereits Millionen Menschen geimpft sind, bescheinigen dem Impfstoff eine sehr hohe Wirksamkeit gegen schwere Verläufe von Covid-19 in allen Altersgruppen.

Die Priorisierungsgruppen und die Impf-Reihenfolge

Für die Impf-Reihenfolge wird sich an den festgelegten Priorisierungsgruppen orientieren. Insgesamt gibt es vier Stück. Begonnen wurde mit der Gruppe höchster Priorität. Dies betraf besonders die Menschen über 80 Jahren und Bewohner sowie Personal in Alten- und Pflegeheimen. Aber auch das Personal ambulanter Pflegedienste gehört in die erste Gruppe sowie Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen, mit sehr hohem Risiko Covid-19 ausgesetzt zu werden. Außerdem sind Beschäftigte in medizinische Einrichtungen in dieser Gruppe, die besonderes gefährdete Menschen behandeln, betreuen oder Pflegen, wie zum Beispiel in der Onkologie oder Geburtshilfe.

Die priorisierte Impfung von Polizeibediensteten hat in Niedersachsen bereits begonnen.

Zur zweiten Gruppe gehören Menschen, die älter als 70 Jahre sind, Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen und Personen, für ein hohes Risiko eines schweren Verlaufs besteht. Weitere Beschäftigte medizinischer Einrichtungen sowie enge Kontaktpersonen der über 70-Jährigen, Polizei- und Ordnungskräfte und ebenso Beschäftigte in Kinderbetreuungseinrichtungen, Grund-, Sonder- und Förderschulen gehören in die zweite Gruppe. Die ersten Polizisten in Niedersachsen haben in der vergangenen Woche bereits eine Corona-Impfung erhalten. Eine genau Übersicht der verschiedenen Gruppe findet sich unter anderem bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Die Dritte Priorisierungsgruppe umfasst die über 60-Jährigen, weitere Personen mit Vorerkrankungen sowie enge Kontaktpersonen der über 60-Jährigen. In der dritten Gruppe werden zudem Personen in staatlichen Schlüsselpositionen aufgeführt und Menschen, die beispielsweise als Saisonarbeiter tätig sind oder in der fleischverarbeitenden Industrie. Alle anderen Menschen, die nicht durch einer der drei Gruppen berücksichtigt sind, sind erst dann an der Reihe, wenn alle anderen geimpft sind.

Die Ausnahmen von der Regel: Besonders gefährdete Berufsgruppen und Menschen mit Vorerkrankung

Mit einem Schreiben vom 23. Februar hat die Landesregierung den Impfzentren erlaubt, damit zu beginnen, den Astra-Zeneca-Impfstoff den Personen in der Priorität zwei zu verabreichen. Selbst dann, wenn in Gruppe eins noch nicht alle mit den mRNA-Impfstoffen geimpft wurden. Mit der Corona-Impf-Verordnung vom 24. Februar sind zudem Angestellte in Kinderbetreuungseinrichtungen, der Kindertagespflege und Grundschulen, Sonderschulen oder Förderschulen in die zweite Gruppe aufgenommen worden.

Angesichts des Wiederbeginns des Schulunterrichts hatte der Schulleitungsverband Niedersachsen ein Impfangebot für alle Schulbeschäftigten gefordert.

Kita-Personal und Beschäftigte an Grund- und Förderschulen in Niedersachsen können also ab sofort mit hoher Priorität der Kategorie zwei gegen das Coronavirus geimpft werden. Der entsprechende Erlass sei nun an die Impfzentren gegangen. Diese sollten nun Kontakt mit Schulen und Trägern der Kinder- und Jugendhilfe aufnehmen und Termine mit dem „impfwilligen Personal“ ausmachen, teilten das niedersächsische Gesundheits- und das Kultusministerium am Sonntag mit. Alle Personen, die in der Kindertagesbetreuung sowie an Grund- und Förderschulen tätig seien, sollten ein Impfangebot erhalten. Mobile Impfteams könnten die Impfungen übernehmen. Mit Material der dpa.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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